Schlagwort: geschlecht

  • Stop Trans Pathologization

    Es gibt eine weltweite Kampagne zur Entpathologisierung von Trans*, die
    auf die Reform des internationalen Krankheitskataloges der WHO, „ICD“ (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) zielt, welche 2012
    abgeschlossen sein wird.

    Mehr Informationen dazu sind hier erhältlich.

  • Kathrin Ganz: Von Wahlfreiheit und dem ökonomischen Charme der Familie

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenDer heutige Folge unseres Podcasts ist ein Vortrag, den ich im Mai 2009 im Rahmen von „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ gehalten habe. Es geht um die Konstruktion von Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im familienpolitischen Diskurs der gerade zu Ende gehenden Regierungsperiode. Im Vortrag stelle ich die Ergebnisse meiner Magisterarbeit vor, in der ich vor einem diskurstheoretischen Hintergrund untersucht habe, welche Bilder von Familie in den Debatten um Elterngeld und Kinderbetreuung vorherrschend waren. Auf den Seiten des Feministischen Institutes habe ich einen ein Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

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    Kathrin Ganz, M.A., Politikwissenschaftlerin und Mitglied der AG Queer Studies, Hamburg

    Familienpolitische Diskurse (re-)produzieren normative Leitbilder von Familie, die sich institutionell manifestieren und dadurch Vorstellungen und Handlungsmöglichkeiten beeinflussen. In Deutschland steht dieser Diskurs in einer besonders konservativen Tradition. Mit dieser haben in jüngster Zeit und für viele überraschend die Große Koalition und eine christdemokratische Familienministerin gebrochen.
    In meinem Vortrag zeige ich, wie sich die normativen Leitbilder der Institution Familie im familienpolitischen Diskurs seit der Nachkriegszeit verändert haben. Seit einigen Jahren zeichnet sich hierbei eine Ökonomisierung des Familienverständnisses ab, die mit gleichstellungspolitischen Forderungen und dem Ziel der Steigerung der Geburtenrate verbunden wird, während sozialpo- litische Ziele in den Hintergrund treten. Im Zuge dessen hat sich die Familienpolitik die Förderung von Frauenerwerbsarbeit und aktiver Vaterschaft auf die Fahnen geschrieben. Das Zwei-Erwerbstätigen-Modell hat mittlerweile das Alleinernährermodell als Leitbild abgelöst. Auch wenn diese Entwicklung als Öffnung des Familienbegriffes gedeutet wird, gehe ich davon aus, dass dadurch neue Leitbilder entstehen, die den Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Eltern und Kindern nicht entsprechen und bestimmte familiäre Lebensformen aus dem Diskurs ausschließen oder aber stigmatisieren. Anhand von Bundestagsdebatten und Regierungsdokumenten möchte ich zum einen darstellen, wie Elternschaft, Mutterschaft und Vaterschaft im Zusammenhang mit dem Elterngeld diskursiv konstruiert, und wie dabei Lebensentwürfe und Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. Zum ande- ren frage ich nach der Rolle von sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Strukturkategorien, die neben Geschlecht die Existenzbedingungen von Individuen und Familien prägen.

    Hier erfahrt ihr mehr über unseren Podcast und wie ihr in bequem abonnieren könnt.

  • Podcast: Patrick Baur – Zerstreute Geschlechter. Heidegger, Derrida und die sexuelle Differenz

    Logo des Podcasts von Jenseits der GeschlechtergrenzenMit einem philosophischen Vortrag aus dem Wintersemester 2008/2009 leiten wir das letzte Augustwochenende ein. Patrick Baur, Philosoph und Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg, spricht über die Figur der sexuellen Differenz bei Martin Heidegger und Jacques Derrida.

    [podcast]http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/podcast/baur2008.mp3[/podcast]
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    Zum Abstract des Vortrags (mehr …)

  • Vortrag von Martina Tißberger: Dark Continents

    Martina Tißberger
    Dark Continents. Psychoanalyse, Gender, Whiteness.
    Mittwoch 15.07.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Mittwoch präsentieren wir zum Ende der Vorlesungszeit Martina Tißberger, sie ist Dipl.Psychologin am Bereich „Geschichte der Psychologie“ der FU Berlin und arbeitet zu Psycholanalyse, Gender unter Critical Whiteness und nutzt dabei auch diskursanalytische Methodik.

    Die Referentin zum Vortrag:

    „Freuds Allegorisierung weiblicher Sexualität als „dark continent“ verweist unbeabsichtigt auf zwei konstitutive Figuren der Psychoanalyse: Geschlecht und Rasse. Sie sind beide Differenz-Figuren mit deren Hilfe Ausschlüsse vorgenommen werden, damit das Subjekt der Psychoanalyse hervortreten kann. Geschlecht, bzw. die sexuelle Differenz stellt die Anfangs-Figur dar. Der dunkle Kontinent als Allegorisierung Afrikas, das für ‚Rasse‘ steht, ist der verschobene – der verdrängte Anfang. Dieser ‚Kontinent weiblicher Sexualität‘ ist ein weißer Fleck in der Erkenntnislandschaft Freuds – etwas, das sich ihm beständig zu entziehen scheint und das zur ‚Leerstelle Frau‘, dem konstitutiven Mangel des Subjekts der Psychoanalyse, wird. Diese Leerstelle – das Unbewusste in der Psychoanalyse – ist also in interdependenter Weise rassisch und geschlechtlich codiert. Durch Freuds Ambivalenz als weißer Mann in einer sexistischen und kolonialistischen Gesellschaft und zugleich als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft hat er uns eine Subjekttheorie hinterlassen, die ein ebenso revolutionäres wie reaktionäres Potenzial hat. Mit Daniel Boyarin argumentiere ich, dass ‚Rasseʼ in Form des Antisemitismus den verschobenen Anfang der Psychoanalyse darstellt – eine Differenz, die Freud in die sexuelle Differenz verschoben hat. Ich nehme deshalb die ‚Leerstelle in der Psychoanalyse‘ – ihr Unbewusstes – als Ausgangspunkt für eine Historisierung und zugleich eine Dekonstruktion ihres Subjekts um zu zeigen, dass ‚Rasse‘ und Gender gleichermaßen konstitutiv für dieses Subjekt sind.“

    Gerade angesichts der stark ’naturwissenschaftlich‘ ausgerichteten Hamburger Psychologie bedeutet dies eine Chance zur Horizonterweiterung. Wie unzureichend ‚Naturwissenschaft‘ für psychologische Fragestellung sein kann, zeigte uns dieses Semester bereits die Biologin und Kulturwissenschaftlerin Kerstin Palm. Wer jenen Vortrag verpaßt hat, kann ihn hier nachlesen.

  • Vortrag von Kristina Reiss: Kommunikation und Körper

    Die AG Queer Studies bleibt jugendlichlich – zumindest bei den Themen. Längst gilt das Thema „Körper“ als zu wichtig, es der Biologie zu überlassen. Wir haben Prof. Dr. Kristina Reiss eingeladen, die in ihrem Vortrag „Kommunikation von Körper: Körper als Schnittstelle sozialer In- und Exklusion bei Jugendlichen“ dessen Kommunikation und Formung reflektieren wird. Kristina Reis ist Juniorprofessorin für Kommunikation in pädagogischen Handlungsfeldern in Oldenburg.

    Die Ausprägung von Körpergefühl, KörperSelbstbild & Handlungspotenzialen Jugendlicher sowie gesellschaftlich geltende Schönheitsnormen sind Resultat kultur- und genderspezifischer Sozialisationserfahrungen. Ein sehr hoher Anteil von – insbesondere weiblichen – Jugendlichen ist mit dem eigenen Körper unzufrieden. Körper(de)formierende Verhaltensweisen im Sinne von BodyModification sind sowohl bei weiblichen als auch männlichen Jugendlichen als Körperpraxen zunehmend verbreitet.
    Dabei sind soziale und genderspezifische Attributionen und Stigmatisierungen im Umgang mit Körper und Körperlichkeit von zentraler Bedeutung. Die Kategorien Schönheit und Attraktivität werden im Kontext sozialer Inszenierung und Modifizierung des Körpers – (un)abhängig von Geschlechtergrenzen – zu existentiellen Maßstäben und werden für Jugendliche zu einem zentralen Kriterium sozialer In- bzw. Exklusionserfahrungen. Dabei stellen sich Fragen der Variabilität bzw. Verschmelzung von Männlichkeit und Weiblichkeit, von Mensch und Technik und weiterer Kategorien, die auf der Folie theoretischer Körperdiskurse diskutiert und hinterfragt werden. Dabei wird erörtert, inwiefern die Konstruktion des Körpers der Konstituierung von (Gender)Identitäten dient, wenn mit dem Körper als variable formbare Größe gehandelt wird. Das Phänomen des Bodyismus, dem Streben und intentionalen Agieren um Perfektionierung und Makellosigkeit des genderisierten Körpers wird dem Wunsch nach Einzigartigkeit und Individualität gegenüber gestellt.
    In pädagogischer Hinsicht zielt die Reflexion der Instrumentalisierung des Körpers auf einen bewusst positiv-reflektierten Umgang mit Körperlich- und Befindlichkeiten und damit auf eine nachhaltige Stärkung sozialer Handlungskompetenzen sowie Förderung gesellschaftlicher Partizipationschancen Jugendlicher.

    Mittwoch 08.07.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

  • Vortrag von Olaf Stuve: Identitätskritische Jungenarbeit und intersektionale Perspektiven

    Wiederum weit über den sprichwörtlichen Elfenbeinturm hinausgehend, haben wir heute Abend Olaf Stuve von Dissens e.V. zu Gast. Dissens e.V. ist ein seit 1989 bestehendes Beratung- Bildungs- und Forschungsinstitut in Berlin, welches pädagogischen Einrichtungen Fortbildungen zum Thema geschlechtsdifferente Pädagogik anbietet.

    In der Debatte um Jungenarbeit hat sich in den letzten Jahren scheinbar so etwas wie ein „pragmatischer Konsens“ herausgebildet, der zum Inhalt hat, dass Jungen in ihrer Jungenrealität erkannt und gefördert werden sollten und dekonstruktivistische Reflexionen, die die Brüchigkeit von Geschlecht beleuchten, hilfreiche Korrekturen darstellen. Damit ist einer Identitätskritik nicht Genüge getan, denn in der Praxis werden allzu gerne individuelle Förderungen mit Re-Maskulinisierungs-stragtegien (Edgar Forster) verwechselt. Ich möchte in dem Vortrag die Identitätskritik in der geschlechterreflektierten Jungenarbeit zum einen erneut stärken und zweitens mit einer intersektionalen Perspektive anreichern.

    Mittwoch 01.07.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

  • Vortrag von Meike Günther: Der Feind hat viele Geschlechter

    „Der Feind hat viele Geschlechter: Körperbilder im Antisemitismus des Nationalsozialismus und Bildungsarbeit“ lautet der Titel des Vortrages am kommenden Mittwoch. Die Referentin Meike Günther (Berlin) ist Diplom Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin.

    Im Antisemitismus des Nationalsozialismus spielen Körperbilder eine wichtige Rolle. In ihnen amalgamisieren sich Rassen- und Klassenkonzeptionen mit heteronormativen Geschlechterkonzeptionen. Keine der Kategorien, die wichtig ist in diesem Gemisch, geht unverändert aus diesem wieder hervor – es entstehen veränderte Normalisierungsdiskurse und Diskriminierungspraxen.

    Beispielhaft wird dies dargelegt anhand des vergeschlechtlichten Antisemitismus und überlegt, welche Konsequenzen für die Bildungsarbeit zu dem Thema sich ergeben könnten.

    Mittwoch 24.06.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

  • Vortrag von Swantje Köbsell: Behinderung und Geschlecht

    Diesen Mittwoch findet unsere zweite Kooperationsveranstaltung mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) statt. Es referiert Swantje Köbsell, Behindertenpädagogin der Universität Bremen, Mitglied der emanzipatorischen Behindertenbewegung und der AG Disability Studies. Bei der Veranstaltung werden Schriftmittler*Innen und DGS-Dolmetscher_innen (Deutsche Gebärdensprache) anwesend sein.

    Behinderung wurde lange Zeit lediglich als physischer Defekt betrachtet; behinderte Menschen galten als geschlechtslos. Die Reduzierung von Behinderung auf individuelle körperliche Merkmale ohne Einbeziehung gesellschaftlicher Dimensionen wurde zunehmend – und in besonderem Maße von behinderten Menschen selbst – als „medizinisches Modell von Behinderung“ kritisiert und durch ein soziales Modell von Behinderung ersetzt. Nach diesem wird Behinderung nun nicht mehr in der individuellen Beeinträchtigung, sondern in der gesellschaftlichen Reaktion darauf verortet. Behinderung wurde jedoch auch hier als scheinbar geschlechtsneutrales Phänomen betrachtet. Gleichzeitig wurde durch den Fokus auf die gesellschaftlichen Dimensionen von Behinderung der Körper zunehmend „unsichtbar“. Behindert-Werden ist kein geschlechtsneutraler Prozess, vielmehr hat das Zusammenspiel von Beeinträchtigung und Geschlecht für Frauen und Männer in vielen Bereichen sehr unterschiedliche Auswirkungen. Mit dem Einbezug der Genderperspektive begann der Körper im Diskurs um Behinderung zumindest mittelbar eine Rolle zu spielen. Direkt thematisiert wurde er kaum, da die Befürchtung bestand, dass man damit denen in die Hände spielen würde, die nach wie vor ein verkürztes, medikalisiertes Verständnis von Behinderung haben. Diese Ignoranz dem beeinträchtigten Körper gegenüber wird inzwischen von Wissenschaftler/inn/en der Disability Studies in Frage gestellt und das Zusammenspiel von Behinderung, Geschlecht und anderen Diskriminierungskategorien zunehmend aus einer intersektionalen Perspektive untersucht.

    Swantje Köbsell
    Behinderung und Geschlecht
    Mittwoch 17.06.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

  • Vortrag von Sophinette Becker: Wie queer sind die realen Subjekte?

    Nach der Pfingstpause wird am kommenden Mittwoch Dr. phil. Sophinette Becker in unserer Vortragsreihe fragen „Wie queer sind die realen Subjekte?“. Sophinette Becker ist Leiterin der Sexualmedizinischen Ambulanz der Uniklinik Frankfurt am Main. Ihr Vortrag war ursprünglich für das vergangene Wintersemester geplant und wird am 10. Juni 2009 nachgeholt.

    Der poststrukturalistische Genderdiskurs hat die Auflösung der Geschlechterdifferenz bzw. das Verschwinden der Geschlechter ausgerufen, mal mit mehr, mal mit weniger revolutionärem Pathos. In der Tat erodiert die binäre diskursive Ordnung der Geschlechter – zugleich existiert sie aber fort, selbst in ihren Zerfallserscheinungen. Auch den extremsten Inszenierungen, Maskeraden, Parodien haftet noch das an, wovon sie sich abstemmen. Diese ‚Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem‘ wird ein Thema des Vortrags sein. Die Potenziale und Grenzen des poststrukturalistischen Genderdiskurses werden unter 4 Aspekten diskutiert: Geht es ganz ohne Ontologie? Geht es ganz ohne Subjekte? Gibt es keinen (geschlechtlichen) Körper jenseits seiner Diskursivierung? Geht es ohne gesamtgesellschaftlichen Bezug? Ob die Queer Theory neben ihrer wichtigen Funktion als Kritik an der heteronormativen Definition von Geschlecht und Begehren auch eine emanzipatorische Lebenspraxis beschreibt, soll am am Beispiel von SM diskutiert werden.

    Sophinette Becker
    Wie queer sind die realen Subjekte?
    Mittwoch 10.06.2009, 19:15, Von Melle Park 5 (”Wiwi Bunker”) 0079

  • Vorankündigung: Vortrag von Swantje Köbsell über Behinderung und Geschlecht

    In der Woche nach Pfingsten ist an der Uni Hamburg traditionell Vorlesungspause. Deswegen findet heute kein Vortrag in unserer Reihe statt. Nächste Woche stehen dafür gleich zwei Termine an. Die Buchpräsentation mit Antke Engel im Centro Sociale am Dienstag und der Mittwochsvortrag mit Sophinette Becker. An dieser Stelle möchten wir Euch aber ausnahmsweise schon einmal auf unsere Veranstaltung in zwei Wochen hinweisen. Anlässlich unserer zweiten Kooperationsveranstaltung mit dem ZeDiS (Zentrum für Disability Studies) spricht Swantje Köbsell am 17. Juni 2009 über Behinderung und Geschlecht. Swantje Köbsell ist Behindertenpädagogin der Universität Bremen, Mitglied der emanzipatorischen Behindertenbewegung und der AG Disability Studies.

    Bei der Veranstaltung werden Schriftmittler_innen und DGS-Dolmetscher_innen (Deutsche Gebärdensprache) anwesend sein!

    Behinderung wurde lange Zeit lediglich als physischer Defekt betrachtet; behinderte Menschen galten als geschlechtslos. Die Reduzierung von Behinderung auf individuelle körperliche Merkmale ohne Einbeziehung gesellschaftlicher Dimensionen wurde zunehmend – und in besonderem Maße von behinderten Menschen selbst – als „medizinisches Modell von Behinderung“ kritisiert und durch ein soziales Modell von Behinderung ersetzt. Nach diesem wird Behinderung nun nicht mehr in der individuellen Beeinträchtigung, sondern in der gesellschaftlichen Reaktion darauf verortet. Behinderung wurde jedoch auch hier als scheinbar geschlechtsneutrales Phänomen betrachtet. Gleichzeitig wurde durch den Fokus auf die gesellschaftlichen Dimensionen von Behinderung der Körper zunehmend „unsichtbar“. Behindert-Werden ist kein geschlechtsneutraler Prozess, vielmehr hat das Zusammenspiel von Beeinträchtigung und Geschlecht für Frauen und Männer in vielen Bereichen sehr unterschiedliche Auswirkungen. Mit dem Einbezug der Genderperspektive begann der Körper im Diskurs um Behinderung zumindest mittelbar eine Rolle zu spielen. Direkt thematisiert wurde er kaum, da die Befürchtung bestand, dass man damit denen in die Hände spielen würde, die nach wie vor ein verkürztes, medikalisiertes Verständnis von Behinderung haben. Diese Ignoranz dem beeinträchtigten Körper gegenüber wird inzwischen von Wissenschaftler/inn/en der Disability Studies in Frage gestellt und das Zusammenspiel von Behinderung, Geschlecht und anderen Diskriminierungskategorien zunehmend aus einer intersektionalen Perspektive untersucht.

    Swantje Köbsell
    Behinderung und Geschlecht
    Mittwoch 17.06.2009, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079