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  • Wir da, im Radio

    Auch im Juni senden wir Vortragsmitschnitte auf FSK.

    • Montag, 04.06.2012, 1400-1530: Jürgen Martschukat: „A man is not a man without work“: Von Wirtschaftskrisen und arbeitslosen Familienvätern in den USA der 1930er Jahre
    • Montag, 18.06.2012, 1400-1530 (Erstveröffentlichung): Paul Scheibelhofer: Begehren, Gewalt und die Krisen des ‘unmarkierten Geschlechts’ : Zugänge einer kritischen Männlichkeitsforschung

    Auch geht die Sendereihe „Ein Lehrhaus für alle“ über die gleichnamige Konferenz des Zentrums für Disability Studies weiter, Termine werden schnellstmöglich bekanntgegeben. Die Vorträge werden folgende sein:

    • Susan Henderson: Building Independence from the Ground Up – Entwicklung und Konzeption des Ed Roberts Campus in Berkeley, USA
    • Barbara Neukirchinger: Gleichstellungspolitik im Lichte von Diversity – das Ende der Teilhabe?
    • Martina Spirgatis: zu Gleichstellungspolitik 2020: Standpunkt inclusive
  • Vortragseinladung 2012-05-09: Kritische Männlichkeitsforschung

    Paul Scheibelhofer
    Begehren, Gewalt und die Krisen des ‘unmarkierten Geschlechts’. Zugänge einer kritischen Männlichkeitsforschung
    Mittwoch, 09.05.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Paul Scheibelhofer, Lektor an der Universität Wien und Promovend am Gender Studies Department der Central European University, Budapest. Er beschäftigt sich mit kritischer Männlichkeitsforschung. Interessierten an der Trope „Krise der Männlichkeit“ seien auch die Forschungen von Felix Krämer zu dem Thema ans Herz gelegt.

    Das Reden von der „Krise des Mannes“ ist so populär wie problematisch. In diesem Vortrag wird zunächst ein kritischer Blick auf den dominanten Männerkrisen-Diskurs und dessen Effekte geworfen. Dabei zeigt sich: der Diskurs zeichnet ein Bild beschädigter „normaler“ (heterosexueller, Weißer, Mittelschichts-)Männlichkeit, die es zu „heilen“ gilt und propagiert antifeministische backlash-Politiken. Vor diesem Hintergrund wird im Vortrag eine andere, kritische Perspektive auf den Komplex „Männlichkeit und Krise“ entwickelt. Homosoziale Räume werden dabei nicht nur als wichtige Instanzen männlicher Vergesellschaftung erkannt, sondern auch als Orte der ambivalenten Regulierung von Sexualität, Begehren und Gewalt. Aus so einer Perspektive wird normative Männlichkeit als intrinsisch krisenhaft erkennbar. Und es ist diese Krisenhaftigkeit, die Ausgangspunkt für emanzipatorische männlichkeitskritische Politiken darstellen kann.

  • Queere Hochschultage an der Uni Hamburg

    Wir möchten an dieser Stelle auf die Ankündigung der Queeren Hochschultage des Queer-Referates des AStA der Uni Hamburg hinweisen:

    Die Queeren Hochschultage finden vom 14-16. Mai in der Woche des internationalen Tag gegen Homophobie, am 17.Mai statt.
    Ziel der Woche ist es queeren Gedanken sichtbarer zu machen an der Universität, noch über die Grenzen unseres Referats hinnaus.
    Andersrum Portrait, ein non-profit Kunstprojekt gegen Homophobie, wird ihre Werke ausstellen. Zudem wird es einen Büchertisch mit interessanter queerer Literatur geben und das Referat wird über seine bisherigen Öffnungszeiten hinaus geöffnet sein. Es wird ausserdem eine Soli-Aktion mit einer Videoaktion auf dem Campus stattfinden.

    Hierzu werden folgende Veranstaltungen stattfinden (weitere Raumangaben folgen):

    Montag 14.05:
    12-14 Uhr Brunch im Referat
    14-16 Uhr Literaturvortrag “Caitlin Morans How to Be a Woman: neue Identitätspolitik?” (Frau Claudia Heuer) Raum: WiWi 0029
    16-18 Uhr Diskussionsrunde Vorurteile; Hörsaal 4 im VMP 11
    ab 18 Uhr Kurzfilmabend

    Dienstag 15.05:

    12-14 Uhr Vortrag und Diskussion “Intersex-Exploration” (Diana Hartmann) Raum: WiWi 2091/2201
    16-18 Uhr Vortrag “Schwule Bewegung – Queere Bewegungen. Möglichkeiten politisch-emanzipatorischer Arbeit 1971 und heute” (Simon) Raum: WiWi 0079
    18-20 Uhr Offene Sofarunde im Referat

    Mittwoch 16.05:
    12-14 Uhr Diskussion zu geschlechtergerechter Sprache (Leona Faulstich) Raum: Kulturkursraum WiWi 0026
    14-16 Uhr Vortrag “Sexismus in der Werbung” (LO und Andreas Koopmann) Raum: WiWi 0079
    ab 19 Uhr Ringvorlesung “Theorie und Praxis – doch weit voneinander entfernt? Feministische Bewegung aus intersektionaler Perspektive am Beispiel der Slutwalks” Raum: WiWi 0079 (organisiert von der Ag-Queerstudies)
    ab 20:30 Abschlussparty im Referat

    Wir freuen uns auf euch!

  • Gudrun Greb/Kathrin Schrader: „Die Würde ist unantastbar und das ist auch so“

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenNach einer weiteren Pause präsentieren wir euch einen neuen Podcast aus der Reihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“. Diesmal vom Januar 2012, als Gudrun Greb und Kathrin Schrader zu Gast waren, um „Vom Überlebenskampf und alltäglichen Grenzverletzungen Drogengebrauchender SexarbeiterInnen“ zu berichten. Gudrun Greb ist Geschäftsführerin von Ragazza e.V., einer niedrigschwelligen und akzeptierenden Kontakt- und Anlaufstelle mit einem integrierten Gesundheitsraum/Konsumraum in Hamburg St. Georg. Ragazza bietet Hilfen für Frauen, die Drogen konsumieren und der Prostitution nachgehen. Mehr Informationen auf http://www.ragazza-hamburg.de/. Kathrin Schrader ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Arbeit-Gender-Technik, wo sie zur Handlungsfähigkeit drogengebrauchender SexarbeiterInnen promoviert.

    [podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/greb_schrader_2012_CC.mp3[/podcast]
    Download (mp3 64,5 MB 67 Min)
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    In ganz unterschiedlicher Weise erzählen Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen von ihrer persönlichen “Abhärtung”, die es ihnen ermöglicht, überleben zu können. Entweder sie sehen sich als “Härtefall” oder sie negieren existentielle Bedürfnisse, um den Schmerz und die Verletzung nicht spüren zu müssen. Der Konsum von Drogen wird offensichtlich als die einzige zuverlässige Hilfe und Unterstützung wahrgenommen, um den Schmerz und die erlebten Traumata zu bewältigen, weil kein Auffangnetz existiert. “Drogenprostituierte” sind als Junkiehuren, Abhängige, Kranke und Krankheit verbreitende, unprofessionell arbeitende Prostituierte stigmatisiert. Die Stigmata verschränken sich mit einer restriktiven und punitiven Struktur. Das hat eine verheerende Wirkung auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, sie werden kriminalisiert und sind nicht mehr als handlungsfähige Subjekte erkennbar. Inwieweit diese Zuschreibungen und Bilder ihrem Alltag und Selbstverständnis entsprechen, welche Auswirkung die repressive Politik in Hamburg auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen hat, wird im Vortrag diskutiert.

  • Vortragseinladung 2012-05-02: Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?

    Hanna Meißner
    Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?
    Mittwoch, 02.05.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Dr. Hanna Meißner kommt vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU zu Berlin. Sie arbeitet geradezu an einem Kerstück queerer Theorie, der Frage nach dem Subjekt:

    Aus dem Vortragsabstract

    Subjektkritik ist ein wichtiges Moment queerer Theorien, die damit das Vermächtnis der sich durch das 20. Jahrhundert ziehenden Krise des autonomen, vernunftbegabten Subjekts aufnehmen. Was bedeutet aber eine solche Subjektkritik? Zielt sie darauf, dass es ein autonomes Subjekt nie gegeben hat? Oder geht es darum, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse so verändert haben, dass es nun (in der ‚Postmoderne’) kein autonomes Subjekt mehr gibt? Und welche Konsequenzen hat die fundamentale Infragestellung des autonomen Subjekts für (queere) Politik? Wie lassen sich Kritik- und Handlungsfähigkeit, wie lässt sich Verantwortung denken, ohne dass ein vorgängiges, intentionales Subjekt vorausgesetzt wird? Um diese Fragenkomplexe anzugehen, scheint es mir sinnvoll, Judith Butlers Hinweis aufzunehmen, dass etwas (fundamental) in Frage zu stellen nicht heißen muss, es als Irrtum oder als unwirklich zu verwerfen: Das (autonome) Subjekt ist zugleich phantasmatische Gestalt und wirkmächtige Realität. Anhand der Arbeiten von Butler, Foucault und Marx skizziere ich zunächst Bedingungen einer historischen Konstellation, in der Autonomie (als Verleugnung fundamentaler Abhängigkeiten) eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit darstellt. Dann gehe ich darauf ein, inwiefern eine Kritik, die an der Gewaltsamkeit dieser Verleugnung ansetzt, eine immanente Kritik ist; eine Kritik, die konstitutiv in den Bedingungen verhaftet ist, gegen die sie sich richtet. Gayatri Spivak und Donna Haraway aufgreifend ließe sich sagen, dass das autonome (menschliche) Subjekt etwas ist, was ‚wir’ nicht nicht begehren können – und dennoch kritisieren müssen.

  • Vortragseinladung 2012-04-25: trans*inter*phobie

    Ines Pohlkamp
    Täuschend echt?! Zum Gewicht der Illusion im Feld trans*inter*feindlicher Diskriminierung und Gewalt
    Mittwoch 25.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Weitersagen!

    Transphobie hat viele Gesichter: Eine Seminarteilnehmerin berichtet von den Erfahrungen eines Freundes: „Der hat die schöne Frau geküsst. Und dann hatte die einen Penis!“ Alle anderen im Raum lachen. Einer ruft: „Aber man will doch wissen, mit wem man ins Bett geht.“

    Aus Bremen kommt Ines Pohlkamp, Referentin für queer-feministische Mädchenarbeit, intersektionale Bildung, Forschung zu heteronormativer Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*Personen, welche auch Kriminologie studiert hat und aus ihrem Promotionsthema referiert.

    Im Vortrag „Täuschend echt?!“ fragt Ines Pohlkamp nach der Bedeutung von ‚Echtheit‘ und der ‚Falschheit‘ von Geschlecht im Feld der Diskriminierung und Gewalt. Die Referentin lädt zur Reflexion über diskursmächtige „täuschend echte“ Phänomene der Zweigeschlechtlichkeit ein und präsentiert Ergebnisse aus ihrer qualitativen Studie zur Trans*Inter*feindlichen Diskriminierung und Gewalt. Anhand von ausgewähltem Interviewmaterial mit geschlechtlich nonkonformen Personen wie Transgender, Crossdresser_innen oder intersexuellen Personen veranschaulicht sie die zentrale Stellung des Stereotyps der „Täuschung“ (Talia M. Bettcher). Mit Hilfe ihrer Ergebnisse hinterfragt sie das Phänomen geschlechtlicher Authentizität.

  • Vortragseinladung 2012-04-18: Roma und Sinti in Europa

    Verena Spilker
    Roma und Sinti in Europa : zwischen Romantisierung und
    Ausgrenzung
    Mittwoch 18.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Weitersagen!

    Aus Berlin kommt Verena Spilker, Ethnologin, sowie freie Redakteurin und Mitarbeiterin bei Amaro Drom e.V.; sie referiert über folgendes:

    Roma, Sinti und andere als „Zigeuner“ diskriminierte Gruppen leben seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt und trotzdem hat die Mehrheitsbevölkerung oft nichts als Vorurteile und stereotype Bilder im Kopf. In der Ukraine, wo ich zwei Jahre lang in unterschiedlichen Roma-Gemeinschaften gelebt habe, konnte ich das in jedem einzelnen Gespräch feststellen, das ich mit den Menschen der Mehrheitsbevölkerung dort führte. Und auch hier in Deutschland werde ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Fragen konfrontiert: Wo kommen diese Vorurteile her? Wie ist die Situation für Roma und Sinti in Europa heute, und welche gesellschaftlich-historischen Entwicklungen haben dazu geführt? Welche Bezeichnungen sind politisch korrekt? Dies und warum das Problem bei der Mehrheitsbevölkerung und nirgendwo anders liegt, möchte ich gerne an ausgewählten Beispielen erläutern und anschließend diskutieren.

  • Radio im Mai

    Einige werden es wissen, in Hamburg gibt es mit FSK ein freies Radio, das dort auf 93,0 Antenne und über Kabel auf 101,4 (105,7 im Speckgürtel) zu empfangen ist, weniger, daß dieser Sender weltweit hörbar ist über Internet-Livestream.

    Noch weniger, daß die AG Queer Studies und ihre Mitglieder Euch in den kommenden Monaten ein reichhaltiges Angebot über dieses Medium präsentieren. Folgende Vortragsdokumentationssendungen stehen an:

  • Vorträge mit Übersetzung in Deutscher Gebärdensprache im Sommersemester 2012

    Wir freuen uns mitteilen zu können, dass dieses Semester vier Vorträge in der Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzenh“ in Deutsche Gebärdensprache übersetzt werden können. Leider sind unsere finanziellen Mittel begrenzt und wir können deshalb nicht alle Vorträge dolmetschen lassen. Wir setzen uns aber dafür ein, dass es in Zukunft mehr Vorträge sein werden. Folgende Vorträge werden gedolmetscht (ausführliche Beschreibung weiter unten):
    Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg, Raum 0079, mittwochs 19.15 – 21 Uhr

    18.04.2012
    Roma und Sinti in Europa – zwischen Romantisierung und Ausgrenzung
    Verena Spilker, M.A., freie Redakteurin und Amaro Drom e.V. Mitarbeiterin aus Berlin

    25.04.2012
    Täuschend echt?! Zum Gewicht der Illusion im Feld trans*inter*feindlicher Diskriminierung und Gewalt.
    Ines Pohlkamp, Bremen, Referentin für queer-feministische Mädchenarbeit, intersektionale Bildung, Forschung zu heteronormativer Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*Personen

    16.05.2012
    Theorie und Praxis – doch weit voneinander entfernt? Feministische Bewegung aus intersektionaler Perspektive am Beispiel der Slutwalks
    Nadine Lantzsch, M.A. Gender & Diversity Kompetenz, feministische Aktivistin und freie Autorin, Berlin

    27.06.2012
    (Un-)wirklichkeiten von (A-)Sexualität
    Dipl.-Soz. Judith Scheunemann, AG Queer Studies, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Universität Kassel

    Kurzbeschreibungen der Vorträge:

    18.04.2012
    Roma und Sinti in Europa – zwischen Romantisierung und Ausgrenzung
    Verena Spilker, M.A., freie Redakteurin und Mitarbeiterin bei Amaro Drom e.V., Berlin

    Roma, Sinti und andere als „Zigeuner“ diskriminierte Gruppen leben seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt und trotzdem hat die Mehrheitsbevölkerung oft nichts als Vorurteile und stereotype Bilder im Kopf. In der Ukraine, wo ich zwei Jahre lang in unterschiedlichen Roma-Gemeinschaften gelebt habe, konnte ich das in jedem einzelnen Gespräch feststellen, das ich mit den Menschen der Mehrheitsbevölkerung dort führte. Und auch hier in Deutschland werde ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Fragen konfrontiert: Wo kommen diese Vorurteile her? Wie ist die Situation für Roma und Sinti in Europa heute, und welche gesellschaftlich-historischen Entwicklungen haben dazu geführt? Welche Bezeichnungen sind politisch korrekt?Dies und warum das Problem bei der Mehrheitsbevölkerung und nirgendwo anders liegt, möchte ich gerne an ausgewählten Beispielen erläutern und anschließend diskutieren.

    25.04.2012
    Täuschend echt?! Zum Gewicht der Illusion im Feld trans*inter*feindlicher Diskriminierung und Gewalt.
    Ines Pohlkamp, Bremen, Referentin für queer-feministische Mädchenarbeit, intersektionale Bildung, Forschung zu heteronormativer Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*Personen

    Transphobie hat viele Gesichter: Eine Seminarteilnehmerin berichtet von den Erfahrungen eines Freundes: „Der hat die schöne Frau geküsst. Und dann hatte die einen Penis!“ Alle anderen im Raum lachen. Einer ruft: „Aber man will doch wissen, mit wem man ins Bett geht.“ Im Vortrag „Täuschend echt?!“ fragt Ines Pohlkamp nach der Bedeutung von ‚Echtheit‘ und der ‚Falschheit‘ von Geschlecht im Feld der Diskriminierung und Gewalt. Die Referentin lädt zur Reflexion über diskursmächtige „täuschend echte“ Phänomene der Zweigeschlechtlichkeit ein und präsentiert Ergebnisse aus ihrer qualitativen Studie zur Trans*Inter*feindlichen Diskriminierung und Gewalt. Anhand von ausgewähltem Interviewmaterial mit geschlechtlich nonkonformen Personen wie Transgender, Crossdresser_innen oder intersexuellen Personen veranschaulicht sie die zentrale Stellung des Stereotyps der „Täuschung“ (Talia M. Bettcher). Mit Hilfe ihrer Ergebnisse hinterfragt sie das Phänomen geschlechtlicher Authentizität.

    16.05.2012
    Theorie und Praxis – doch weit voneinander entfernt? Feministische Bewegung aus intersektionaler Perspektive am Beispiel der Slutwalks
    Nadine Lantzsch, Berlin, M.A. Gender & Diversity Kompetenz, feministische Aktivistin und freie Autorin

    Die Kritik, die Frauen mit Behinderungen, Lesben, Schwarze Frauen, Migrant_innen, Trans* und einige andere Gruppen bereits vor Jahrzehnten an der feministischen Bewegung formulierten, ist nach wie vor aktuell. Auch die Slutwalks, die Demonstrationswelle gegen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsverharmlosung, sahen sich mit nahezu identischen Anwürfen konfrontiert. Obwohl die Organisator_innen die intersektionalen Verschränkungen sozialer Positionen in ihrer Arbeit versuchten zu berücksichtigen – sei es im Selbstverständnis, in der Organisation der Demo selbst oder in der Nachbereitung. Nach wie vor kommt es innerhalb feministischer Gruppen und Bewegungen zu Ausschlüssen, Aneignungen und Übergriffen jeglicher Art, ungeachtet der Tatsache, dass Feminist_innen heute auf das Wissen ihrer Vorgänger_innen zurückgreifen (können).
    Der Vortrag will der Frage nachgehen, inwiefern feministische Theorie und Praxis im Widerspruch stehen, welche Grenzen, Schwierigkeiten und Paradoxien feministischen Handlungs- und Widerstandsweisen zu Grunde liegt und warum Intersektionalität oft nur Theorie ist.

    27.06.2012
    (Un-)wirklichkeiten von (A-)Sexualität
    Dipl.-Soz. Judith Scheunemann, AG Queer Studies, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Universität Kassel

    Seit ich mich im Jahr 2008/2009 im Rahmen meiner Diplomarbeit mit dem Phänomen der Asexualität beschäftigt habe, ist mir – genau wie ich es aus Berichterstattungen von Personen kenne, die sich als asexuell bezeichnen – eine Frage immer wieder begegnet: „Gibt es Asexualität wirklich?“ Dahinter steht die Annahme, Sexualität sei etwas natürliches, jeder Mensch sei von Geburt an sexuell. Abweichungen von dieser Norm, so die Annahme, könnten nur pathologisch oder nicht wirklich existent sein.
    Um ein Verständnis menschlicher Sexualität zu bekommen, sind Freuds Werke noch immer eine der prominentesten Quellen. Dieser Spur möchte auch ich nachgehen, mit der Frage: Wie lässt sich Freud auf den heutigen Begriff der Asexualität anwenden und wie stellt er diese dar? Nach dieser historisch- psychoanalytischen Perspektive wende ich mich stärker soziologisch-konstruktivistischen Theorien zur (A-)Sexualität zu. Dies geschieht mit der Fragestellung, ob und inwiefern ein Unterschied zur vorherigen Perspektive besteht und ob neuere Theorien helfen, das Phänomen Asexualität genauer zu erfassen.
    Da ich davon ausgehe, dass es für ein breiteres Verständnis eines Phänomens sinnvoll ist, nicht nur die Theorie einzubeziehen, möchte ich auch die Empirie betrachten. Daher werde ich Beispiele aus der Empirie mit folgender Frage untersuchen: Wie definieren sich asexuelle Personen selbst? Hierfür beziehe ich mich auf meine inhaltsanalytische Auswertung der Internetseite AVEN (Asexual Visibility and Education Network), einer Internetseite von asexuellen Personen, die im Jahr 2004 in Deutschland entstand. Der Bogen zur anfänglich angesprochenen Problematik der Fremdwahrnehmung von Asexualität schließt sich schlussendlich, indem ich mir zuletzt genauer anschaue, wie Medien (besonders Zeitungen) das öffentlich präsenter werdende Thema verhandeln.

  • Vortragseinladung 2012-04-11: Reproduktions- und Biotechnologien

    Ute Kalender
    Körper von Wert. Eine queer-feministische und politisch-ökonomische Perspektive auf Reproduktions- und Biotechnologien
    Mittwoch 11.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Bei diesem Vortrag werden Schriftmittler*innen anwesend sein – weitersagen

    Aus Berlin ist am Mittwoch Dr. Ute Kalender in unserer Vorlesungsreihe zu Gast, z.Zt. am DFG Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“, wo Sie am Forschungsprojekt zu Biological Citizenship arbeitet. Sie referiert zu folgendem Thema:

    Transgender- und Queertheoretiker_innen schreiben Reproduktionstechnologien in der Regel ein ‚transgenderes’ oder ‚queeres’ Potential zu: Reproduktionstechnologien könnten die heteronormative Ordnung von reproduktivem Geschlechtskörper, reproduktiver Geschlechtsidentität und reproduktivem Begehren unterwandern und heteronormative Formen von Elternschaft und Verwandtschaft durcheinander bringen. Dieses queere Potential bildet den Ausgangspunkt meines Beitrages. Im ersten Teil sollen die queeren Möglichkeiten herausgearbeitet und eine Kritik an den diskriminierenden und ausschließenden Aspekten zeitgenössischer deutscher Biopolitik formuliert werden. Der zweite Teil nimmt die problematischen Momente der Technologieverständnisse in Transgender- und Queerbeiträgen in den Blick. Dazu soll auf postfordistische Feminismen und kritische Disability Studies rekurriert werden. Während erste auf das Entstehen neuer Akkumulationsregime samt neuer Arbeitsformen – der sogenannten regenerativen Arbeit – hinweisen, legen die kritischen Disability Studies nicht nur avancierte Analysen heutiger neo-eugenischer Praktiken vor, sondern haben auch auf die kapitalistische Geschichte der Normalisierung hingewiesen. Vor diesem Hintergrund soll gefragt werden, wie Schlüsselbegriffe queer-feministischer Ökonomiekritik (z.B. sexuelles Arbeiten) justiert werden könnten und ob das queere nicht auch ein queerfeindliches und transphobes Potential bedeutet – wie etwa im Fall von Sex Selection oder dem sogenannten Family Balancing.