Autor: Kathrin

  • Vortrag von Kathrin Ganz: Von Wahlfreiheit und dem ökonomischen Charme der Familie: Elternschaft im familienpolitischen Diskurs

    Verehrte Freund*Innen der AG Queer Studies

    Diesen Mittwoch erwartet ein regelrechtes Highlight, Politologin Kathrin Ganz aus unseren eigenen Reihen nutzt die Kenntnisse ihrer Magisterarbeit, um uns einen kritischen Blick auf aktuelle familienpolitische Diskurse zu präsentieren.

    Familienpolitische Diskurse (re-)produzieren normative Leitbilder von Familie, die sich institutionell manifestieren und dadurch Vorstellungen und Handlungsmöglichkeiten beeinflussen. In Deutschland steht dieser Diskurs in einer besonders konservativen Tradition. Mit dieser haben in jüngster Zeit und für viele überraschend die Große Koalition und eine christdemokratische Familienministerin gebrochen. In meinem Vortrag zeige ich, wie sich die normativen Leitbilder der Institution Familie im familienpolitischen Diskurs seit der Nachkriegszeit verändert haben. Seit einigen Jahren zeichnet sich hierbei eine Ökonomisierung des Familienverständnisses ab, die mit gleichstellungspolitischen Forderungen und dem Ziel der Steigerung der Geburtenrate verbunden wird, während sozialpolitische Ziele in den Hintergrund treten. Im Zuge dessen hat sich die Familienpolitik die Förderung von Frauenerwerbsarbeit und aktiver Vaterschaft auf die Fahnen geschrieben. Das Zwei-Erwerbstätigen-Modell hat mittlerweile das Alleinernährermodell als Leitbild abgelöst. Auch wenn diese Entwicklung als Öffnung des Familienbegriffes gedeutet wird, gehe ich davon aus, dass dadurch neue Leitbilder entstehen, die den Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Eltern und Kindern nicht entsprechen und bestimmte familiäre Lebensformen aus dem Diskurs ausschließen oder aber stigmatisieren.

    Anhand von Bundestagsdebatten und Regierungsdokumenten möchte ich zum einen darstellen, wie Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im Zusammenhang mit dem Elterngeld diskursiv konstruiert, und wie dabei Lebensentwürfe und Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. Zum anderen frage ich nach der Rolle von sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Strukturkategorien, die neben Geschlecht die Existenzbedingungen von Individuen und Familien prägen.

    Mittwoch 06.05.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Einen erkenntnisreichen Vortrag und heiße Debatten wünsche Eure AG Queerstudies

  • Hamburger Bürgerschaft diskutiert über Intersexualität

    In der taz nord berichtet Eiken Bruhn, dass in der Hamburger Bürgerschaft heute über die medizinische Behandlung intersexueller Menschen diskutiert wird:

    Damit will erstmals ein Landesparlament den „politischen Handlungsbedarf bei der Regelung für ärztliche Behandlungen von Hermaphroditen“ ausloten – so der Titel der heutigen Anhörung des Gesundheitsausschusses.
    Initiiert haben die Expertenbefragung die Fraktionen von SPD und Linkspartei, die im vergangenen halben Jahr mehrere Anfragen an die Landesregierung zum Thema Intersexualität – früher waren die Begriffe „Zwitter“ und „Hermaphroditen“ gebräuchlich – gestellt hatten. Zwar sei der Handlungsspielraum gering, räumte gestern die SPD-Gesundheitspolitikerin Anja Domres ein, da sie Ärzten keine Vorschriften machen könnten. Sie hoffe aber, „eine breite Diskussion“ anzustoßen. (weiter zum Text)

  • Vortrag von Vera Tudor: Post/Porno und feministische post/queere Interventionen: Sexualität interdependent?

    Vera Tudor ist Lehrbeauftragte für Genderstudies und Sprachanalyse an der FU Berlin und präsentiert uns diesen spannenden Vortrag zum Thema Post/Porno:

    Anhand der illustrativen medientheoretischen Analyse von vier post/pornographischen Kurzfilmen der weißen_Politaktivistinnen Girlswholikeporno aus Barcelona, die einen feministischen, kritischen und anti-heteronormativen Ansatz verfolgen, zeige ich in meinem Vortrag die Notwendigkeit einer situierten post/queeren Theorie von Sexualität als interdependenter Kategorisierung. Dabei diskutiere ich Möglichkeiten und Grenzen von feministisch-queerer Post/Pornographie – verstanden als ’subkultureller‘ Widerstand gegen hegemoniale Repräsentationen von Sexualität. Bei der Analyse des filmischen Materials werden Linien von Vergeschlechtlichungs- und Rassifizierungsprozessen in den Darstellungen von Sexualität verfolgt. Damit interdependente Prozesse zur Herstellung von Schichtzugehörigkeit, Alter, Religion, Profession, Nationalität,
    kultureller Verortung und Ability werden punktuell herausgearbeitet. Aus einer weißen_lesbisch-feministischen Perspektive zeichne ich in den Filmen der Girlswholikeporno höchst widersprüchliche und komplexe Strategien der Verleugnung, der Einverleibung und der Nicht/Abbildung von Differenzen nach. Prozesse der Dis/Identifikation mit Blicken und Diskursen sowie der De/Fragmentierung und De/Zentrierung von Körpern und Positionen de/konstruieren in den Filmen Machtverhältnisse auf verschiedenen Ebenen.

    Mittwoch 29.04.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079