In Sachen Transsexuellengesetz (TSG) kommt die Politik seit Jahren nicht voran, obwohl das Bundesverfassungsgericht mehr als deutlich gemacht hat, dass die derzeitigen Regelungen mit der Würde und Selbstbestimmung von Trans*Menschen nicht vereinbar und in der Praxis äußerst diskriminierungsanfällig sind. Der bundesweite Arbeitskreis TSG-Reform, an dem über 30 Trans*- und Inter*-Gruppen sowie Einzelpersonen beteiligt waren, hat darum jetzt ein Forderungspapier veröffentlicht. „Die selbstgestellte Aufgabe bestand darin, sich auf gemeinsame, zentrale Forderungen aus den trans* und inter* Communities zur Reform des Transsexuellenrechtes zu verständigen und diese auszuformulieren.“
Gefordert werden die Verwirklichung
des
Selbstbestimmungsrechtes
von
Trans*‐Personen
durch
Abschaffung
der
Begutachtung
und
des
gerichtlichen
Verfahrens
, die Aufhebung
des
TSG
als
Sondergesetz
und
Integration
notwendiger
Regelungen
in
bestehendes
Recht, die Möglichkeit der Vornamensänderung und der Änderung des Personenstandes ohne Gerichtsverfahren, ein Ausbau des Offenbarungsverbotes und die rechtliche Absicherung der Leistungspflicht der Krankenkasse. Diese wichtigen Forderungen kann mensch auf der Website der Initiative nachlasen und mit einer Unterschrift auch unterstützen.
Blog
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Forderungspapier zur Reform des Transsexuellenrechts
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Vortragseinladung 2012-06-27: Asexualität
Judith Scheunemann
(Un-)wirklichkeiten von (A-)Sexualität
Mittwoch, 27.06.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079Der Vortrag wird in deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt; weitersagen!
Dipl.-Soz. Judith Scheunemann lehrt z.Zt. an der Helmut-Schmidt Univsersität-Hamburg und ist aktiv in der AG Queer Studies. Mit ihrer Hilfe versuchen wir uns ein – selbst in den Queer Studies – oftmals unsichtbares Thema zu erschließen:
Seit ich mich im Jahr 2008/2009 im Rahmen meiner Diplomarbeit mit dem Phänomen der Asexualität beschäftigt habe, ist mir – genau wie ich es aus Berichterstattungen von Personen kenne, die sich als asexuell bezeichnen – eine Frage immer wieder begegnet: „Gibt es Asexualität wirklich?“ Dahinter steht die Annahme, Sexualität sei etwas natürliches, jeder Mensch sei von Geburt an sexuell. Abweichungen von dieser Norm, so die Annahme, könnten nur pathologisch oder nicht wirklich existent sein. Um ein Verständnis menschlicher Sexualität zu bekommen, sind Freuds Werke noch immer eine der prominentesten Quellen. Dieser Spur möchte auch ich nachgehen, mit der Frage: Wie lässt sich Freud auf den heutigen Begriff der Asexualität anwenden und wie stellt er diese dar? Nach dieser historisch-psychoanalytischen Perspektive wende ich mich stärker soziologisch-konstruktivistischen Theorien zur (A-)Sexualität zu. Dies geschieht mit der Fragestellung, ob und inwiefern ein Unterschied zur vorherigen Perspektive besteht und ob neuere Theorien helfen, das Phänomen Asexualität genauer zu erfassen. Da ich davon ausgehe, dass es für ein breiteres Verständnis eines Phänomens sinnvoll ist, nicht nur die Theorie einzubeziehen, möchte ich auch die Empirie betrachten. Daher werde ich Beispiele aus der Empirie mit folgender Frage untersuchen: Wie definieren sich asexuelle Personen selbst? Hierfür beziehe ich mich auf meine inhaltsanalytische Auswertung der Internetseite AVEN (Asexual Visibility and Education Network), einer Internetseite von asexuellen Personen, die im Jahr 2004 in Deutschland entstand. Der Bogen zur anfänglich angesprochenen Problematik der Fremdwahrnehmung von Asexualität schließt sich schlussendlich, indem ich mir zuletzt genauer anschaue, wie Medien (besonders Zeitungen) das öffentlich präsenter werdende Thema verhandeln.
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Radioprogrammtips
FSK-Sendungen mit QueerAG-Beteiligung.
- „Ein Lehrhaus für alle“ dokumentiert die gleichnamige ZeDiS-Konferenz
- 2012-06-21 09:00-10:30: Susan Henderson – Building Independence from the Ground Up – Entwicklung und Konzeption des Ed Roberts Campus.
- 2012-06-28 09:00-10:30: Barbara Neukirchinger – Gleichstellungspolitik im Lichte von Diversity – das Ende der Teilhabe?
- 2012-08-06 08:00-10:00 – Martina Spirgatis: Gleichstellungspolitik 2020: Standpunkt inclusive
- 2012-07-13 08:00-10:00 – Abschlußbetrachtungen
- Grundsätzlich skeptisch gegenüber verkürzter Kritik oder Elfmeterschießen, geht unser Themenmonat zur Dekonstruktion von Männlichkeit in die Verlängerung
- 2012-07-02 14:00-15:30: Phillip Dorestal – Styling the Revolution : Mode, Geschlecht und Blackness in den USA der 1960er Jahre
- 2012-07-16 14:00-15:30: Andreas Kemper – ‘Maskulismus’ – Abwehrmechanismen komplizenhafter Männlichkeit (Erstveröffentlichung!)
- „Ein Lehrhaus für alle“ dokumentiert die gleichnamige ZeDiS-Konferenz
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Vortragsausfall 2012-06-20
Bedauerlicherweise müssen wir Euch mitteilen, daß die Referentin verhindert ist und von daher der Vortrag am Mittwoch den 20.06.2012 entfällt.
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Workshop: Kritische Bildung und Feminismus
Wir möchten gerne noch auf einen externen Workshop hinweisen, der bereits am samstag stattfindet und bei dem noch Plätze frei sind, Ihr Euch also noch spontan anmelden könnt:
Kritische Bildung und Feminismus
Samstag, 16.06.
„Zum queer-feministischen Denken anregen“
Workshop (11 – 16 Uhr)Veranstaltungsort:
Wirtschafts-Wissenschaften, “WiWi-Bunker”, Von-Melle-Park 5, Raum 3136/3146Feministisches Denken ist kritisches Denken. Aber Feminismen haben das Problem, dass ihr Image nicht sexy ist, oder? Mehr noch, die Annahme, Feminismus habe was mit Männerhass zu tun, bleibt oft unwidersprochen. Außerdem reagieren zahlreiche Praktiker_innen/ Aktivist_innen/ Studierende/ Wissenschaftler_innen ablehnend auf die Thematisierung von Geschlechterverhältnissen, Heteronormativität und Sexismus. „Wissen wir alles!“- oder: „Nicht schon wieder Gender! Und erst recht nicht Feminismus!“ Und weiter: „Queer? Nein, habe ich nichts mit zu tun.“ – Diese reflexartigen Ablehnungen begleiten feministische Interventionen seit ihren Anfängen.
In diesem Workshop stelle ich jene Perspektiven einer subjektorientierten queer-feministischen Bildung im Mittelpunkt, die sich in ein Ensemble kritischer Bildung jenseits neoliberaler Verwertungs- und Kältestrategien einreihen. Hierfür beleuchten wir queer-feministische Bildungskonzepte, wie bspw. die ‘geschlechterhomogene’ Angebote (feministische Mädchenarbeit und kritisch-solidarische Jungenarbeit) und intersektionale Projekte. Außerdem widmen wir uns den Möglichkeiten und Begrenzungen queer-feministischer Bildungskonzepte: Wie kann queer-feministische Bildung zum Denken anregen und Interdependenzen von Dominanzverhältnissen thematisieren?
Das Ziel des Workshops ist es, mit Lust und Beunruhigung zentrale Ideen der queer-feministischen Bildung kennen zu lernen und zu diskutieren. Fühlt Euch/Fühlen Sie sich herzlich zu dieser Auseinandersetzung eingeladen!
Referentin:
Ines Pohlkamp, [Gender Institut Bremen, in Gründung], Referentin für queer-feministische Mädchenarbeit/ geschlechtersensible Pädagogik & politische Bildung, intersektionale Pädagogik & Bildung, Forschung zu heteronormativer Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*PersonenAnmeldung erwünscht:
E-Mail an info@rls-hamburg.de schicken – Betreff ‘Anmeldung: Kritische Bildung und Feminismus’Empfohlene Literatur:
bell hooks: Feminism is for Everybody, Cambridge MA: 2000.
bell hooks: Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom, NY/London: 1994.
Busche, Mart/ Maikowski, Laura/ Pohlkamp, Ines/ Wesemüller, Ellen (Hg): Feministische Mädchenarbeit weitdenken. Zur Aktualität eines bildungspolitischen Praxis, Bielefeld: 2010.
Butler, Judith: Die Macht der Geschlechternormen, Frankfurt/M.: 2009.
Plößer, Melanie: Dekonstruktion – Feminismus- Pädagogik. Vermittlungsansätze zwischen Theorie und Praxis, Königstein/Taunus: 2005. -
Vortragseinladung 2012-06-13: Heteronormativität und Rassismus
Urmila Goel
Zur Verflechtung von Heteronormativität und Rassismus – eine
ethnographische Annäherung
Mittwoch, 13.06.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079Aus Berlin kommt Dr.Urmila Goel, Wissenschaftlerin und Trainerin –
Näheres unter http://www.urmila.de/ – mit folgendem Thema:„Nein, meine Eltern hatten keine arrangierte Ehe, sie haben …“, „Ich
hoffe, wieder mit meiner Hetero-Beziehung klar zu kommen, denn mit
meinen Eltern will ich nicht brechen.“, „Es ist noch zu früh für
Emanzipation in Indien“ – solche oder ähnliche Aussagen finde ich in
meinem ethnographischen Material (Interviews, Publikationen, etc.) von
Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und mindestens einen
Elternteil haben, der/die aus Südasien nach Deutschland migriert ist.
Wie lassen sich solche Aussagen – jenseits von kulturalisierenden
Ansätzen – analysieren? Welche Interpretationen ermöglicht ein
intersektionaler Blick, der insbesondere die Verflechtungen der
Machtverhältnisse Rassismus und Heteronormativität berücksichtigt? Im
Vortrag diskutiere ich mein ethnographisches Material aus dieser
Perspektive. -
Vortragseinladung 2012-06-06
Bärbel Mauss
Sowohl als auch : Überraschende und altbekannte
Geschlechterentwürfe in der Epigenetik und Molekularbiologie
Mittwoch, 06.06.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079Dipl. Biol. Bärbel Mauss leitet das Studienprogramm „Gender
Studies in den Ingenieurwissenschaften. Technik – Wissenschaft –
Praxis“ am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU-Berlin.Aus dem Abstract:
Auf der Ebene der nicht-geschlechtsgebundenen Vererbung kann die Kategorie Geschlecht eigentlich keine Rolle spielen, oder doch? Wie Geschlecht bzw. Geschlechterdifferenz an der DNA zum Ausdruck kommt, wird in einem ersten Schritt Thema dieses Vortrages sein. Im zweiten Schritt wird nach den konkreten Geschlechterentwürfen gefragt, die sich als Effekte der im ersten Schritt dargestellten Einschreibung von Geschlechterdifferenz auf molekularer Ebene zeigen.
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Vortragseinladung 2012-05-23: ‘Maskulismus’
Andreas Kemper
‘Maskulismus’ – Abwehrmechanismen komplizenhafter Männlichkeit
Mittwoch, 23.05.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079Am Mittwoch zu Gast ist Andreas Kemper (M.A.) vom Verein Zabiba zum Abbau von Bildungsbarrieren.
Seit zehn Jahren entwickelt sich im deutschsprachigen Raum ein zunehmend aggressiver werdender organisierter Antifeminismus. Sogenannte „Männerrechtler“, die sich selber auch „Maskulisten“ nennen, traten bislang hauptsächlich in ihren eigenen Blogs und Foren im Internet auf, aber auch auf den Kommentarseiten von Online-Artikeln größerer Zeitschriften. Zunehmend werden die antifeministischen Inhalte mit rechtspopulistischen Ideen vermengt und Neo-Nazi-Seiten wie Thiazi.net oder Altermedia verlinkt. Nach der Ermordung von 77 Menschen in Oslo durch Breivik, dessen Antifeminismus einige Maskulisten teilen, kam es in dieser Szene zu einer Spaltung. Arne Hoffmann, der (ehemalige?) Star-Autor dieser Szene versucht nun einen „linken Maskulismus“ zu etablieren. Schon länger geht es ihm und der Initiative AGENS darum, wissenschaftliche Reputabilität zu erhalten. In der Düsseldorfer Universität findet bspw. 2012 zum zweiten Mal eine „Männerkonferenz“ statt. Reetabliert sich hier ein „akademischer Maskulinismus“?
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Literaturliste Scheibelhofer
Dankenswerterweise hat uns Paul Scheibelhofer die Literaturliste seines Vortrags „Begehren, Gewalt und die Krisen des ‘unmarkierten Geschlechts’. Zugänge einer kritischen Männlichkeitsforschung“ zur Verfügung gestellt.
Bitte beachtet, daß wir neben interessanten Onlinetexten auch Folien, Literaturlisten und Scripte und Vortragsreihe->Texte verlinken.
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Vortragseinladung 2012-05-16: Slutwalks
Nadine Lantzsch
Theorie und Praxis – doch weit voneinander entfernt? : Feministische Bewegung aus intersektionaler Perspektive am Beispiel der Slutwalks
Mittwoch, 16.05.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079Der Vortrag wird in deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt. weitersagen!
Wir freuen uns auf einen Vortrag der Medienelite: Aus Berlin kommt Nadine Lantzsch, M.A. (Gender & Diversity Kompetenz) feministische Aktivistin und freie Autorin. Sie referiert zu folgendem:
Die Kritik, die Frauen mit Behinderungen, Lesben, Schwarze Frauen, Migrant_innen, Trans* und einige andere Gruppen bereits vor Jahrzehnten an der feministischen Bewegung formulierten, ist nach wie vor aktuell. Auch die Slutwalks, die Demonstrationswelle gegen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsverharmlosung, sahen sich mit nahezu identischen Anwürfen konfrontiert. Obwohl die Organisator_innen die intersektionalen Verschränkungen sozialer Positionen in ihrer Arbeit versuchten zu berücksichtigen – sei es im Selbstverständnis, in der Organisation der Demo selbst oder in der Nachbereitung.
Nach wie vor kommt es innerhalb feministischer Gruppen und Bewegungen zu Ausschlüssen, Aneignungen und Übergriffen jeglicher Art, ungeachtet der Tatsache, dass Feminist_innen heute auf das Wissen ihrer Vorgänger_innen zurückgreifen (können).
Der Vortrag will der Frage nachgehen, inwiefern feministische Theorie und Praxis im Widerspruch stehen, welche Grenzen, Schwierigkeiten und Paradoxien feministischen Handlungs- und Widerstandsweisen zu Grunde liegt und warum Intersektionalität oft nur Theorie ist.