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Archiv für ‘Aktivismus’

Aufruf zur praktischen Solidarität am kommenden Wochenende: “Menschenrechte auch für Zwitter!”

10.09.2012 Von: Kathrin Kategorie: Aktivismus, Neuigkeiten

Inhaltswarnung: medizinische Gewalt/explizite Benennung gewaltsamer medizinischer Praxen im Kontext Intersexualität in der unten zitierten Pressemitteilung.

Die Gruppe Zwischengeschlecht.org ruft für das kommende Wochenende zum Protest gegen Genitalverstümmlung bei intersexuell geborenen Kindern auf. Anlass ist der Kongress der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Das Bündnis enter_the_gap und die AG Queer Studies schließen sich diesem Aufruf und der Forderung nach einem Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen und „Menschenrechte auch für Zwitter!“ an.

Am Donnerstag um 19 Uhr wird es eine Infoveranstaltung im Kulturkursraum der Uni geben. Wer sich dem Protest anschließen will kommt am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr zum Congresscentrum (CCH) und am Sonntag zwischen 11 und 15 Uhr zum Altonaer Krankenhaus (jeweils vor dem Haupteingang). Genauere Informationen findet ihr in der Presseerklärung von Zwischengeschlecht.org.

Die Universität Hamburg war zentral für die Durchsetzung der systematischen Inters*x-Genitalverstümmelungen. Unbeirrbar verteidigten Professoren kosmetische Klitorisamputationen: „Die Orgasmusfähigkeit leidet durch die Klitorisentfernung nicht. Das Organ soll dabei exstirpiert werden.“ Heute noch werden in mindestes 5 Hamburger Kliniken medizinisch nicht notwendige „Genitalkorrekturen“ an Kindern durchgeführt. Diese Woche treffen sich im Congress Center Hamburg zur „DGKJ 2012“ mehrere verantwortliche Medizinerverbände.

Betroffene und Unterstützende protestieren und fordern Aufarbeitung!

  • Do 13.09.2012 19:00h INFOABEND im Kulturkursraum der Universität
    Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker” Eingang AStA Trakt)
    „Inters*x-Genitalverstümmelungen in Hamburg – Geschichte und Gegenwart“
    Vortrag & Diskussion mit Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org)
  • Sa 15.09. 10-18h FRIEDLICHER PROTEST „DGKJ 2012“ Congress Center Hamburg CCH
    Am Dammtor / Marseiller Str., 20355 Hamburg, vor dem Haupteingang
  • So 16.09. 11-15h FRIEDLICHER PROTEST Altonaer Kinderkrankenhaus AKK
    Bleickenallee 38, 22763 Hamdem Haupteingang

„In der Regel wird die Klitorisreduktionsplastik in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt.“ (DGKJ-Leitlinie 027/047 „Adrenogenitales Syndrom“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

Etwa jedes 1000. Kind wird mit „atypischen“ körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren (sog. Zwitter, Hermaphroditen, Inters*xe). Bis heute werden diese Menschen zu 90% als Kleinkinder kosmetisch genitaloperiert. Allein in Deutschland wird JEDEN TAG in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch in Hamburg.

Historisch waren die Universität Hamburg und ihre Kinderkliniken das 2. wichtigste Zentrum in Europa zur Durchsetzung der systematischen Genitalverstümmelungen an Inters*x-Kindern, und in Sachen kosmetische Klitorisamputationen das wohl unbeirrbarste. Prof. Jürgen Bierich behauptete bis mindestens 1971, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Orgasmusfähigkeit durch Klitorisentfernungen nicht beeinträchtigt werde. Bis mindestens 1976 wurde an der Uni Hamburg gelehrt: „In der Kinderheilkunde ist die Indikation zur Klitorektomie gegeben, wenn […] bei Mädchen ein übermäßiges Wachstum der Klitoris stattfindet.“

„Indiziert ist die Korrektur auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen. Ziel ist die Positionierung des Meatus urethrae an der Glansspitze.“ (DGKCH-Leitlinie 006/026 „Hypospadie“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

Heute noch sind in Hamburg medizinisch nicht notwendige „Genitalkorrekturen“ an wehrlosen Kindern an der Tagesordnung, etwa im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), dessen Ableger Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) und in den Privatkliniken Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift, Asklepios und Helios Mariahilf.

In dieser Woche versammeln sich in Hamburg zur „DGKJ 2012“ zwei der hauptsächlich verantwortlichen Genitalabschneider-Standesorganisationen, nämlich die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH), um möglichst ungestört neue „Verbesserungen“ ihrer menschenrechtswidrigen „Behandlungen“ zu propagieren.

„Ein uneindeutiges Genitale kann eine erhebliche psychosoziale Belastung der Eltern und der Familie bedeuten.“ (DGKJ-Leitlinie 027/022 „Störungen der Geschlechtsentwicklung“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

Wir wollen bei diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zusehen!

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org, bestehend aus Betroffenen und solidarischen Nicht-Zwittern, kämpft seit 5 Jahren gegen kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken – und wird mit Unterstützung von enter_the_gap! und der AG Queerstudies vor Ort in Hamburg über diese menschenrechtswidrigen Praktiken informieren.

Und am Wochenende vor dem Kongress und dem Kinderkrankenhaus der Universitätsklinik friedlich protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen und gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

„Zudem bietet die operative Korrektur von der männlichen in die weibliche Richtung weit weniger Schwierigkeiten als umgekehrt.“ (DGU-Leitlinie 043/029 „Störungen der s*xuellen Differenzierung“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie „Menschenrechte auch für Zwitter!“.

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Workshop: Mehrfachpositionierungen – im Kontext von rassistischen und sexistischen Strukturen

10.09.2012 Von: Do. Gerbig Kategorie: Aktivismus, Neuigkeiten

Wir freuen uns, auch bei der Bekanntmachung dieses neuen workshops im Rahmen der Aktionswochen von enter_the_gap! unterstützen zu dürfen! Er wird schon am kommenden Samstag stattfinden!

 

Mehrfachpositionierungen – im Kontext von rassistischen und sexistischen Strukturen

 

Samstag, 15. September 2012, 11-16 Uhr, im Curio Haus, Rothenbaumchaussee 15

Die Veranstaltung richtet sich nur an FLTI* of Color / Schwarze FLTI* / FLTI* mit Migrationsgeschichte.

 

Rassismus, (Hetero-)Sexismus und Transphobie sind in Deutschland gesellschaftliche ‘Normalität’ und gehören zur Lebenswelt und Alltagserfahrung von FLTI* of Color / Schwarze FLTI* / FLTI* mit Migrationsgeschichte. Als gesellschaftliche Machtverhältnisse bewirken Rassismus und Sexismus Benachteiligung, Ausgrenzung und Gewalt. Sie bestimmen das Wissen und die Bilder über markierte Menschen und legen damit auch fest auf welche Weise wir uns selbst und einander wahrnehmen.

Sowohl in heteronormativ geprägten Gruppen als auch in von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft dominierten feministischen Zusammenhängen werden häufig die Thematisierung diese Mehrfachpositionierungen und Erfahrungswelten ausgeblendet oder reflexartig abgelehnt.

 

Vor diesem Hintergrund richtet sich dieser Workshop ausschließlich an Personen mit eigenen Rassismus- und Sexismuserfahrungen. D.h. an Menschen, die in Deutschland aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer ethnischen und/oder religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Sprache mit Rassismus und aufgrund ihres Geschlechts und/oder sexuellen Orientierung mit (Hetero-)Sexismus und Transphobie konfrontiert sind.

 

Ziel des Workshops ist es, kollektiv einem Raum zu gestalten, in dem es möglich wird, die verschieden erlebten und erfahrenen (Mehrfach-) Diskriminierungen zur Sprache zu bringen.

Im Verständnis einer subjektorientierten politischen Bildungsarbeit werden wir, mit Lust und Bewegung, uns unser Wissen, unsere Potenziale und unsere Handlungsstrategien bewusst machen, im Gruppenprozess reflektieren und erweitern.

In diesem Sinne können Handlungsspielräume und Alternativen für individuelle und kollektive Politisierung und Stärkung sichtbar gemacht werden.

 

 

Leitung: Nissar Gardi (Karano, GEW)

Maximal 18 Teilnehmende möglich. Um Anmeldung unter Workshop-RS@gmx.de wird gebeten.

FLTI* steht für FrauenLesbenTransIntersex Personen

Der Zugang zum Raum ist barrierefrei.

Wider den Aufklärismus

13.08.2012 Von: W. Kategorie: Aktivismus

Was bisher geschah: Das Buchholzer Wochenblatt durckte am 21.7..2012 auf Seite 8 eine Leserzuschrift zum Kölner Beschneidungsurteil im Artikelteil. Es handelte sich letztlich um philosophisch verpackte rassistische[3] Äußerungen, beispielsweise mit solch ‘durchdachten’ Sätzen wie: “Die Juden und die Moslems haben den Quantensprung in die Moderne verpasst.” Die AG Queer Studies konnte und wollte dies nicht unkommentiert lassen, denn Rassismuskritik ist uns ein Anliegen, Philosophie (einigen) ein Vergnügen. Und so schrieben zwei QueerAG-mit-Cyborgs Leser*innenbriefe, die im folgenden zu einem Text zusammengefügt wurden:

Philosophische Untiefen

Über einen Zusammenhang zwischen Vorhaut und Vernunft diskutieren zu müssen, wirft die Frage auf, mit welchem Organ da eigentlich gedacht wird. Und in der Tat ist auch am vorliegenden Text entscheidend, was fehlt.

Offensichtlich wird das Christentum bei der (scheinbaren) Religionskritik komplett ausgespart. Dabei war das Christentum die unmittelbare Gegnerin der (modernen) Naturwissenschaft und es ist diese Religion welche hierzulande immer noch staatliche wie arbeitsrechtliche Förderung genießt.

Wer “Körperliche Unversehrtheit” als hohes Gut ansieht, sollte sich zunächst gegen Zwangsoperationen an intersexuellen Menschen einsetzen, denn bei sogenannten “geschlechtsangleichenden Operationen” an Kindern handelt es sich unstrittig um schwere und leidvolle Eingriffe.

Wieso aber wird dies nicht thematisiert? Vielleicht weil sich darüber kein Anderes konstruieren lässt. Im konkreten Fall sind die Anderen(tm) (wörtlich) “die Juden” und “die Moslems”. Mit derartig groben Verallgemeinerungen läßt sich kaum eine sinnvolle Aussage treffen. Beispielsweise der Beitrag Moses Mendelssohns zur deutschsprachigen Aufklärungsphilosphie hätte in solch einem Gegensatz keinen Platz. Der philosophischen Richtigkeit halber sei auch kurz darauf hingewiesen, dass das komplizierte Verhältnis von Aufklärung und Humanismus keine Gleichsetzung zulässt und sich auch der Stalininismus hierzu zählte.[1]

Leid mit den Mitteln der Moderne und in Folge der Aufklärung scheint keine Bedeutung zugemessen zu werden. “Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.”[2] So die Sozialwissenschaftler Adorno und Horkheimer 1947 in dem Werk “Dialektik der Aufklärung”. Dessen Hauptthese, die Aufklärung könne in ihr eigenes Gegenteil – den Mythos – umschlagen, wird in Aufkläristischen Texten wie dem vorliegenden Leserbrief eindrucksvoll illustriert.

Physikalische Metaphern, wie den Quantensprung überlassen wir besser Physiker*innen, die ihn inhaltlich korrekt verwenden können. Die Frage, wie Weltreligionen durchgeplante Veranstaltung einer überschaubaren Gruppe seien, der Verschwörungstheorie. Die Frage, wer nun eigentlich in welchem Jahrhundert steckengeblieben ist, sei der eurozentrischen Geschichtsphilosophie vergangener Jahrhunderte anvertraut. Vergessen wir dabei aber nicht, daß Kant – dessen Kosename Manelchen auch nicht mit E beginnt – in einer kolonialen Zeit situiert rassistische[3] Inhalte produzierte; unkritische Anknüpfungen wären selbst im Sinne der Aufklärung falsch.

Ob den Betroffenen der Zirkumzision die Entscheidung zu ebensolcher vielleicht tatsächlich besser selbst überlassen sein sollte, ist eine Debatte, die zu führen leider durch den rassistischen Impetus vieler Beschneidungsgegner*innen verunmöglicht wird. Fast könnte dem Wochenblatt unterstellt werden, es fische jetzt im Rechtspopulistischen, wobei jedoch ein Leserbrief vorgeschickt wurde; während sich die unbezahlten Kolleg*innen der Freien Radios[4] die Mühe machen, sich Gesetzeskommentare und Urteile zum Thema anzuschauen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, ihre moralischen Standards zu überdenken und derartigen Thesen von zudem zweifelhafter Qualität nicht den Raum eines Artikels geben – auch an deutschen Thesen soll die Welt nicht genesen.


[1] Foucault, Michel: Was ist Aufklärung? in: Ders.: Schriften in vier Bänden <Dits et écrits dt> : Bd. 4 1980-1988; Frankfurt/M 2005; hg.v. Defert, Daniel & Bischoff, Michael; S. 687-707. (englische Version im Netz http://foucault.info/documents/whatIsEnlightenment/foucault.whatIsEnlightenment.en.html)

[2] Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung : Philosophische Fragmente; Amsterdam 1947; S. 13.

[3] Zum Rassismusbegriff siehe Birgit Rommelpacher: Was ist eigentlich Rassismus? in: Rassismuskritik, Rassismustheorie und -forschung. Schwalbach 2007, S. 25-38. (online verfügbar unter http://www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/Was_ist_Rassismus.pdf)

[4] Freies Sender Kombinat Hamburg (FSK 93,0):Zum Beschneidungsurteil einige unausgewogene Erwaegungen (online verfügbar unter http://freie-radios.net/49897); ausführlicher und tiefgründiger behandelte die Sendung Shalom Libertad das Thema (online verfügbar unter http://freie-radios.net/50164)

Interview mit Do. Gerbig zu enter_the_gap!

09.08.2012 Von: Kathrin Kategorie: Aktivismus, Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenIm Rahmen unserer Sendung im Freien Sender Kombinat am 6. August 2012 hatten war – passend zum Vortrag von Nadine Lantzsch (Podcast) – Queer-AG-Mitfrau Do. Gerbig als Interviewpartnerin zu Gast, die aus dem enter_the_gap Bündnis berichtete. Das Bündnis entstand in Hamburg im Nachgang des letztjährigen Slutwalks und arbeitet – auch in Reaktion auf die im Vortrag behandelten Kritiken – unter dem neuen Namen enter_the_gap “gegen Sexismus und Verharmlosung von sexualisierter Gewalt” und “für einen offenen Umgang mit Sexualität und Geschlecht”.

Für Samstag, dem 18. August 2012 von 14:00 bis 17:00 Uhr ruft enter_the_gap zu einer Kundgebung mit Redebeiträgen, Infoständen und Musik vor dem Saturn am Hauptbahnhof (Mönckebergstr. 1) auf. Außerdem sind eine eine Aktionswoche (3.-7. September 2012) und eine Demonstration (8. September 2012) geplant. Aktuelle Informationen zu den Aktionen und zum Diskussionsstand des Bündnisses auf enterthegap.blogsport.de

Weil es so wunderbar zum Thema passt, hier noch der Hinweis auf den Song “She Said No” (youtube) von Msoke aka Namusoke, den wir im Radio gespielt haben. Der Track ist 2009 auf der CD “Dont’t try me” erschienen.

[podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/interview-enter_the_gap.mp3[/podcast]
Download (MP3 10,4 MB 21:44 Min)
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Dieser Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Ausnahmsweise Erfreuliches

03.08.2012 Von: W. Kategorie: Aktivismus, Neuigkeiten

Bewegung am Fachbereich Philosphie der Universität Hamburg! Eine Gruppe von Studierenden fordert ein vielfältigeres Angebot. U.a. wird ein Mangel an Perspektiven Poststrukturalistischer und Kritischer Theorie beklagt. Unsere PartnerInitiative “Menschenbilder in der Psychologie” hat den kompletten Aufruf gespiegelt.

NACHTRAG: Es tauchte ein weiteres Unterstützungsschreiben auf.

Forderungspapier zur Reform des Transsexuellenrechts

26.06.2012 Von: Kathrin Kategorie: Aktivismus, Neuigkeiten

In Sachen Transsexuellengesetz (TSG) kommt die Politik seit Jahren nicht voran, obwohl das Bundesverfassungsgericht mehr als deutlich gemacht hat, dass die derzeitigen Regelungen mit der Würde und Selbstbestimmung von Trans*Menschen nicht vereinbar und in der Praxis äußerst diskriminierungsanfällig sind. Der bundesweite Arbeitskreis TSG-Reform, an dem über 30 Trans*- und Inter*-Gruppen sowie Einzelpersonen beteiligt waren, hat darum jetzt ein Forderungspapier veröffentlicht. “Die selbstgestellte Aufgabe bestand darin, sich auf gemeinsame, zentrale Forderungen aus den trans* und inter* Communities zur Reform des Transsexuellenrechtes zu verständigen und diese auszuformulieren.”
Gefordert werden die Verwirklichung
 des
 Selbstbestimmungsrechtes
 von
 Trans*‐Personen
 durch
 Abschaffung
 der
 Begutachtung
 und
 des
 gerichtlichen
 Verfahrens
, die Aufhebung
 des
 TSG
 als
 Sondergesetz
 und
 Integration
 notwendiger
 Regelungen
 in
 bestehendes
 Recht, die Möglichkeit der Vornamensänderung und der Änderung des Personenstandes ohne Gerichtsverfahren, ein Ausbau des Offenbarungsverbotes und die rechtliche Absicherung der Leistungspflicht der Krankenkasse. Diese wichtigen Forderungen kann mensch auf der Website der Initiative nachlasen und mit einer Unterschrift auch unterstützen.

Vortragseinladung 2012-01-11: SexarbeiterInnen (+DGS)

09.01.2012 Von: W. Kategorie: Aktivismus, Termine, Vortragsreihe

Gudrun Greb, Kathrin Schrader (ragazza e.V. Hamburg)
“Die Würde ist unantastbar und das ist auch so”
Vom Überlebenskampf und alltäglichen Grenzverletzungen Drogengebrauchender SexarbeiterInnen
Mittwoch 11.01.2012, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt; weitersagen

Ragazza ist eine niedrigschwellige und akzeptierende Kontakt- und Anlaufstelle mit einem integrierten Gesundheitsraum/Konsumraum und bietet Hilfen für Frauen, die Drogen konsumieren und der Prostitution nachgehen. Mehr Informationen auf http://www.ragazza-hamburg.de/

Für diesen Verein haben wir Mittwoch deren Geschäftsführerin Gudrun Greb und Kathrin Schrader, Promovendin an der Technischen Universität
Hamburg-Harburg zum Thema Handlungsfähigkeit zu Gast, über Folgendes zu referieren:

In ganz unterschiedlicher Weise erzählen Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen von ihrer persönlichen “Abhärtung”, die es ihnen ermöglicht, überleben zu können. Entweder sie sehen sich als “Härtefall” oder sie negieren existentielle Bedürfnisse, um den Schmerz und die Verletzung nicht spüren zu müssen. Der Konsum von Drogen wird offensichtlich als die einzige zuverlässige Hilfe und Unterstützung wahrgenommen, um den Schmerz und die erlebten Traumata zu bewältigen, weil kein Auffangnetz existiert. “Drogenprostituierte” sind als Junkiehuren, Abhängige, Kranke und Krankheit verbreitende, unprofessionell arbeitende Prostituierte stigmatisiert. Die Stigmata verschränken sich mit einer restriktiven und punitiven Struktur. Das hat eine verheerende Wirkung auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, sie werden kriminalisiert und sind nicht mehr als handlungsfähige Subjekte erkennbar. Inwieweit diese Zuschreibungen und Bilder ihrem Alltag und Selbstverständnis entsprechen, welche Auswirkung die repressive Politik in Hamburg auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen hat, wird im Vortrag diskutiert.

Uniweite, studentische Frauen*vollversammlung am 19. Januar 2012

23.12.2011 Von: Kathrin Kategorie: Aktivismus

Die Aktivitäten für die Wiedereinrichtung eines Frauen*referates an der Uni Hamburg gehen auch im nächsten Jahr weiter. Am 19. Januar wird eine studentische Frauen*vollversammlung im Anna-Siemsen-Hörsaal (VMP 8) stattfinden. Bitte beachtet auch den Hinweis ganz zum Schluss, wenn ihr fürchtet, aufgrund von Anwesenheitsregeln nicht zur VV kommen zu können. Nachfolgend der Aufruf:

Machst Du Dir häufiger Gedanken darüber, ob Deine Kleidung zu aufreizend ist?
Hast Du auch schon auf einen Beitrag von Dir im Seminar den Kommentar “Typisch Frau!” gehört?
Hast Du mehr männliche Lehrende als weibliche Lehrende in Deinen Lehrveranstaltungen? Bist Du schon mal gefragt worden, ob du Tutorin werden willst?
Sind in Deinem Seminar mehr Frauen als Männer, und trotzdem scheint die Diskussion männlich dominiert?
Wirst du aufgrund deines “Genders” bevorzugt, weil du ja “nur” eine Frau* bist?
Stimmst Du Dein Studium jetzt schon auf die Familienplanung ab?
Bist Du mit alle dem alleine? Wir meinen, nein.

Auch heute noch sind wir von einer Gleichbehandlung sehr weit entfernt. Mit der strukturellen Diskriminierung wollen wir uns auseinandersetzen und dagegen etwas unternehmen. Dafür gilt es, sich zusammenzuschließen.
Dazu laden wir ein: uniweite, studentische Frauen*vollversammlung am 19.01.2012, 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Anna-Siemens-Hörsaal (VMP 8)
Menschen, die aufgrund ihrer weiblichen Geschlechtszuschreibung diskriminiert werden, sind herzlich willkommen.

Vorgeschlagene Tagesordnung:
– Warum ist eingeladen worden?
– Selbstorganisation von Frauen*? Vorstellung möglicher Organisationsformen von Frauen*
– Diskussion
– Weiteres Vorgehen

Offene Projektgruppe Frauen*referat i.A.
Frauen*AG i.A.
Referat für Gleichstellung Antidiskriminierung und Internationales i.A.

Hinweis: Dir sollten aus der Teilnahme an der Frauen*vollversammlung keine Nachtteile entstehen. Zur der Frauen*vollversammlung wird offiziell eingeladen. Sprich mit Deinen Lehrenden, sonst komm zu uns und wir suchen gemeinsam nach einer Lösung.



Aktion: Eine postkoloniale Begehung der Lettow-Vorbeck-Kaserne in 14 Szenen

08.12.2011 Von: bertoldscharf Kategorie: Aktivismus

Wir möchten gerne auf folgende Aktion aufmerksam machen. Ergänzend weisen wir noch auf diesen Blogbeitrag des Braunen Mobs zu dem Thema hin. Aber nun die

E I N L A D U N G

Kasernenechos: Widerstand und Widerhall
eine postkoloniale Begehung der Lettow-Vorbeck-Kaserne in 14 Szenen

Freitag 9.12.2011 um 11 Uhr
Wilsonstr. 64-68
Hamburg-Jenfeld
U1 Wandsbek-Markt
Bus 162 oder 262 bis Haltestelle Kuehnstraße (Ost)

Am Freitag, 9.12.2011 werden Tansanierinnen und Tansanier in aller Welt den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit ihres Landes begehen.

Hamburg ist seit 2010 Städtepartner von Tansanias größter Stadt Dar es Salaam. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus in Ostafrika ist im offiziellen Programm der Städtepartnerschaft nicht vorgesehen. Ebenso wird der anhaltende Widerstand der einheimischen Bevölkerung gegen das koloniale Unrecht in Hamburg nicht erinnert.

Im Gegenteil: trotz jahrelanger öffentlicher Kritik schicken sich die Stadt Hamburg und der Bezirk Wandsbek aktuell an, mit NS-Kolonialdenkmälern einen sog. „Tansania-Park“ oder „Geschichtsgarten Deutschland – Tansania“ am Rande der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne im Stadtteil Jenfeld zu inszenieren. Als Grundlage hierfür dient ein eurozentrisches und unwissenschaftliches Tafeltext-Exposé.

Ausgerechnet dort, wo die Nationalsozialisten die gewaltsame Kolonialisierung „Deutsch-Ostafrikas“ zelebrierten und Propaganda machten für die „Rückgewinnung“ der Kolonien, will Hamburg nun einen symbolischen Ort für die viel beschworene “Städtepartnerschaft auf Augenhöhe“ mit Dar es Salaam schaffen. Dort, wo die kolonialbegeisterten “Traditionsverbände” und ihre Jugendorganisationen bis heute ungestört Kolonialkrieger mit Ritualen ehren, soll die leidvoll “geteilte” Geschichte beider Städte und Länder unkritisch präsentiert werden.

Gegen das geschichtsklitternde Projekt des sog. „Tansania-Parks“ und die weißen Flecken der Erinnerung in unserer Stadt wollen wir Zeichen setzen!

Wir fordern die Schaffung eines postkolonialen Lern- und Gedenkorts, an dem der reichsdeutsche Kolonialismus und der NS-Kolonialrevisionismus konsequent aufgearbeitet, seiner zahlreichen afrikanischen Opfer gedacht und der antikoloniale Widerstand gewürdigt wird.

Zum Unabhängigkeitstag Tansanias laden wir zu einer Performance auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld ein. Menschen aus Tansania und Deutschland werden gemeinsam mit performativen Mis-en-Scènes den NS-Kolonialdenkmälern zu Leibe rücken.

Initiative freedom roads!
info@freedom-roads.de

Der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, unterstützt vom Eine Welt Netzwerk Hamburg, hat Forderungen an die Politik aufgestellt. Diese findet sich hier auf der Webseite des Braunen Mobs, ebenso einen Lageplan vom Kasernengelände mit den NS-Denkmälern.

BUNDESWEITER SILENTMOB am 26.11.2011 um 13 Uhr

24.11.2011 Von: Do. Gerbig Kategorie: Aktivismus, Termine

Wichtig und dringend scheint diese Tage Vieles zu sein. Denn ja, es ist wieder Castor-Zeit – Respekt an all die Mutigen auf und an den Schienen! – aber an alle, die nicht dort sind,
von Herzen dieser Aufruf:

Pressemitteilung
BUNDESWEITER SILENTMOB am 26.11.2011 um 13 Uhr in mehreren deutschen Städten

Ein positives Zeichen für Respekt, Solidarität und Demokratie und gegen die schweigende Mehrheit in Deutschland, die verstehen muss, dass Rassismus keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf.

Am Samstag, den 26.11.2011 findet um 13 Uhr in mehreren deutschen Städten ein „Silentmob“ für die Opfer von rechtsextremer Gewalt statt. Auslöser für diese Aktion ist das Gedenken an die Opfer der Zwickauer Terrorzelle, das auch an alle weiteren Opfer rechter Gewalt erinnert. Die Geschehnisse haben insbesondere unter Online-AktivistInnen eine Welle der Empörung ausgelöst.

In einer entmenschlichenden Sprache wurde über die verstorbenen Deutschen mit Migrationsgeschichte (und mit Deutschen sind alle gemeint, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben und nicht nur deutsche Staatsbürger sind) berichtet und eine Perspektive auf diese Menschen gezeigt, die die Opfer und deren Angehörige über Jahre hinweg kriminalisierte. So wurde den Opfern dadurch auch die letzte Ehre genommen. Auch daher fühlt sich „Schweigen gegen das Schweigen“ verpflichtet, den Angehörigen zur Seite zu stehen.
Die sprachliche Misere, welche sich an dem unsäglichen Begriff der „Dönermorde“ zeigt – die Geschehnisse um den Mord an Marwa El Sherbini wurden in den Medien zum Teil als „Mord wegen Schaukel“ betitelt – verdeutlicht, wie sehr ein alltäglicher Rassismus in den Köpfen der gesamten Gesellschaft vorherrscht. Jeder Einzelne soll sich kritisch mit seinen Gedankenstrukturen auseinandersetzen.

Die Organisatoren aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich auf Facebook unter dem Motto „Schweigen gegen das Schweigen“ zusammen gefunden. Der Silentmob ist eine Bewegung von Menschen für Menschen. Deshalb sind alle in Deutschland Lebenden zu dieser bundesweiten Traueraktion eingeladen. Sie sehen dies als ersten Schritt die Ehre der Toten und ihrer Angehörigen wiederherzustellen.

Es soll einige bundesweite Schweigeminuten geben. Weiße und rote Rosen mit den Namen der zehn bisher bekannten Opfer sollen hochgehalten, um dann niedergelegt zu werden. Die weißen Rosen sollen an die Widerstandsbewegung während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern, die roten an die Trauer in Norwegen nach den rechtsextremen Terroranschlägen vom 22. Juli.

„Wir schweigen, weil wir der Opfer des rechten Terrors gedenken. Wir schweigen, denn wir sind Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Yunus Turgut, İsmail Yaşgar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michéle Kiesewetter. Und wenn wir nicht aufhören zu schweigen, dann könnten wir die nächsten sein.“
Die Organisatoren und alle Teilnehmenden rufen dazu auf, Gruppen in weiteren Städten zu bilden, die sich dem gemeinsamen Gedenken anschließen wollen.

Kontakt
Email-Adresse: SilenceAgainstSilence(at)googlemail.com
Link zur Website: SchweigenGegenDasSchweigen
Facebook-Seite: SchweigenGegenDasSchweigen

Orte
Berlin (Brandenburger Tor), Bielefeld (Hauptbahnhof am Mahnmal), Essen (Kettwinger Straße) Frankfurt (Hauptwache), Görlitz (Altstadtbrücke Hotherstraße/Uferstraße), Hamburg (Europapassage, Richtung Ballindamm/Alster), Hannover (Kröpcke Uhr, Georgstraße), Kiel (Hörnbrücke), Köln (Bahnhofsvorplatz), München (Geschwister-Scholl-Platz), Nürnberg (Weißer Turm (an der U-Bahn-Haltestelle, vor dem Wöhrl))