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  • Die Polyphonen Knabenchorschwuchteln: Johnny, are you queer?

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenZum Semesterbeginn präsentieren wir euch im Podcast den fulminanten Semesterabschluss der vergangenen Saison. Erstmalig durften wir die Polyphonen Knabenchorschwuchteln bei uns begrüßen, die ihre Welttournee für einen Moment unterbrachen, um aktuelle Forschungsergebnisse der Johnny Studies zu präsentieren. Da interdisziplinäre Symposium spannt einen Bogen von der Theologie bis zur Teilchenphysik und endet schließlich in einer musikalischen Annäherung an die Frage „Johnny, are you queer?“.

    [podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/chor_2012_CC.mp3[/podcast]
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    Schwul – verschollen – tot. Johnny ist die illusdystopische Figur queerer Ideengeschichte. An ihm_ihr normieren sich die Normen, brechen sich die Brüche und durchqueren sich die Durchquerungen. Höchste Zeit, Johnnys diversifizierten Repräsentationen von Minnesang bis Crustpunk nachzuspüren und wie Schmetterlinge auf dem Kork der Akademie aufzuspießen. Die Polyphonen Knabenchorschwuchteln – deren analytische Scharfsicht ihren gesanglichen Qualitäten in nichts nachsteht – widmen sich diesem facettierten Diskursknoten in einer eleganten Kakophonie der Wissensstände und fundamentlosen Privatmeinungen.

  • Vortragseinladung 2012-10-24 Performer/innen mit Behinderung erzählen

    Gesa Ziemer
    Darf Kunst das? Performer/innen mit Behinderung erzählen
    Die Regisseurin zu ihrem Film „Augen blickeN“
    Mittwoch 24.10.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Am Mittwoch freuen wir uns auf unsere Kooperationsveranstaltung mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS), zu Gast ist Prof. Dr. Gesa Ziemer, Professorin für Kulturtheorie und kulturelle Praxis, sowie Vizepräsidentin für Forschung an der Hafencity Universität Hamburg. Der erwähnte Film wird mindestens ausschnittweise gezeigt.

    Aus dem Abstract

    Hauptteil meines Beitrages wird die gemeinsame Visionierung des Forschungsfilmes ‚AugenblickeN’ sein, in dem fünf Performer/innen mit körperlichen Behinderungen über die Verletzbarkeit des Körpers und ihre Erfahrungen, diesen auf der Theater- oder Tanzbühne zu exponieren, sprechen. Der daran anschließende und zu diskutierende theoretische Input bezieht sich auf die visuelle Konstruktion von Behinderung durch Blicke. Welche Blicke konstituieren welche Körperwahrnehmung? Zeigt uns Kunst Möglichkeiten, einen „realistischen Blick“ (Rosemarie Garland-Thomson) einzustellen?

    Verletzbarkeit ist nicht nur eine ästhetische, sie ist auch eine ethische Kategorie, die gemeinschaftsbildend ist. Sie verweist primär darauf, dass alle Körper verletzbar sind und sich somit das Gefälle von Betrachter und Betrachtetem mindert. Was (filmische) Bilder zur Minderung dieses Machtgefälles beitragen können und wodurch die Polarisierung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung entkräftet werden kann, soll auf dieser Grundlage gemeinsam diskutiert werden.

  • Weitere interessante Veranstaltungen

    Zentrum für Disability Studies (ZeDiS)
    Behinderung ohne Behinderte!? Perspektiven der Disability Studies
    Montags 16:30-18:00 Edmund-Siemers-Allee 1 Westflügel („ESA, linker Flügelbau“) Raum 221

    Menschenbilder in der Psychologie
    Der ganz normale Wahnsinn? : Menschenbilder zwischen “Norm” und “Abweichung”
    Dienstags 18:15-19:15 (Vortrag) & 19:20-[openend] (Diskussion), Von-Melle-Park 5 („WiWi Bunker“) Raum 4098

    Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg (LSF), Rikki Beadle-Blair
    Workshop: St. Petersburg – Film Shorts for Queer Rights
    Freitag 19.10., 14.00 – 19:00 und Samstag 20.10, 11.00 – 18.00 Uhr
    in den Räumen von Tide, Finkenau 35, 22081 Hamburg
    Kosten: 20€, Anmeldung unter 040-348 06 70, Mo-Fr 11.30 -17.30 Uhr

    Viele interessante Verantstaltungen beginnen ebenfalls in der kommenden Woche. Wir präsentieren Euch eine kleine Auswahl.

    Allerwärmstens empfehlen wir die Ringvorlesung unserer hächstgeschätzen Kolleg*innen von ZeDiS. Das Programm findet Ihr hier: http://www.zedis.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/rvl_winter2012.pdf

    Unsere PartnerInitiative „Menschenbilder in der Psychologie“ beschäftigt sich dieses Semestern mit dem Thema „Norm“ und „Abweichung“, insofern könnte besonders dieses Semester transdisziplinärer Austausch mit Queerinteressierten fruchtbar sein. Das Programm befindet sich hier: http://menschenbilder.blogsport.eu/programm/

    Dann gibt es auf den anstehenden LSF interessante Filme und Veranstaltungen, pars prototo weisen wir aus den Workshop von Rikki Beadle-Blair hin, näheres zu den Workshops unter http://www.lsf-hamburg.de/filme-und-events/fokus.html

  • Vortragseinladung 2012-10-17 Einführung

    Franziska Rauchut
    Queer Theory und Queer Politics :
    Thesen zur deutschsprachigen Queer-Debatte
    Mittwoch 07.10.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Herzlich willkommen im Wintersemester. Im Anschluß folgt eine weitere Mail mit Veranstaltungshinweisen. Beachtet auch, daß das aktuelle Programm- und Abstractheft online verfügbar ist unter http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/test/abstractheftWS1213.pdf . Unsere Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ beginnt am Mittwoch, mit einer Einführung zur die deutschsprachige Queer-Debatte. Dafür freuen wir uns, Franziska Rauchut, Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Herausgeberin aus dem weitläufigen Berlin begrüßen zu dürfen.

    Aus dem Abstract:
    „We are here, we are queer – we are used to it“? Zwei Jahrzehnte Queer Theory in der BRD sind Anlass genug, Bilanz zu ziehen: Welches Provokationspotential entfaltet queere Politik und Theorie heutzutage im deutschsprachigen Raum, welchen Anfeindungen und Kritiken war und ist die Queer Theorie ausgesetzt? Welche Modifikationen haben den Queer-Begriff und seine Inhalte geprägt, und welche gesellschaftlichen und strukturellen Normierungen machen das Queer-Projekt bis heute unabdingbar? Nur wenige Schlagworte und Begriffe wurden in den akademischen Debatten der letzten 20 Jahre so stark aufgenommen und lebhaft diskutiert wie queer (engl.: seltsam, pervers, sonderbar). Der notwendig unbestimmte Kampfbegriff aus dem Kontext der US-amerikanischen Lesben-, Schwulen-, Bi-, Transsexuellen- und Transgender-Bewegung der 1980er/1990er Jahre und sein zugehöriges Konzept ebneten sich den Weg in den Diskurs der akademischen Wissensbildung und modifizierten dabei herrschende Politikkonzepte. Queer fungierte als Identitäts-, Subjekt-, Ausschluss- und Normierungskritik. Das Konzept hinterfragte herrschende Geschlechter- und Sexualitätsordnungen sowie die heterosexuelle Matrix von sex-gender-desire. Queer Theory ging Bündnisse mit feministischen, antirassistischen und kapitalismuskritischen Ansätzen ein und bildete analytische Allianzen mit Cultural, Disability, Gender sowie Postcolonial Studies und vielen mehr. Protagonist_innen kämpften um Institutionalisierung und gegen Vereinnahmung in der und durch die Akademie.

    Der Vortrag beinhaltet sowohl genealogische Betrachtungen zum queeren Aktivismus im US-amerikanischen und deutschsprachigen Raum, zur Veränderung und Beanspruchung des Queer-Begriffs durch verschiedene Gruppierungen, zu zentralen Denkmodellen und theoretischen Zugängen der Queer Theory als auch zu Institutionalisierungs- und Disziplinbildungsbestrebungen sowie zu queerer Kritik und Kritik an queer: Welche neuen Freiräume hat „Queer“ der Politik eröffnet, was blieb auf der Strecke und wie weit unterscheidet sich das deutsche „Queer“-Konzept von seinen Ursprüngen in den USA? Provokant gefragt: (Wie) Bleibt der Begriff in (der) Bewegung?

  • Willkommen im Wintersemester!

    Die Programmhefte sind gedruckt, es kann also losgehen! Hier ein kleiner Einblick in das, was euch erwartet. Unsere Vorlesungsreihe bietet im Wintersemester 2012/13 wieder ein abwechslungsreiches Programm mit großer Themenvielfalt und verschiedenen Formaten. Wir freuen uns, dass wir für die einführende Veranstaltung Franziska Rauchut gewinnen konnten und die Einführung in Queere Theorien und Politiken in diesem Semester vertrauensvoll in ihre Hände legen können.

    Zur zweiten Sitzung wird es Ausschnitte aus dem Film „Augen blickN“ zu sehen geben. Die Regisseurin Prof. Gesa Ziemer ist anwesend und wird einen Input liefern. Bei dieser Kooperationsveranstaltung mit dem Zentrum für Disability Studies werden Schriftmittler_innen anwesend sein. In der Woche darauf präsentieren wir eine Lesung aus „The Little Book of Big Visions: How to Be an Artist and Revolutionize the World“, die abweichend vom üblichen Termin an einem Donnerstag (16 bis 18 Uhr) im Flügelbau des Hauptgebäudes (ESA West: 221) stattfindet. Zu Gast sind die Herausgeberinnen Sandrine Micossé-Aikins und Sharon Dodua Otoo.

    Im Januar freuen wir uns, ein weiteres Mal Noah Sow in unserer Reihe begrüßen zu dürfen, die die Fallen, welche mediale Begegnungen für Marginalisierte mit sich bringen, analysiert und zeigt, wie diese kontrolliert und selbstbestimmt gestaltet werden können. Ebenfalls im Januar spricht Prof. Maureen Maisha Eggers aus der Perspektive der Critical Race Theory über Diversität und intersektionelle Queer Theory. Ein feministisch sex-p(l)ositives Feuerwerk werden wir zünden, wenn am 14. November Dr. Laura Meritt nach Hamburg kommt. Sie ist Initiatorin des PorYes – Feminist Porn Awards Europe und Betreiberin von „Sexclusivitäten“ in Berlin.

    Ganz besonders freuen wir uns auch auf die Vorträge von Joke Janssen (Normalisierungs- und Anrufungsstrategien zum Cochlea-Implantat für Kinder gehörloser Eltern) und Bertold Scharf (Die „Trümmerfrauen“ als Gründungsmythos der Bundesrepublik), denn beide sind langjährige Wegbegleiter bzw. Mitglieder der AG Queer Studies. Besonders schön femme/inistisch wird es, wenn am 16. Januar Sabine Fuchs zu Gast ist und sie darüber spricht, was die Mimesis mit/aus widerspenstigen weiblichen Subjekten macht. Weitere Themen des Wintersemesters sind Geschlechterarrangements im Hardcore (Marion Schulze), inter-solidarische Positionierungen (Anja Gregor), Girlfags & Guydykes (Uli Meyer) und die „Suche nach Geschlechtlichkeit und Sexualität in klassischen psychologischen Theorien des 20. Jahrhunderts“, auf die sich Anna Sieben mit uns begeben wird.

    Last but not least steht zum Ende des Wintersemesters wieder der entzückende Besuch von Blessless Mahoney und Didine van der Platenvlotbrug auf dem Programm, die uns die neuesten Ergebnisse ihrer Forschung präsentieren werden. Ihr Vortrag über die „luminöse Topographie“ findet als Publikumsmagnet abweichend im Hauptgebäude Hörsaal C statt.

    Auch in diesem Semester stehen uns dank der finanziellen Unterstützung der Gemeinsamen Kommission Gender- und Queer Studies Mittel zur Verfügung, um einige Vorträge von DGS-Dolmetscher_innen übersetzen zu lassen. Aus organisatorischen Gründen bitten wir darum, dass uns Interessierte frühzeitig, mindestens jedoch vier Wochen vor dem jeweiligen Vortrag kontaktieren.

    Eure AG Queer Studies

    Programm-Übersicht Wintersemester 2012/2013 als PDF (129 KB)
    Programmheft mit Informationen zu allen Vorträgen Wintersemester 2012/2013 als PDF (1,1 MB)

  • Radio

    Radiosendungen mit QueerAG Beteiligung auf FSK.

    • Kaffeehausdilettant*n: 12.10.2012 0800-1000: Esoterik
    • Jenseits der Geschlechtergrenzen 15.10.2012 1400-1530: Goel
    • Jenseits der Geschlechtergrenzen 05.11.2012 1400-1530: Meißner
    • Der Computer kann alles 14.11.2012 1700-1900: N.N.
    • Jenseits der Geschlechtergrenzen 19.11.2012 1400-1530: Spilker
    • Kaffeehausdilettant*n: 23.11.2012 1000-1200: N.N.
  • Hanna Meißner: Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenBevor in weniger als zwei Wochen die neue Vorlesungszeit beginnt, präsentieren wir uns in unserem Podcast heute einen Vortrag zu einem geradezu klassischen Themenbereich poststrukturalistischer und queerer Theorien: Subjektkritik und die Frage, wie ein „Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts“ zu denken ist. Letztere ist auch der Titel von Hanna Meißners 2010 bei transcript erschienener Dissertation, in der sie sich mit der gesellschaftlichen Konstitution von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx beschäftigt hat. Hanna Meißner ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU zu Berlin.

    [podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/meissner_2012_CC.mp3[/podcast]
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    Subjektkritik ist ein wichtiges Moment queerer Theorien, die damit das Vermächtnis der sich durch das 20. Jahrhundert ziehenden Krise des autonomen, vernunftbegabten Subjekts aufnehmen. Was bedeutet aber eine solche Subjektkritik? Zielt sie darauf, dass es ein autonomes Subjekt nie gegeben hat? Oder geht es darum, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse so verändert haben, dass es nun (in der ‚Postmoderne’) kein autonomes Subjekt mehr gibt? Und welche Konsequenzen hat die fundamentale Infragestellung des autonomen Subjekts für (queere) Politik? Wie lassen sich Kritik- und Handlungsfähigkeit, wie lässt sich Verantwortung denken, ohne dass ein vorgängiges, intentionales Subjekt vorausgesetzt wird? Um diese Fragenkomplexe anzugehen, scheint es mir sinnvoll, Judith Butlers Hinweis aufzunehmen, dass etwas (fundamental) in Frage zu stellen nicht heißen muss, es als Irrtum oder als unwirklich zu verwerfen: Das (autonome) Subjekt ist zugleich phantasmatische Gestalt und wirkmächtige Realität. Anhand der Arbeiten von Butler, Foucault und Marx skizziere ich zunächst Bedingungen einer historischen Konstellation, in der Autonomie (als Verleugnung fundamentaler Abhängigkeiten) eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit darstellt. Dann gehe ich darauf ein, inwiefern eine Kritik, die an der Gewaltsamkeit dieser Verleugnung ansetzt, eine immanente Kritik ist; eine Kritik, die konstitutiv in den Bedingungen verhaftet ist, gegen die sie sich richtet. Gayatri Spivak und Donna Haraway aufgreifend ließe sich sagen, dass das autonome (menschliche) Subjekt etwas ist, was ‚wir’ nicht nicht begehren können – und dennoch kritisieren müssen.

  • Michaela: Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenAm letzten Wochenende wurde in Hamburg anlässlich des DGKJ-Kongresses gegen Genitalverstümmlung bei intersexuell geborenen Kindern protestiert. Zum Thema Intersexualität/Zwischengeschlechtlichkeit reichen wir heute noch einen Podcast nach. Im Wintersemester 2011/2012 hatten wir Michaela zu Gast, die in Halle als Ärztin arbeitet und über den „Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen“ referierte.

    [podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/michaela_2012_CC.mp3[/podcast]
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    Intersexualität mag inzwischen mehr Menschen theoretisch bekannt sein, verbessert hat sich der Umgang mit den Betroffenen bis heute wenig. Auch heute noch übt die Medizin in “fortschrittlichen” Ländern mit Skalpellen und anderen Instrumenten Gewalt gegen intersexuelle Menschen aus, sobald sie ihrer habhaft werden kann. Diese Behandlungen ohne medizinische Notwendigkeit dienen nicht dem Kindswohl, sondern mutmaßlichen oder auch nur eingebildeten Bedürfnissen nicht-intersexueller Menschen. Die lebenslangen Folgen für die Betroffenen können unter anderem Schmerzen, Verlust der sexueller Empfindungsfähigkeit, und schwere körperliche Schäden beinhalten; erschwerend tritt eine Traumatisierung ein, besonders wenn Betroffenen gegenüber geschwiegen oder gelogen wird, was jahrzehntelang als “Standard” galt.

    Ungeachtet des Ausmaßes an Menschenrechtsverletzungen, wie es ein erheblicher Anteil der Betroffenen erlitten hat, erschrecken auch die Zahlen derer, die vermeintlich “glimpflich” davon gekommen sind, zumal sich viele anscheinend nicht der Zusammenhänge bewußt sind; sie neigen dazu, die Ursache für körperliche und seelische Probleme bei sich und ihrem angeborenen So-Sein zu suchen, statt bei den Tätern im Medizinsystem. Intersexualität wurde von Gesellschaftswissenschaftlern und politischen Organisationen anderer Zusammenhängen zwar entdeckt und angeführt, aber statt sich mit den Zwittern gegen die Zwangsoperationen und -behandlungen zu solidarisieren, ging es um die Interessen anderer Gruppen, bisweilen wurden sogar “Mittäter” als “Experten” herangezogen.

    Da ja intersexuelle Menschen gar nicht so selten sind, kommen sie auch in lesbischen oder “queren” Zusammenhängen vor; der tatsächliche Umgang mit ihnen sollte an Offenheit und Akzeptanz gewinnen.

  • Absage/Verschiebung

    Wir müssen euch leider mitteilen, dass der Workshop „Mehrfachpositionierungen im Kontext von rassistischen und sexistischen Strukturen“ wegen zu weniger Anmeldungen abgesagt werden muss.
    Die Workshopleiterin von der Gruppe KARaNo will diesen aber nachholen und wird den neuen Termin rechtzeitig bekannt geben, damit es längerfristiger mit den Anmeldungen dann klappt.
    Vielen Dank und alles Gute dafür!

  • Aufruf zur praktischen Solidarität am kommenden Wochenende: „Menschenrechte auch für Zwitter!“

    Inhaltswarnung: medizinische Gewalt/explizite Benennung gewaltsamer medizinischer Praxen im Kontext Intersexualität in der unten zitierten Pressemitteilung.

    Die Gruppe Zwischengeschlecht.org ruft für das kommende Wochenende zum Protest gegen Genitalverstümmlung bei intersexuell geborenen Kindern auf. Anlass ist der Kongress der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Das Bündnis enter_the_gap und die AG Queer Studies schließen sich diesem Aufruf und der Forderung nach einem Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen und „Menschenrechte auch für Zwitter!“ an.

    Am Donnerstag um 19 Uhr wird es eine Infoveranstaltung im Kulturkursraum der Uni geben. Wer sich dem Protest anschließen will kommt am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr zum Congresscentrum (CCH) und am Sonntag zwischen 11 und 15 Uhr zum Altonaer Krankenhaus (jeweils vor dem Haupteingang). Genauere Informationen findet ihr in der Presseerklärung von Zwischengeschlecht.org.

    Die Universität Hamburg war zentral für die Durchsetzung der systematischen Inters*x-Genitalverstümmelungen. Unbeirrbar verteidigten Professoren kosmetische Klitorisamputationen: „Die Orgasmusfähigkeit leidet durch die Klitorisentfernung nicht. Das Organ soll dabei exstirpiert werden.“ Heute noch werden in mindestes 5 Hamburger Kliniken medizinisch nicht notwendige „Genitalkorrekturen“ an Kindern durchgeführt. Diese Woche treffen sich im Congress Center Hamburg zur „DGKJ 2012“ mehrere verantwortliche Medizinerverbände.

    Betroffene und Unterstützende protestieren und fordern Aufarbeitung!

    • Do 13.09.2012 19:00h INFOABEND im Kulturkursraum der Universität
      Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker” Eingang AStA Trakt)
      „Inters*x-Genitalverstümmelungen in Hamburg – Geschichte und Gegenwart“
      Vortrag & Diskussion mit Markus Bauer (Zwischengeschlecht.org)
    • Sa 15.09. 10-18h FRIEDLICHER PROTEST „DGKJ 2012“ Congress Center Hamburg CCH
      Am Dammtor / Marseiller Str., 20355 Hamburg, vor dem Haupteingang
    • So 16.09. 11-15h FRIEDLICHER PROTEST Altonaer Kinderkrankenhaus AKK
      Bleickenallee 38, 22763 Hamdem Haupteingang

    „In der Regel wird die Klitorisreduktionsplastik in Deutschland im ersten Lebensjahr durchgeführt.“ (DGKJ-Leitlinie 027/047 „Adrenogenitales Syndrom“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

    Etwa jedes 1000. Kind wird mit „atypischen“ körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren (sog. Zwitter, Hermaphroditen, Inters*xe). Bis heute werden diese Menschen zu 90% als Kleinkinder kosmetisch genitaloperiert. Allein in Deutschland wird JEDEN TAG in einer Kinderklinik mindestens ein wehrloses Kind irreversibel genitalverstümmelt – auch in Hamburg.

    Historisch waren die Universität Hamburg und ihre Kinderkliniken das 2. wichtigste Zentrum in Europa zur Durchsetzung der systematischen Genitalverstümmelungen an Inters*x-Kindern, und in Sachen kosmetische Klitorisamputationen das wohl unbeirrbarste. Prof. Jürgen Bierich behauptete bis mindestens 1971, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Orgasmusfähigkeit durch Klitorisentfernungen nicht beeinträchtigt werde. Bis mindestens 1976 wurde an der Uni Hamburg gelehrt: „In der Kinderheilkunde ist die Indikation zur Klitorektomie gegeben, wenn […] bei Mädchen ein übermäßiges Wachstum der Klitoris stattfindet.“

    „Indiziert ist die Korrektur auch aus ästhetisch-psychologischen Gründen. Ziel ist die Positionierung des Meatus urethrae an der Glansspitze.“ (DGKCH-Leitlinie 006/026 „Hypospadie“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

    Heute noch sind in Hamburg medizinisch nicht notwendige „Genitalkorrekturen“ an wehrlosen Kindern an der Tagesordnung, etwa im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), dessen Ableger Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) und in den Privatkliniken Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift, Asklepios und Helios Mariahilf.

    In dieser Woche versammeln sich in Hamburg zur „DGKJ 2012“ zwei der hauptsächlich verantwortlichen Genitalabschneider-Standesorganisationen, nämlich die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH), um möglichst ungestört neue „Verbesserungen“ ihrer menschenrechtswidrigen „Behandlungen“ zu propagieren.

    „Ein uneindeutiges Genitale kann eine erhebliche psychosoziale Belastung der Eltern und der Familie bedeuten.“ (DGKJ-Leitlinie 027/022 „Störungen der Geschlechtsentwicklung“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

    Wir wollen bei diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger tatenlos zusehen!

    Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org, bestehend aus Betroffenen und solidarischen Nicht-Zwittern, kämpft seit 5 Jahren gegen kosmetische Genitaloperationen in Kinderkliniken – und wird mit Unterstützung von enter_the_gap! und der AG Queerstudies vor Ort in Hamburg über diese menschenrechtswidrigen Praktiken informieren.

    Und am Wochenende vor dem Kongress und dem Kinderkrankenhaus der Universitätsklinik friedlich protestieren – gegen die GenitalabschneiderInnen und gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

    „Zudem bietet die operative Korrektur von der männlichen in die weibliche Richtung weit weniger Schwierigkeiten als umgekehrt.“ (DGU-Leitlinie 043/029 „Störungen der s*xuellen Differenzierung“, Evidenzstufe: S1 = niedrigste)

    Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen sowie „Menschenrechte auch für Zwitter!“.

    Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.