AG Queer Studies

… jenseits der Geschlechtergrenzen
Weblog abonnieren

Archiv f¨r Juli 12th, 2009

“Unikate Vorlesung”: Menschenbilder in der Psychologie

12.07.2009 Von: W. Kategorie: Termine

Uwe Kirschmann
Ein philosophisches Menschenbild als Grundlage psychologischer Arbeit
Aus der Reihe “Menschenbilder in der Psychologie : Die Unikate Vorlesung”
Freitag, 17.07.2009, 12:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 4098

Wer am Mittwoch auf den Geschmack gekommen ist und sich mit nicht-mainstreamigen Möglichkeiten der Psychologie beschäftigen möcht: Unsere Partnerinitiative “Menschenbilder in der Psychologie” präsentiert Freitag erstmals eine Gastvorlesung nach Vorbild von “Jenseits der Geschlechtergrenzen” unter dem Titel “Unikate Vorlesung”.

Referent ist der Psychologe (Dipl.) und Philosoph (MA) Uwe Kirschmann vom Fraunhofer Institut für Informationstechnik in Bonn. Er referiert über

Ein philosophisches Menschenbild als Grundlage psychologischer Arbeit”

“Menschenbilder in der Psychologie” ist ein studentisches Seminar am ‘Department’ Psychologie, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, ‘Randbereiche’ und Paradigmenbedingtheit psychologischen Wissens darzustellen. Dabei gewannen in den letzten Jahren kulturwissenschaftliche und poststrukturalistische Ansätze zunehmend Bedeutung, was vor einigen Semestern zur Vernetzung mit der AG-Queerstudies führte. Genaueres unter http://www1.uni-hamburg.de/menschenbilder/MeBi02.htm

Vortrag von Martina Tißberger: Dark Continents

12.07.2009 Von: W. Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Martina Tißberger
Dark Continents. Psychoanalyse, Gender, Whiteness.
Mittwoch 15.07.2009, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

Mittwoch präsentieren wir zum Ende der Vorlesungszeit Martina Tißberger, sie ist Dipl.Psychologin am Bereich “Geschichte der Psychologie” der FU Berlin und arbeitet zu Psycholanalyse, Gender unter Critical Whiteness und nutzt dabei auch diskursanalytische Methodik.

Die Referentin zum Vortrag:

“Freuds Allegorisierung weiblicher Sexualität als „dark continent“ verweist unbeabsichtigt auf zwei konstitutive Figuren der Psychoanalyse: Geschlecht und Rasse. Sie sind beide Differenz-Figuren mit deren Hilfe Ausschlüsse vorgenommen werden, damit das Subjekt der Psychoanalyse hervortreten kann. Geschlecht, bzw. die sexuelle Differenz stellt die Anfangs-Figur dar. Der dunkle Kontinent als Allegorisierung Afrikas, das für ‘Rasse’ steht, ist der verschobene – der verdrängte Anfang. Dieser ‘Kontinent weiblicher Sexualität’ ist ein weißer Fleck in der Erkenntnislandschaft Freuds – etwas, das sich ihm beständig zu entziehen scheint und das zur ‘Leerstelle Frau’, dem konstitutiven Mangel des Subjekts der Psychoanalyse, wird. Diese Leerstelle – das Unbewusste in der Psychoanalyse – ist also in interdependenter Weise rassisch und geschlechtlich codiert. Durch Freuds Ambivalenz als weißer Mann in einer sexistischen und kolonialistischen Gesellschaft und zugleich als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft hat er uns eine Subjekttheorie hinterlassen, die ein ebenso revolutionäres wie reaktionäres Potenzial hat. Mit Daniel Boyarin argumentiere ich, dass ‚Rasseʼ in Form des Antisemitismus den verschobenen Anfang der Psychoanalyse darstellt – eine Differenz, die Freud in die sexuelle Differenz verschoben hat. Ich nehme deshalb die ‘Leerstelle in der Psychoanalyse’ – ihr Unbewusstes – als Ausgangspunkt für eine Historisierung und zugleich eine Dekonstruktion ihres Subjekts um zu zeigen, dass ‘Rasse’ und Gender gleichermaßen konstitutiv für dieses Subjekt sind.”

Gerade angesichts der stark ‘naturwissenschaftlich’ ausgerichteten Hamburger Psychologie bedeutet dies eine Chance zur Horizonterweiterung. Wie unzureichend ‘Naturwissenschaft’ für psychologische Fragestellung sein kann, zeigte uns dieses Semester bereits die Biologin und Kulturwissenschaftlerin Kerstin Palm. Wer jenen Vortrag verpaßt hat, kann ihn hier nachlesen.