Kategorie: Vortragsreihe

  • Vortragseinladung 2013-05-15: Wie der Berliner Techno weiß wurde

    Alexander G. Weheliye
    „White Brothers With No Soul“: Wie der Berliner Techno weiß wurde
    Mittwoch 15.05.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

     

    Prof. Dr. Alexander G. Weheliye forscht und lehrt zu African American and Diaspora Studies an der Northwestern University, USA. Er referiert am Mittwoch über folgendes Thema:

    Der Titel meines Vortrages stammt aus dem 2008 erschienen Dokumentarfilm „We Call It Techno!“, der die Entstehung der deutschen Technoszene beleuchtet. Wie auch in vielen anderen zeitgenössischen filmischen, journalistischen und wissenschaftlichen Dokumentationen über diesen Abschnitt der jüngeren deutschen Kulturgeschichte, wird hier eine dezidiert rassifizierte Variante des kollektiven Erinnerns praktiziert.

    Infolgedessen befasst sich mein Beitrag mit dem sowohl im deutschen als auch im angelsächsischen Raum auftauchenden Konsens über den Werdegang von Berlin als Welthauptstadt des Techno seit 1990. Das Ausklammern der multikulturellen und queeren Vorgeschichte des Techno im West-Berlin der 80er Jahre, vor allem in der damaligen Klubkultur und Rezeption Schwarzer Musik, ermöglicht Kommentatoren, den Techno als fast ausschließlich heteromaskulin, weiß, und, im angelsächsischen Raum, stereotypisch „deutsch!“ darzustellen – eine Mythologisierung, die sich reibungslos in die rassifizierte Volkswerdungs-Erzählung der deutsch-deutschen Wiedervereinigung einfügt. Somit wird Techno retroaktiv zum Soundtrack des Zusammenschlusses von weißen und heterosexuellen Brüdern ohne Soul in Ost und West stilisiert. Um dieser Mythologisierung entgegenzuwirken betone ich sowohl die ethnische und sexuelle Vielfältigkeit der Berliner Musiklandschaft in den 80er Jahren als auch das Aufkommen von Eurodance Anfang der 90er Jahre, ein Genre, das oftmals ein afro-deutsches Gesicht in der Öffentlichkeit trug und als das feminisierte Pendant zu Techno fungierte.

  • Vortragseinladung 2013-05-08: Ban Marriage!

    Sushila Mesquita
    Ban Marriage! Familienpolitiken aus queer-feministischer Perspektive
    Mittwoch 08.05.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Dr. Sushila Mesquita berufliche Tätigkeit liegt in der Genderforschung an der Universität Wien und sie ist aktiv in vielfältigen Projekten im popkulturell-politischen Bereich, so u.a. für Radio Orange94. Am Mittwoch ist sie zu Gast mit folgendem Thema:

    Was passiert, wenn „Ban Marriage!“ von den Hidden Cameras mit Sister Sledge’s „We are family“ zu einem mash-up vermanscht wird? Ausgehend von queer-feministischen Kritiken an der Institution Ehe und an den Gleichstellungsbestrebungen von Teilen der LGBTIQ-Bewegung will ich zunächst die Ambivalenzen der rechtlichen Anerkennung bestimmter lesbischwuler Beziehungen skizzieren. Im Anschluss daran möchte ich nach rechtlichen Anerkennungsstrukturen suchen, die der gelebten Vielfalt von Wahlfamilien gerecht zu werden vermögen, ohne dabei hierarchisierend und normierend zu verfahren.

  • Vortragseinladung 2013-04-24: Tunten, Feministen, Radikale

    Patrick Henze (Patsy l’Amour laLove), M.A. Gender Studies, Polit-Tunte, Forscher_in und Aktivist_in, Berlin
    Tunten, Feministen, Radikale – Impulse aus der Schwulenbewegung der 1970er Jahre für queere Bewegungen
    Mittwoch 24.04.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Drag Queens und Tunten sind ein selbstverständlicher Teil lesbischwuler und queerer Szenen. Unterhaltsam und schlagfertig müssen sie sein – das Publikum ist begeistert. In der tuntischen Geschichte gibt es jedoch zahlreiche Hinweise darauf, dass sie nicht immer bloß witzige Entertainmentfiguren waren und bei weitem auch nicht sind. In den 1970er Jahren auch „Feministen“ und „Radikale“ genannt, intervenierten Tunten und ihre Sympathisant_innen innerhalb der Schwulen- und Linken Bewegung gegen „bürgerliche“ und verkrustete Strukturen sowie Vorstellungen von Geschlecht und Authentizität.
    Zahlreiche Kritiken der Schwulenbewegung der 1970er Jahre, insbesondere jene der Tunten, zeigen Parallelen zu aktuellen queeren Bewegungen. Diese werden im Vortrag aufgegriffen und zur Diskussion gestellt.

  • Vortragseinladung 2013-04-10: Lebenserfahrung trans*

    Wiebke Fuchs, Kai (Dan) Christian Ghattas, Deborah Reinert
    Lebenserfahrung trans* – eine empirische Studie über die Lebenssituation transsexueller Menschen in NRW
    Mittwoch 10.04.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Dr. Dan Christian Ghattas – Universitätsdozent, Kulturwissenschaftler und Journalist -, Deborah Reinert – Rechtsanwältin in Köln – und Wiebke Fuchs – Ethnologin, Aktivistin für Trans*-Rechte, MHC Hamburg – stellen die erste empirische Studie zur Lebenssituation Transsexueller in NRW vor.

    Welche Erfahrungen machen Transsexuelle mit Akzeptanz und Diskriminierung? Mit welchen Problemen sehen sie sich konfrontiert im Berufsleben, im Gesundheitsbereich, in Familie und Partnerschaft, bei Behörden und in der Öffentlichkeit? Wie werden diese Probleme bewältigt und was ist dabei hilfreich? Welche Forderungen an die Politik lassen sich daraus ableiten? Die Studie entstand im Auftrag des LSVD und wurde vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, NRW gefördert.

    Studie zum Download

  • Vortragseinladung 3. April 2013: Einführung

    AG Queer Studies
    Die Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ und: Was sind Queer
    Theory und Queer Politics?
    Mittwoch 3.04.2013, 19:15, Von Melle Park 5 (“Wiwi Bunker”) 0079

    Heute geht das neue Semester los. Wir starten wie gewohnt mit einer Einführungssitzung, in der wir neben Formalia auch einen Einstieg in den Themenbereich von Queer Theory und Politics versuchen. Das Semesterprogramm findet ihr auf dem Blog, seit gestern auch mit Programmheft, das es wie gewohnt heute Abend auch in ausgedruckter Form bei uns gibt.

    Unser Einführungsvortrag stellt nicht nur unsere Ringvorlesung vor, sondern versucht auch einen kurzen Einblick in die Queer Theory zu bieten:
    Was lässt sich zu Queer Politics in Deutschland sagen, obwohl dem Begriff hier seine provokative Bedeutung aus dem Englischen weitgehend fehlt? Welche Entwicklungen gab es in der Queer Theory in den letzten Jahren? Welche Bündnisse und Konzepte erscheinen uns wichtig?
    Und was hat die AG Queer Studies damit zu tun?
    Der Vortrag soll diese Fragen nicht erschöpfend beantworten, aber Denkanstöße geben und Lust auf die Vortragsreihe machen.

  • Material zum Vortrag von Maureen Maisha Eggers

    Von einigen bereits heiß ersehnt, ist er nun eingetroffen: Der Aufsatz, den uns Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers als Lektüre zu ihrem Vortrag empfohlen hat. Er ist auf dieser Webseite unter „Online-Texte“ in der Kategorie Vortragsreihe -> Texte zu finden. Wer diesen Umweg nicht gehen will, für den haben wir hier den direkten Link. Und hier noch der Link zum von ihr gezeigten Video: The Unequal Opportunity Race von Kimberle Crenshaw und Luke Harris (AAPF) Viel Spaß!

  • Vortragseinladung 2013-01-30: Blessless & Didine

    Blessless Mahoney & Didine van der Platenvlotbrug
    Die luminöse Topographie. Auf der Planche in Olims Apodyterium. Leukopoetische Ombragen für machulle Zeiten
    Mittwoch 30.01.2013, 19:15, Edmund-Siemers-Allee 1 („ESA“) C

    Achtung: Diese Vorlesung findet abweichend von der restlichen Vorlesung im Erwin-Panofsky Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes statt

    Zum Ende des Wintersemesters freuen wir uns, wieder einmal Blessless Mahoney, Dekanin der Eberhardt-Anbau-Scheibenschwenkpflug-Universität, Brake an der Weser & Didine van der Platenvlotbrug Pröpstin der Elsa-Sophia-von-Kamphoevener-Fernuniversität, Katzen-Ellenbogen begrüßen zu dürfen. Dieses mal mit folgendem Thema:

    Stellen wir uns das philosophische Wohnzimmer als endoplasmatisches Retikulum vor, so drängen sich die neuesten Erkenntnisse im Bereich der holistic science geradezu auf! Wer sonst außer den beiden Töchtern der dialektischen Morgenröte könnte sich mit apodiktischem Aplomb Hempels Didaktik zu Nutze machen und eine cereale Landkarte in Moll entwerfen? Eben. Das Membransurfen bzw. Queer(t)reiben wird unsere innere Möblierung zum Schwingen bringen oder ganz anders gesagt: Wenn Sound zur Landschaft wird, wo wollen wir uns dann verlieren? Eine Action Lecture a prima vista, garantiert äquivok.

  • Vortragseinladung 2013-01-23: Maureen Maisha Eggers

    Maureen Maisha Eggers
    Diversität und intersektionelle Queer Theory aus einer Critical Race Theory Perspective
    Mittwoch 23.01.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Wir freuen uns abeauf den Mittwoch, da wir wieder eine der Referent*innen begrüßen dürfen, die vorzustellen fast schon müßig ist: Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers, lehrt an der Hochschule Magdeburg-Stendal zu Kindheit und Differenz (Diversity Studies) und referiert über folgendes.

    Der Begriff der Intersektionalität geht auf die US-amerikanische Rechtswissenschaftlerin Kimberlé W. Crenshaw zurück. Sie entwickelte den Begriff Ende der 1980er Jahren, um Diskriminierungsmechanismen in der Arbeitsmarktsituation Schwarzer Frauen zu analysieren. Seitdem hat der Begriff innerhalb der Gender Studies einen prominenten Status erreicht. Seine Etablierung geht allerdings mit einer Auslöschung seiner Entstehungszusammenhänge einher. Ausgangspunkt dieses Vortrags ist eine Thematisierung des ‚Intersektionellen Blicks’ im Kontext seiner Entstehungszusammenhänge in der Critical Race Theory-Bewegung. Ich bin daran interessiert nachzuzeichnen, an welchen Punkten die geteilten ‚Intellectual und Political Commitments’ von Race Scholarhip und Gender Scholarship auseinanderklaffen, um eine solche Rezeption der Intersektionalität, wie wir sie in Deutschland erleben, zu verursachen.

    CRT Scholarship bezieht sich in erster Linie auf rassismuskritische Analysen von Rechtsmitteln und Rechtsverfahren, da sie ein Produkt der kritischen Interventionen und der Zusammenschlüsse von (P.O.C.) Legal Scholars war. Inzwischen ist das zweitgrößte Feld der Anwendung von CRT das Feld der Bildung (Bildungsinstitutionen und ihre Verfahren). Hierin besteht auch die starke Verbindung zum Begriff der Diversität. Engagierte Legal Scholars of Color strebten eine konkrete Diversifizierung ihrer eigenen Bildungsinstitutionen (Harvard Law School, San Francisco State University) per Student Activism v.a. durch Streiks an. Dabei galt es, gegen die systematisierten rassifizierten Ausschlussmechanismen eigene systematisierte Interventionen aufzustellen. CRT wurde daher nicht nur als eine intellektuelle und politische Bewegung aufgebaut, sondern mit dem Ziel vorangetrieben, ein Aggregat, eine eigene Infrastruktur zu installieren. Mit Texten von Cengiz Barskanmaz, Iyiola Solanke und Jin Haritaworn möchte ich über die Möglichkeit des Aufbaus einer solchen Infrastruktur in Deutschland ins Gespräch kommen.

  • Vortragseinladung 2013-01-16: Mimesis

    Sabine Fuchs
    Widerspenstige Subjektivitäten? Mimesis als Verfahren queerer Fem(me)ininität
    Mittwoch 16.01.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Verehrte Freund*innen der AG Queer Studies

    Sabine Fuchs M.A., freischaffende Kultur- und Literaturwissenschaftlerin, Hamburg. Sie referiert zu folgendem spannenden Thema

    In aktuellen queer-feministischen Diskursen und Forschungen wird Weiblichkeit, Femininität und Femmeness nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle zugestanden. In ihrem Vortrag erörtert Sabine Fuchs widerspenstige Selbstinszenierungen von queerer Fem(me)ininität mit Theorien der Mimesis, Maskerade und Performativität. Dazu verbindet sie ästhetische und kulturanthropologische Konzeptionen von Mimesis mit feministischen und queeren Theorien von Gender und Sexualität. Gefragt wird nach Strategien der Selbstrepräsentation und Schwierigkeiten der Rezeption angesichts der grundlegenden Ambivalenz von Mimesis. Kann „kritische Mimesis“ als Differenzen Raum gebendes Verfahren der Wiederholung/Verschiebung durch Nachahmung als brauchbares Modell für widerspenstige Inszenierungen und Umgestaltungen von Gender und Sexualität herangezogen werden?

  • Vortragseinladung 2013-01-09: Noah Sow zu Medienbegegnungen

    Noah Sow
    Vorsicht, Falle! Strategien für eine traumafreie Begegnung mit den Medien – bzw. – „Hilfe, ich erkenne mein Interview nicht wieder!“
    Mittwoch 09.01.2013, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Achtung: Da eine hohe Besucher*innenzahl erwartet wird, ist eine Raumänderung in letzter Minute z.Zt. nicht ausgeschlossen. Rechtzeitiges Erscheinen könnte sich ggf. als hilfreich erweisen; v.a. lohnt sich aber, die nächsten Tage diese Seite und/oder die eMailverteilerin zu beachten.

    Kurz nach Zahlenwechsel auf dem Kalender – die üblichen guten Wünsche für die nächsten 359 Tage seien hinzugedacht – präsentieren wir ein starkultverdächtiges Highlight dieses Semesters, es referiert Noah Sow – Autorin, Künstlerin, Medienkritikerin, Gründerin und Vorstandsmitglied der ersten Schwarzen deutschen media watch Organisation der braune mob e.V. u.v.m.

    Selbst mit viel Erfahrung ist eine unmittelbare Medienbegegnung schwer manövrierbar. Damit eine solche Begegnung im potenzierten Dominanzgefälle Marginalisierte Person – Medienproduktion überhaupt eine Chance hat, ansatzweise kontrolliert und selbstbestimmt zu geschehen, sind für Angehörige von Minderheiten vielerlei Dinge zu beachten und Strategien zu entwickeln.

    Es sind zumeist dieselben Praxen im dokumentarischen Filmbeitrag, Interview oder anderen medialen Produktionen, in denen die Dominanzkultur sich eines Themas annimmt, die „Anderssein“ (sprich: Anderung) oder Widerstand beinhalten, die regelmäßig zu Ergebnissen führen, die die Be-sprochenen ihre Bereitschaft zur Mitwirkung bereuen lässt, sie nicht selten traumatisiert. Diese Themenfelder sind beispielsweise Rassismus, (Cis)Sexismus, Behindertwerden. Sie werden von und für die Dominanzgesellschaft bearbeitet, Inhalte, Bilder und Aussagen nach Belieben entlang der (imaginären) Verständnisachse der Dominanzgesellschaft verzerrt, und so zum dauerhaften verfälschten Display unserer eigenen Geschichte/n / Leben /Themen. Die Auswirkungen auf die Geschichtsschreibung, Wissensproduktion, Emanzipationsbewegung und gesellschaftlichen Verhältnisse sind auf den zweiten Blick schwerwiegend.

    • Inputvortrag über die klassischen „Fallen“ im Umgang mit hegemonialer Medienproduktion: Macht und Ohnmacht
    • Input: Welche Strategien gibt es um medialen Verzerrungen und kontraproduktiven Ergebnissen vorzubeugen?
    • Wie kann ich unzumutbare und schmerzhafte Medienbegegnungen verhindern?
    • Q&A, extensive Fragerunde zur Praxis, ggf. mit Input des Justitiars von der braune mob e.V.

    Aufbauend auf dem Vorjahres-Vortrag „Diskurs mit Schieflage: Wie Kommunikation zum Dominanzerhalt genutzt wird“.