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Kathrin Ganz: Von Wahlfreiheit und dem ökonomischen Charme der Familie

11.09.2009 Von: Kathrin Ganz Kategorie: Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenDer heutige Folge unseres Podcasts ist ein Vortrag, den ich im Mai 2009 im Rahmen von “Jenseits der Geschlechtergrenzen” gehalten habe. Es geht um die Konstruktion von Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im familienpolitischen Diskurs der gerade zu Ende gehenden Regierungsperiode. Im Vortrag stelle ich die Ergebnisse meiner Magisterarbeit vor, in der ich vor einem diskurstheoretischen Hintergrund untersucht habe, welche Bilder von Familie in den Debatten um Elterngeld und Kinderbetreuung vorherrschend waren. Auf den Seiten des Feministischen Institutes habe ich einen ein Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

 
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Kathrin Ganz, M.A., Politikwissenschaftlerin und Mitglied der AG Queer Studies, Hamburg

Familienpolitische Diskurse (re-)produzieren normative Leitbilder von Familie, die sich institutionell manifestieren und dadurch Vorstellungen und Handlungsmöglichkeiten beeinflussen. In Deutschland steht dieser Diskurs in einer besonders konservativen Tradition. Mit dieser haben in jüngster Zeit und für viele überraschend die Große Koalition und eine christdemokratische Familienministerin gebrochen.
In meinem Vortrag zeige ich, wie sich die normativen Leitbilder der Institution Familie im familienpolitischen Diskurs seit der Nachkriegszeit verändert haben. Seit einigen Jahren zeichnet sich hierbei eine Ökonomisierung des Familienverständnisses ab, die mit gleichstellungspolitischen Forderungen und dem Ziel der Steigerung der Geburtenrate verbunden wird, während sozialpo- litische Ziele in den Hintergrund treten. Im Zuge dessen hat sich die Familienpolitik die Förderung von Frauenerwerbsarbeit und aktiver Vaterschaft auf die Fahnen geschrieben. Das Zwei-Erwerbstätigen-Modell hat mittlerweile das Alleinernährermodell als Leitbild abgelöst. Auch wenn diese Entwicklung als Öffnung des Familienbegriffes gedeutet wird, gehe ich davon aus, dass dadurch neue Leitbilder entstehen, die den Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Eltern und Kindern nicht entsprechen und bestimmte familiäre Lebensformen aus dem Diskurs ausschließen oder aber stigmatisieren. Anhand von Bundestagsdebatten und Regierungsdokumenten möchte ich zum einen darstellen, wie Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im Zusammenhang mit dem Elterngeld diskursiv konstruiert, und wie dabei Lebensentwürfe und Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. Zum ande- ren frage ich nach der Rolle von sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Strukturkategorien, die neben Geschlecht die Existenzbedingungen von Individuen und Familien prägen.

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Vortrag von Sophinette Becker: Wie queer sind die realen Subjekte?

05.06.2009 Von: a. Kategorie: Vortragsreihe

Nach der Pfingstpause wird am kommenden Mittwoch Dr. phil. Sophinette Becker in unserer Vortragsreihe fragen “Wie queer sind die realen Subjekte?”. Sophinette Becker ist Leiterin der Sexualmedizinischen Ambulanz der Uniklinik Frankfurt am Main. Ihr Vortrag war ursprünglich für das vergangene Wintersemester geplant und wird am 10. Juni 2009 nachgeholt.

Der poststrukturalistische Genderdiskurs hat die Auflösung der Geschlechterdifferenz bzw. das Verschwinden der Geschlechter ausgerufen, mal mit mehr, mal mit weniger revolutionärem Pathos. In der Tat erodiert die binäre diskursive Ordnung der Geschlechter – zugleich existiert sie aber fort, selbst in ihren Zerfallserscheinungen. Auch den extremsten Inszenierungen, Maskeraden, Parodien haftet noch das an, wovon sie sich abstemmen. Diese ‘Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem’ wird ein Thema des Vortrags sein. Die Potenziale und Grenzen des poststrukturalistischen Genderdiskurses werden unter 4 Aspekten diskutiert: Geht es ganz ohne Ontologie? Geht es ganz ohne Subjekte? Gibt es keinen (geschlechtlichen) Körper jenseits seiner Diskursivierung? Geht es ohne gesamtgesellschaftlichen Bezug? Ob die Queer Theory neben ihrer wichtigen Funktion als Kritik an der heteronormativen Definition von Geschlecht und Begehren auch eine emanzipatorische Lebenspraxis beschreibt, soll am am Beispiel von SM diskutiert werden.

Sophinette Becker
Wie queer sind die realen Subjekte?
Mittwoch 10.06.2009, 19:15, Von Melle Park 5 (”Wiwi Bunker”) 0079

Vortrag von Kathrin Ganz: Von Wahlfreiheit und dem ökonomischen Charme der Familie: Elternschaft im familienpolitischen Diskurs

05.05.2009 Von: Kathrin Ganz Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Verehrte Freund*Innen der AG Queer Studies

Diesen Mittwoch erwartet ein regelrechtes Highlight, Politologin Kathrin Ganz aus unseren eigenen Reihen nutzt die Kenntnisse ihrer Magisterarbeit, um uns einen kritischen Blick auf aktuelle familienpolitische Diskurse zu präsentieren.

Familienpolitische Diskurse (re-)produzieren normative Leitbilder von Familie, die sich institutionell manifestieren und dadurch Vorstellungen und Handlungsmöglichkeiten beeinflussen. In Deutschland steht dieser Diskurs in einer besonders konservativen Tradition. Mit dieser haben in jüngster Zeit und für viele überraschend die Große Koalition und eine christdemokratische Familienministerin gebrochen. In meinem Vortrag zeige ich, wie sich die normativen Leitbilder der Institution Familie im familienpolitischen Diskurs seit der Nachkriegszeit verändert haben. Seit einigen Jahren zeichnet sich hierbei eine Ökonomisierung des Familienverständnisses ab, die mit gleichstellungspolitischen Forderungen und dem Ziel der Steigerung der Geburtenrate verbunden wird, während sozialpolitische Ziele in den Hintergrund treten. Im Zuge dessen hat sich die Familienpolitik die Förderung von Frauenerwerbsarbeit und aktiver Vaterschaft auf die Fahnen geschrieben. Das Zwei-Erwerbstätigen-Modell hat mittlerweile das Alleinernährermodell als Leitbild abgelöst. Auch wenn diese Entwicklung als Öffnung des Familienbegriffes gedeutet wird, gehe ich davon aus, dass dadurch neue Leitbilder entstehen, die den Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Eltern und Kindern nicht entsprechen und bestimmte familiäre Lebensformen aus dem Diskurs ausschließen oder aber stigmatisieren.

Anhand von Bundestagsdebatten und Regierungsdokumenten möchte ich zum einen darstellen, wie Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im Zusammenhang mit dem Elterngeld diskursiv konstruiert, und wie dabei Lebensentwürfe und Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. Zum anderen frage ich nach der Rolle von sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Strukturkategorien, die neben Geschlecht die Existenzbedingungen von Individuen und Familien prägen.

Mittwoch 06.05.2009, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Einen erkenntnisreichen Vortrag und heiße Debatten wünsche Eure AG Queerstudies