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… jenseits der Geschlechtergrenzen
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Smilla Ebeling: Geschlechterpolitik in Zoologischen Gärten

23.12.2011 Von: Kathrin Kategorie: Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenAufgrund einer Materialverknappung posten wir neue Podcasts derzeit nicht so häufig wie gewohnt. Kurz vor Jahresende gibt es jetzt doch noch neuen Stoff in Form eines Vortrages aus dem Jahr 2009, der sich mit der “Geschlechterpolitik in Zoologischen Gärten” beschäftigt. Die Biologin und Naturwissenschaftsforscherin Smilla Ebeling hatte zu diesem Zeitpunkt eine Juniorprofessur für “Gender, Bio-Technologien und Gesellschaft: Körperdiskurse und Geschlechterkonstruktionen” an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg inne. Heute ist sie Geschäftsführerin des queeren Café Munck, das dieses Jahr in Hamburg eröffnet wurde und das wir euch genauso empfehlen wie den Vortrag!

[podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/ebeling_2009.mp3[/podcast]
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Zahlreiche Beispiele aus dem Alltagsleben (wie etwa Kosenamen, Redewendungen, Literatur, Filme, Grußkarten und Werbung) zeigen, dass Menschen Tiere verwenden, um über sich und Gesellschaft nachzudenken und um sich auszudrücken. In Anlehnung an Daston & Mitman (2005) gehe ich davon aus, dass dieses „Denken mit Tieren“ weit verbreitet und etwas Selbstverständliches ist. In meinem Vortrag untersuche ich das „Denken mit Tieren“ im Kontext von Geschlecht und Sexualität in der öffentlichen Bildungseinrichtung des Zoologischen Gartens. Dabei wird deutlich, dass Zoologische Gärten vermeintlich wilde und natürliche Tiere in einem heteronormativen Rahmen präsentieren und ein Bild von der Tierwelt als eine zweigeschlechtlich strukturierte vermitteln. Das „Denken mit ‘wilden’ Tieren“ in Zoologischen Gärten hat Einfluss auf die Vorstellung und Akzeptanz von Geschlecht und Sexualität in der Gesellschaft. Es trägt dazu bei, bestimmte Geschlechter und Sexualitäten als „natürlich“ zu legitimieren und andere als „unnatürlich“ zu verwerfen. Zu diskutieren ist, ob diese Geschlechterpolitik mit Tieren für queere Anliegen genutzt werden kann, etwa durch die Darstellung von Homo-, Inter- und Transsexualität unter Tieren.

Veranstaltungshinweis: Blockseminar an der HCU

28.09.2011 Von: W. Kategorie: Neuigkeiten, Termine

Sebastian Mohr
Blockseminar für Masterstudierende: Sex Wars : Contemporaray Politics of Gender and Sexuality
Erste Sitzung: Samstag, 19.11.2011, 10-16, Averhoffstraße 38 (“HCU”), 16c

Regelmäßigen Teilnehmer*Innen der Vorlesungsreihe vielleicht noch bekannt, hält Sebastian Mohr kommendes Semester ein Seminar an der Hafen City Univerität. Es folgt die Beschreibung:

Sex wars – contemporary politics of gender and sexuality
Lecturer: Sebastian Mohr, University of Copenhagen, Centre for Medical Science and
Technology Studies – semo@sund.ku.dk
Content: The seminar explores the heritage and role of feminist & queer theoretical thought in contemporary societies. Students are introduced to feminist and queer theory, the social movements they are connected with, the impact they have had on current concepts of society, and the role they play in contemporary political debates. The seminar combines the study of theoretical literature within feminism, queer theory, and sociology with the interrogation of historical accounts of the concerned movements and their media contributions. Students learn how to theorize gender and sexuality and apply them as part of an analysis of contemporary political debates in selected international contexts. Active participation is a necessity and students will be asked to prepare presentations corresponding to the curriculum. The examination will consist of a written essay in which students will apply the analytical categories gender and sexuality on a topic of their choice. The seminar is held in English or German depending on the participating students.
Curriculum: The literature will be available as a download in PDF-format.
Dates:
19./20. November 2011
14./15. January 2012
10:00 – 16:00
Biographical Note: Sebastian Mohr – Ph.D. candidate and cultural anthropologist at the Centre for Medical Science and Technology Studies at the University of Copenhagen; currently: Ph.D.-project on sperm donation as part of 21st century biomedicine.

Marc Thielen: Jenseits nationaler Grenzen

30.07.2011 Von: Kathrin Kategorie: Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenHeute präsentieren wir euch einen älteren Vortrag aus dem Wintersemester 2008/2009 – was man leider auch an der nicht ganz so guten Tonqualität hören kann. Marc Thielen sprach über “Prozesse sexueller Subjektpositionierungen in der Migration”. Der Träger des Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien ist zurzeit Vertretungsprofessor für Lernbehindertenpädagogik/Lernhilfe an der Goethe-Universität Frankfurt (Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Sonderpädagogik). 2009 erschien seine Monographie “Wo anders leben? Migration, Männlichkeit und Sexualität. Biografische Inter- views mit iranischstämmigen Migranten in Deutschland” (Münster: Waxmann).

[podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/thielen_2008_CC.mp3[/podcast]
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Vortragseinladung 29.06.2011: Kontaktanzeigen

26.06.2011 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Benno Gammerl
Von Amazone bis Zögling. Männlichkeiten und Weiblichkeiten in gleichgeschlechtlichen Kontaktanzeigen
Mittwoch 29.06.2011, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Benno Gammerl ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Forschungsbereich Geschichte der Gefühle zu Berlin. Er referiert Mittwoch zu folgendem Thema:

Zwischen Tuntenstreit und Hypermaskulinität, zwischen Damenkränzchen und sexpositivem Feminismus: Konflikte um die angemessene und politischen wie persönlichen Erfolg verheißende Aneignung bipolarer oder transgressiver Geschlechtlichkeiten haben die Geschichte der Homosexualitäten seit den 1950er Jahren geprägt. In Kontaktanzeigen bezeichneten frauenliebende Frauen und männerliebende Männer sich selbst und die von ihnen Gesuchten als „Menschinnen“, „Jeanstypen“, „Hexen“, „boys“, „Traditionslesben“ oder „Kameraden“ und markierten damit Positionen in einem weiten Spektrum von Männlichkeiten, Weiblichkeiten und anderen Möglichkeiten. Wie haben sich diese Selbst- und Fremdbeschreibungen im Lauf der Zeit verändert? Kann man zwischen dominanten Versionen und marginalisierten Alternativen unterscheiden oder von einer zunehmenden Pluralisierung sprechen? Und welche Schlüsse lassen sich daraus für heutige Konstellationen ziehen – zwischen der Vielfältigkeitsparty, dem schwulesbischen Identitätsbau und queeren Verwerfungen?

Robert Kulpa: Con-Temporal Peripheries

18.06.2011 Von: Kathrin Kategorie: Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenIm Mai diesen Jahres war Robert Kulpa bei uns zu Gast. Der aus Polen stammende Queer Theoretiker lebt seit einigen Jahren in London, wo er seine Doktorarbeit im Department of Psychosocial Studies am Birkbeck College schreibt. Darin, wie auch in seinem Vortrag, beschäftigt er sich mit Zeit, Raum, Wissen und Aktivismus zwischen den Sexualitäten Zentral-/Osteuropas und des Westens. Wenn aus westlicher Perspektive darüber gesprochen wird, die Gesellschaften und queer Bewegungen Zentral- und Osteuropas seien noch nicht “so weit” wie wir, wird darin ein Narrativ linearer Entwicklung angelegt, bei der “der Westen” voran schreitet und alle anderen diesen Pfad befolgen müssen. In “Con-Temporal Peripheries: Disjunctions in space and time, knowledge and activism, between Central-Eastern European and Western sexualities” wird diese Konstruktion einer zeitlich-räumlichen Peripherie einer Dekonstruktion unterzogen. Künstlerisch haben sich die Pet Shop Boys übrigens schon 1993 im Video zu “Go West” (Video bei youtube) mit diesem Narrativ auseinander gesetzt. Das Video wurde von Robert am Ende des Vortrages gezeigt.

Wer sich näher mit dem Thema dieses Vortrages beschäftigen möchte, der_dem sei der Band “De-centring Western sexualities: Central and Eastern European perspectives” empfohlen, den Robert zusammen mit Joanna Mizielinska herausgegeben hat.

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Vortragseinladung 2011-06-08: Die Pille

05.06.2011 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Eva-Maria Silies
Erfolgreiche Revolution oder fortgeführte Unterdrückung? Die hormonale Verhütung mit der Pille in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre
Mittwoch 08.06.2011, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Eva-Maria Silies ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Innovations-Inkubator an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie referiert Mittwoch über folgendes Thema:

Nachdem die Pille als neuartiges Verhütungsmittel 1961 in der Bundesrepublik eingeführt wurde, entwickelte sie sich im Verlauf der folgenden Jahre zunächst zu einem sehr nachgefragten Präparat, wurde aber spätestens in den 70er Jahren von vielen Frauen wieder abgesetzt. Nebenwirkungen und befürchtete Langzeitfolgen trugen ebenso dazu bei wie die Ablehnung der Pille als „unnatürliches“ Verhütungsmittel. Heftig diskutiert wurden zudem die Folgen für die weibliche Sexualität: Konservative Kritiker der Pille propagierten, die Pille mache junge Mädchen „hemmungslos“, während Nutzerinnen auch öffentlich die positiven Auswirkungen auf ihre Sexualität beschrieben. Aktivistinnen der Frauenbewegung kritisierten allerdings in den 70er Jahren, die Pille setze die sexuelle Unterdrückung der Frauen fort und sei damit letztlich ein Verhütungsmittel, von dem (wieder) nur die Männer profitierten. Diese verschiedenen Entwicklungslinien und Argumentationsmuster werden in dem Vortrag anhand von zeitgenössischen Quellen und Interviews mit Zeitzeuginnen nachgezeichnet und die Geschichte der Pille in den gesellschaftshistorischen Kontext der 60er und 70er Jahre eingebettet.

Vortragseinladung 04.05.2011 – knowledge and activism

01.05.2011 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Robert Kulpa, Ph.D. candidate
Con-Temporal Peripheries: Disjunctions in space and time, knowledge and
activism, between Central-Eastern European and Western sexualities
Mittwoch 04.05.2011, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Robert Kulpa, (Co-)Autor von “De-centring Western sexualities” ist Candidate am psychologischen Department des Birkbeck College (London) und hält seinen Vortrag von daher in englischer Sprache.

Recently, we could observe the proliferation of works about non-Western manifestations of sexuality. However, queer studies by embracing margins, outskirts, de-centring politics of geo-location, continue to be focused on post-colonial “far far away” regions, and almost no work is done about the “neighbouring” Central and Eastern Europe. In this presentation, I will try to problematize/pluralize the notion of Western sexuality and indicate “con-temporal periphery” – i.e. mechanisms of “othering” CEE (by, e.g. rendering it as “permanently transitional”/”post-communist”).

After the collapse of the “Iron Curtain”, Western-style politics was adopted throughout CEE, without much questioning of its historical particularisms and suitability for the new context. When lesbian and gay activism begin to emerge in the CEE countries, West was already at the ‘queer’ stage, with long history and plurality of models and forms of engagement. Conversely, the communist past of CEE built completely different social structures and modalities. This could be graphically represented as two separate geopolitical-temporal modalities running parallel, where in 1989 one of them finishes, and the other one becomes universal for both. Indeed, it should be even more complicated, and represented as “knotting” and “looping” of time(s).

However, often when we try to “undo”/explain those knotted realities, we try to “linearise” the “here and now” reality of CEE, by categorising various activities and approaches as belonging to a certain historical narrative. Thus organising the “knotted temporality of CEE” into “familiar” stages and inscribing it into particular history (here: into Western history of LGBTQ movements), we already simplify it in order to make sense of it. But do we actually succeed? Does such “unknotting” make sense? For whom? And what are the prerequisites to be able to understand it in either form? In other words, we feel it is important to ask, why certain models are familiar to “all”? And why “local” narrations of lesbian and gay emancipation will be seen as, precisely, “local” and not “universally” recognised?

With this presentation, I will undertake the task of questioning the power relations between “West” and “CEE”, between western queer academic scholarship and CEE theoretical insights, calling for not only for “de-centralisation of queer theory”, but also for greater attentiveness to spatial and temporal choices in doing so.

Moritz Ege: Schwarz Werden

06.03.2011 Von: Kathrin Kategorie: Podcast

Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenHeute präsentieren wir euch den Vortrag “Schwarz Werden. ‘Afroamerikanophilie’ in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre”, den der Kulturwissenschaftler Moritz Ege im November 2007 in unserer Reihe gehalten hat. Im selben Jahr erschien seine Monographie Schwarz werden. “Afroamerikanophilie” in den 1960er und 1970er Jahren bei transcript. Moritz Ege ist mittlerweile Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München am Institut für Volkskunde/Europäische Ethonologie.

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Vortragseinladung 26.01.2011: Die Gewalt, ihre Zeit und ihr Ort

16.01.2011 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Jin Haritaworn
Die Gewalt, ihre Zeit und ihr Ort:
Liebe, Hass und Genozid im vitalen Ghetto
Mittwoch, 26.01.2011, 19ct, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Jetzt aber wirklich: In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung – welcher wir herzlich danken – präsentieren wir voller Vorfreude Jin Haritaworn. Jin Haritaworn ist im Helsinki Collegium of Advanced Studies, intellektuell, politisch und kreativ auf der Schnittstelle Critical Race
und Trans/Gender/Sexuality tätig und präsentiert uns folgenden Vortrag:

Mein Vortrag folgt Küssen durch Berlin. Wie werden manche vormals verschrankte, kriminalisierte und pathologisierte Intimitäten plötzlich zu einem schönen Anblick? Die Küsse, die ich verfolge, evozieren und orientieren uns, erinnernd und vergessend, auf unterschiedliche queere Orte und Zeiten unterschiedlich hin: vom Konzentrationslager, Gefängnis, der Anstalt und dem ,Ghetto‘; zur NS-Zeit, Aids-Krise und (weniger offensichtlich) dem Neoliberalismus und dem Krieg ohne Ende. Zeichen der Liebe, Fürsorge, Freiheit und freien Wahl, bedürfen sie dennoch für ihr Erscheinen der Ko-Präsenz hasserfüllter Anderer, deren Bewegung durch dieselben Orte einer verwandten und doch verschobenen Zeitlinie folgt: Im selben Moment, da bestimmte queere Subjekte die ‚wenig begangenen, schlecht beleuchteten‘ (Lauren Berlant und Michael Warner) Gegenden ihrer Vergangenheit verlassen, überlassen sie, in Jasbir Puars Worten, den Bereich des Todes ethnisierten Anderen. Der Vortrag untersucht diese nekropolitischen Konversionen in Bezug auf mehrere Schauplätze: aktivistische und mediale Texte über homophobe Hassgewalt, Stadtplanung am ‚Tatort‘ der revitalisierenden Innenstadt, die Debatte ums ‚Homo-Denkmal‘ und die Darstellung von Genozid, Wahnsinn, Sexradikalität und Hassgewalt in Bruce LaBruces schwulem Zombie-Porno Otto, Or Up with Dead People.

Vortragseinladung 08.12.2010: Polyamory

05.12.2010 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Gesa Mayer, Robin Bauer
MonoPoly : Monogamie-Norm und Polyamory auf dem Spielfeld der Besitzansprüche, Treue und des Bekanntgehens
Mittwoch, 08.12.2010, 19ct, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Gesa Mayer ist Lehrbeauftragte am Department Sozial-wissenschaften, Robin Bauer lehrt Gender & Queer Studies, beide an der Universität Hamburg. Sie präsentieren uns mittwoch folgenden Vortrag:

“Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende …” Das selbstverständlich zu zweit und in aller Regel auch heterosexuell. Das Lebenskonzept der monogamen Zweierbeziehung ist weit verbreitet und wird nur selten infrage gestellt, obwohl man angesichts der hohen Zahl von sogenannten Seitensprüngen in angeblich monogamen Beziehungen von einer Doppelmoral sprechen muss. Doch nicht nur Heterosexuelle sehen in dieser Art des Zusammenlebens oftmals den einzig “richtigen” Weg, glücklich zu werden. Auch viele lesbischwule Menschen reproduzieren die scheinbar selbstverständliche Idee der romantischen Zweierbeziehung, wie beispielsweise die Verlagerung des Schwerpunkts schwul-lesbischer Politik auf die Forderung der “Homo-Ehe” in den 1990er Jahren verdeutlicht. Zwar ist die sogenannte offene Beziehung in Teilen der schwulen Subkultur eher die Norm als sexuelle Exklusivität, diese stellt jedoch die Vorstellung, es gebe den einen richtigen Partner, kaum infrage. Auf der Grundlage ihrer empirischen Forschung stellen Gesa Mayer und Robin Bauer in ihren Vorträgen der Norm der Monogamie in unserer Gesellschaft die Vielfalt tatsächlich gelebter Beziehungsformen entgegen. Sie zeigen, wie sich die Monogamie-Norm historisch entwickelt hat und bis heute auch im Leben von Polyamoristen gleichzeitig wirkungsmächtig bleibt und hintergangen wird. So zeichnen sie ein realistischeres Bild der Möglichkeiten und Grenzen alternativer Beziehungskonzepte jenseits der Logik von egoistischem Verhalten und “heimlichen Affären”.