Kategorie: Vortragsreihe

  • Vortragseinladung 2012-05-02: Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?

    Hanna Meißner
    Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?
    Mittwoch, 02.05.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Dr. Hanna Meißner kommt vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU zu Berlin. Sie arbeitet geradezu an einem Kerstück queerer Theorie, der Frage nach dem Subjekt:

    Aus dem Vortragsabstract

    Subjektkritik ist ein wichtiges Moment queerer Theorien, die damit das Vermächtnis der sich durch das 20. Jahrhundert ziehenden Krise des autonomen, vernunftbegabten Subjekts aufnehmen. Was bedeutet aber eine solche Subjektkritik? Zielt sie darauf, dass es ein autonomes Subjekt nie gegeben hat? Oder geht es darum, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse so verändert haben, dass es nun (in der ‚Postmoderne’) kein autonomes Subjekt mehr gibt? Und welche Konsequenzen hat die fundamentale Infragestellung des autonomen Subjekts für (queere) Politik? Wie lassen sich Kritik- und Handlungsfähigkeit, wie lässt sich Verantwortung denken, ohne dass ein vorgängiges, intentionales Subjekt vorausgesetzt wird? Um diese Fragenkomplexe anzugehen, scheint es mir sinnvoll, Judith Butlers Hinweis aufzunehmen, dass etwas (fundamental) in Frage zu stellen nicht heißen muss, es als Irrtum oder als unwirklich zu verwerfen: Das (autonome) Subjekt ist zugleich phantasmatische Gestalt und wirkmächtige Realität. Anhand der Arbeiten von Butler, Foucault und Marx skizziere ich zunächst Bedingungen einer historischen Konstellation, in der Autonomie (als Verleugnung fundamentaler Abhängigkeiten) eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit darstellt. Dann gehe ich darauf ein, inwiefern eine Kritik, die an der Gewaltsamkeit dieser Verleugnung ansetzt, eine immanente Kritik ist; eine Kritik, die konstitutiv in den Bedingungen verhaftet ist, gegen die sie sich richtet. Gayatri Spivak und Donna Haraway aufgreifend ließe sich sagen, dass das autonome (menschliche) Subjekt etwas ist, was ‚wir’ nicht nicht begehren können – und dennoch kritisieren müssen.

  • Vortragseinladung 2012-04-25: trans*inter*phobie

    Ines Pohlkamp
    Täuschend echt?! Zum Gewicht der Illusion im Feld trans*inter*feindlicher Diskriminierung und Gewalt
    Mittwoch 25.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Weitersagen!

    Transphobie hat viele Gesichter: Eine Seminarteilnehmerin berichtet von den Erfahrungen eines Freundes: „Der hat die schöne Frau geküsst. Und dann hatte die einen Penis!“ Alle anderen im Raum lachen. Einer ruft: „Aber man will doch wissen, mit wem man ins Bett geht.“

    Aus Bremen kommt Ines Pohlkamp, Referentin für queer-feministische Mädchenarbeit, intersektionale Bildung, Forschung zu heteronormativer Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*Personen, welche auch Kriminologie studiert hat und aus ihrem Promotionsthema referiert.

    Im Vortrag „Täuschend echt?!“ fragt Ines Pohlkamp nach der Bedeutung von ‚Echtheit‘ und der ‚Falschheit‘ von Geschlecht im Feld der Diskriminierung und Gewalt. Die Referentin lädt zur Reflexion über diskursmächtige „täuschend echte“ Phänomene der Zweigeschlechtlichkeit ein und präsentiert Ergebnisse aus ihrer qualitativen Studie zur Trans*Inter*feindlichen Diskriminierung und Gewalt. Anhand von ausgewähltem Interviewmaterial mit geschlechtlich nonkonformen Personen wie Transgender, Crossdresser_innen oder intersexuellen Personen veranschaulicht sie die zentrale Stellung des Stereotyps der „Täuschung“ (Talia M. Bettcher). Mit Hilfe ihrer Ergebnisse hinterfragt sie das Phänomen geschlechtlicher Authentizität.

  • Vortragseinladung 2012-04-18: Roma und Sinti in Europa

    Verena Spilker
    Roma und Sinti in Europa : zwischen Romantisierung und
    Ausgrenzung
    Mittwoch 18.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Weitersagen!

    Aus Berlin kommt Verena Spilker, Ethnologin, sowie freie Redakteurin und Mitarbeiterin bei Amaro Drom e.V.; sie referiert über folgendes:

    Roma, Sinti und andere als „Zigeuner“ diskriminierte Gruppen leben seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt und trotzdem hat die Mehrheitsbevölkerung oft nichts als Vorurteile und stereotype Bilder im Kopf. In der Ukraine, wo ich zwei Jahre lang in unterschiedlichen Roma-Gemeinschaften gelebt habe, konnte ich das in jedem einzelnen Gespräch feststellen, das ich mit den Menschen der Mehrheitsbevölkerung dort führte. Und auch hier in Deutschland werde ich immer wieder mit den unterschiedlichsten Fragen konfrontiert: Wo kommen diese Vorurteile her? Wie ist die Situation für Roma und Sinti in Europa heute, und welche gesellschaftlich-historischen Entwicklungen haben dazu geführt? Welche Bezeichnungen sind politisch korrekt? Dies und warum das Problem bei der Mehrheitsbevölkerung und nirgendwo anders liegt, möchte ich gerne an ausgewählten Beispielen erläutern und anschließend diskutieren.

  • Vortragseinladung 2012-04-11: Reproduktions- und Biotechnologien

    Ute Kalender
    Körper von Wert. Eine queer-feministische und politisch-ökonomische Perspektive auf Reproduktions- und Biotechnologien
    Mittwoch 11.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Bei diesem Vortrag werden Schriftmittler*innen anwesend sein – weitersagen

    Aus Berlin ist am Mittwoch Dr. Ute Kalender in unserer Vorlesungsreihe zu Gast, z.Zt. am DFG Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“, wo Sie am Forschungsprojekt zu Biological Citizenship arbeitet. Sie referiert zu folgendem Thema:

    Transgender- und Queertheoretiker_innen schreiben Reproduktionstechnologien in der Regel ein ‚transgenderes’ oder ‚queeres’ Potential zu: Reproduktionstechnologien könnten die heteronormative Ordnung von reproduktivem Geschlechtskörper, reproduktiver Geschlechtsidentität und reproduktivem Begehren unterwandern und heteronormative Formen von Elternschaft und Verwandtschaft durcheinander bringen. Dieses queere Potential bildet den Ausgangspunkt meines Beitrages. Im ersten Teil sollen die queeren Möglichkeiten herausgearbeitet und eine Kritik an den diskriminierenden und ausschließenden Aspekten zeitgenössischer deutscher Biopolitik formuliert werden. Der zweite Teil nimmt die problematischen Momente der Technologieverständnisse in Transgender- und Queerbeiträgen in den Blick. Dazu soll auf postfordistische Feminismen und kritische Disability Studies rekurriert werden. Während erste auf das Entstehen neuer Akkumulationsregime samt neuer Arbeitsformen – der sogenannten regenerativen Arbeit – hinweisen, legen die kritischen Disability Studies nicht nur avancierte Analysen heutiger neo-eugenischer Praktiken vor, sondern haben auch auf die kapitalistische Geschichte der Normalisierung hingewiesen. Vor diesem Hintergrund soll gefragt werden, wie Schlüsselbegriffe queer-feministischer Ökonomiekritik (z.B. sexuelles Arbeiten) justiert werden könnten und ob das queere nicht auch ein queerfeindliches und transphobes Potential bedeutet – wie etwa im Fall von Sex Selection oder dem sogenannten Family Balancing.

  • Vortragseinladung 2012-04-03: Einführung

    AG Queer Studies
    Einführung
    Mittwoch 03.04.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Am Mittwoch geht es los: Wir starten in ein neues Semester. Dieses mal mit einer funkelnagelneuen Einführung:

    Was bedeutet Queer? Eine möglichst allgemein verständliche Einführung in die theoretischen Hintergründe unseres Zuganges zu Queer und warum wir die beständige Politisierung des Begriffes für zentral halten? Kann es das geben? Woher nehmen, wenn nicht stehlen und ohne sich ständig zu wiederholen? Wir haben es gefunden! Auf einer Podiumsdiskussion in Leipzig zum Paranoid Paradise Filmfestival im Juli 2011. Dort ging es genau um die Erläuterung des Queerbegriffs aus verschiedenen Blickwinkeln: gender, race und class. Sprechen werden – in Anwesenheit, aber nicht live – Do. Gerbig und – in Abwesenheit – Nadine Lantzsch, die dieses Semester aber noch selbst in der Vorlesungsreihe zu erleben sein wird, sowie Franziska Rauchhut, die wir dann hoffentlich bald ebenfalls in persona begrüßen können.

  • Bitte um Feedback zu DGS-Vorträgen und Vorschau auf das Sommersemester

    Für unsere Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ an der Uni Hamburg stehen uns zwar Gelder für DGS-Dolmetscher_innen zur Verfügung, diese reichen aber leider nicht, um bei jedem Vortrag Dolmetscher_innen dabeizuhaben. Darum wüssten wir gerne, welche unserer Vorträge euch, falls ihr DGS gebärdet, besonders interessieren.

    Wir würden uns daher sehr freuen, wenn ihr uns bis zum 28.2.2012 eine Mail an queer.aghh (aett) gmx.de mit den Vorträgen schreibt, die ihr/Sie gerne besuchen würdet. Ihr könnt auch direkt hier auf der Seite ein Kommentar hinterlassen. Vielen Dank im Voraus für eure Mithilfe und auch für’s Streuen unserer Frage in die entsprechenden Kanäle!

    Folgende Vorträge sind für das Sommersemester geplant:

    Die Vorträge finden Mittwochs von 19 Uhr bis 21 Uhr (c.t.) im Raum 0079, Von-Melle-Park 5 („WiWi-Bunker“) auf dem Campus der Uni Hamburg statt.

    04.04.2012
    Einführung in das Semesterprogramm und Organisatorisches
    AG Queer Studies, Universität Hamburg

    11.04.2012
    Körper von Wert. Eine queer-feministische und politisch-ökonomische
    Perspektive auf Reproduktions- und Biotechnologien

    Dr. Ute Kalender, Kulturwissenschaftlerin, Berlin, DFG
    Graduiertenkolleg Geschlecht als Wissenskategorie, Forschungsprojekt
    zu Biological Citizenship

    18.04.2012
    Roma und Sinti in Europa – zwischen Romantisierung und Ausgrenzung
    Verena Spilker, M.A., freie Redakteurin und Amaro Drom e.V.
    Mitarbeiterin aus Berlin

    25.04.2012
    Täuschend echt?! Zum Gewicht der Illusion im Feld
    trans*inter*feindlicher Diskriminierung und Gewalt.

    Ines Pohlkamp, Bremen, Referentin für queer-feministische
    Mädchenarbeit, intersektionale Bildung, Forschung zu heteronormativer
    Diskriminierung und Gewalt gegen Trans*Inter*Personen

    02.05.2012
    Jenseits des autonomen (menschlichen) Subjekts?
    Dr. Hanna Meißner, TU Berlin,
    Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung

    09.05.2012
    Begehren, Gewalt und die Krisen des ‚unmarkierten Geschlechts‘.
    Zugänge einer kritischen Männlichkeitsforschung

    Paul Scheibelhofer, Promovent am Gender Studies Department der Central
    European University, Budapest

    16.05.2012
    Theorie und Praxis – doch weit voneinander entfernt? Feministische
    Bewegung aus intersek-tionaler Perspektive am Beispiel der Slutwalks

    Nadine Lantzsch, M.A. Gender & Diversity Kompetenz, feministische
    Aktivistin und freie Autorin, Berlin

    23.05.2012
    ‚Maskulismus‘ – Abwehrmechanismen komplizenhafter Männlichkeit
    Andreas Kemper, Soziologe (M.A.), Verein Zabiba, Münster

    06.06.2012
    Sowohl als auch. Überraschende und altbekannte Geschlechterentwürfe in
    der Epigenetik und Molekularbiologie

    Dipl. Biol. Bärbel Mauss, Leitung des Studienprogramms „Gender Studies
    in den Ingenieurwissen-schaften. Technik – Wissenschaft – Praxis“ am
    ZIFG, TU-Berlin.

    13.06.2012
    Zur Verflechtung von Heteronormativität und Rassismus – eine
    ethnographische Annäherung

    Dr. Urmila Goel, Berlin

    20.06.2012
    Sehnsucht nach Ontologie? Zur Kritik des ‚material feminism‘
    PD Dr. Susanne Lettow, Philosophin, Gastprofessorin am Institut für
    Philosophie der FU Berlin

    27.06.2012
    (Un-)wirklichkeiten von (A-)Sexualität
    Dipl.-Soz. Judith Scheunemann, AG Queer Studies,
    Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Uni-versität Kassel

    04.07.2012
    „100% Bio-Zwitter“. Intersex-Aktivismus zwischen Biologismus,
    Menschenrechtsdebatten und Dekonstruktion

    Dr. phil. Kathrin Zehnder, Soziologin, Universität Zürich,
    ethnologisches Seminar

    11.07.2012
    „Johnny, are you queer?“ Chor-Vortrag-Performance
    Die polyphonen Knabenchorschwuchteln, Hamburg

  • Vortragseinladung 2012-02-01: Blessless/Didine

    Didine van der Platenvlotbrug, Blessless Mahoney
    Authentizität vs. Karaoke – Mehr kontrafaktisches Unwissen für eine neue, sanskritische Kultur des hekubatischen Missverstehens. Oder: Der Weg ist der Weg!
    Mittwoch 01.02.2012, 19:15, Von Melle Park 6 („Philturm“) Hörsaal F

    ACHTUNG:
    Abweichend von der restlichen Vorlesungsreihe findet dieser Vortrag in Phil F statt.

    Didine van der Platenvlotbrug, Pröpstin der Elsa-Sophia-von-Kamphoevener-Fernuniversität, Katzen-Ellenbogen & Blessless Mahoney, Dekanin der Eberhardt-Anbau-Scheibenschwenkpflug-Universität, Brake an der Weser präsentieren uns zum Abschluß des Wintersemesters ein weiteres mal ihre bahnbrechenden Erkenntnisse.

    Diesmal geht es kämpferisch, ja emanzipatorisch zu, wenn die beiden Professorinnen der Beredsamkeit ihre zärtlich explorierten Wissenswattebäusche zu handlichen Gehwegplatten formen und trittsicher, schrittfrisch forschen Schrittes voranschreiten ins Walhalla des Zen, um die siebenköpfige Amygdala der Erkenntnis zu melken. Das geneigte Auditorium kann am Ende einen Tunnel von Licht sehen und die zersplitterten Realitäten werden neu und wieder zusammengesetzt, denn wir forcieren gemeinsam die Emergenz des Queeren

  • Vortragseinladung 2012-01-25: Intersex

    Michaela
    Umgang von Medizin und Gesellschaft mit intersexuellen Menschen
    Mittwoch 25.01.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Michaela ist Ärztin aus Halle und referiert zu folgendem Thema:

    Intersexualität mag inzwischen mehr Menschen theoretisch bekannt sein, verbessert hat sich der Umgang mit den Betroffenen bis heute wenig. Auch heute noch übt die Medizin in „fortschrittlichen“ Ländern mit Skalpellen und anderen Instrumenten Gewalt gegen intersexuelle Menschen aus, sobald sie ihrer habhaft werden kann. Diese Behandlungen ohne medizinische Notwendigkeit dienen nicht dem Kindswohl, sondern mutmaßlichen oder auch nur eingebildeten Bedürfnissen nicht-intersexueller Menschen. Die lebenslangen Folgen für die Betroffenen können unter anderem Schmerzen, Verlust der sexueller Empfindungsfähigkeit, und schwere körperliche Schäden beinhalten; erschwerend tritt eine Traumatisierung ein, besonders wenn Betroffenen gegenüber geschwiegen oder gelogen wird, was jahrzehntelang als „Standard“ galt.

    Ungeachtet des Ausmaßes an Menschenrechtsverletzungen, wie es ein erheblicher Anteil der Betroffenen erlitten hat, erschrecken auch die Zahlen derer, die vermeintlich „glimpflich“ davon gekommen sind, zumal sich viele anscheinend nicht der Zusammenhänge bewußt sind; sie neigen dazu, die Ursache für körperliche und seelische Probleme bei sich und ihrem angeborenen So-Sein zu suchen, statt bei den Tätern im Medizinsystem. Intersexualität wurde von Gesellschaftswissenschaftlern und politischen Organisationen anderer Zusammenhängen zwar entdeckt und angeführt, aber statt sich mit den Zwittern gegen die Zwangsoperationen und -behandlungen zu solidarisieren, ging es um die Interessen anderer Gruppen, bisweilen wurden sogar „Mittäter“ als „Experten“ herangezogen.

    Da ja intersexuelle Menschen gar nicht so selten sind, kommen sie auch in lesbischen oder „queren“ Zusammenhängen vor; der tatsächliche Umgang mit ihnen sollte an Offenheit und Akzeptanz gewinnen.

  • Vortragseinladung 2012-01-18: Verkörperte Intelligenz

    Claude Draude, Thorsten Kluß
    Unmögliche Körper? Von der Hülle des Denkens zur verkörperten Intelligenz. Ein Paradigmenwechsel
    Mittwoch 18.01.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Da der Körper viel zu wichtig ist, ihn den Biologist*innen oder Binariäten zu überlassen, freuen auf den Vortrag von Claude Draude (M.A. der Kulturwissenschaft, Arbeitsgruppe Soziotechnische Systemgestaltung) und Thorsten Kloß (Dipl.Psychologe mit Schwerpunkt Kogitive Neurowissenschaft, Institut für Hinrforschung), vom FB Informatik der Universität Bremen. Sie referieren zu folgendem:

    Die Informatik scheint auf den ersten Blick kein Wissenschaftsfeld zu sein, in dem der Körper eine besondere Rolle spielt. Dies gilt im besonderen für das Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Deren Anfänge waren von Zukunftsvisionen geprägt, die die Unsterblichkeit des Geistes und die Überwindung des biologischen Lebens vorhersagten. Dem cartesianischen Paradigma der Körper-Geist-Trennung folgend, spielte der menschliche Körper eine untergeordnete Rolle und wurde allenfalls als Trägermaterial für Informationen verstanden, die zu intelligentem Verhalten führen sollten. Zeitgleich zum Körperboom in den Kulturwissenschaften ist Embodiment heute jedoch ein wichtiger Begriff, wenn es um neue intelligente Systeme, assistive Technologien und soziale Roboter geht. In unserem Vortrag gehen wir der Frage nach, was es bedeutet, wenn nun Körper in Bereiche der Wissenschaft einziehen, die lange Zeit nur den reinen Geist und die abstrakte Mathematik von eben jeder Körperlichkeit abtrennten. Hierzu bringen wir Geschlechterforschung und Kognitionswissenschaft miteinander in Dialog und diskutieren, ob diese Körperkonzepte tatsächlich einen Paradigmenwechsel in der Forschung oder lediglich die Rückkehr zum Determinismus der Biologismen unter veränderten Vorzeichen darstellen. Anhand von Beispielen und Verfahren aus der angewandten Künstlichen Intelligenz fragen wir nach Praktiken der Re- und Dekonstruktion heteronormativer Geschlechterkörper im Labor.

  • Vortragseinladung 2012-01-11: SexarbeiterInnen (+DGS)

    Gudrun Greb, Kathrin Schrader (ragazza e.V. Hamburg)
    „Die Würde ist unantastbar und das ist auch so“
    Vom Überlebenskampf und alltäglichen Grenzverletzungen Drogengebrauchender SexarbeiterInnen
    Mittwoch 11.01.2012, 19:15, Von Melle Park 5 („Wiwi Bunker“) 0079

    Der Vortrag wird in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt; weitersagen

    Ragazza ist eine niedrigschwellige und akzeptierende Kontakt- und Anlaufstelle mit einem integrierten Gesundheitsraum/Konsumraum und bietet Hilfen für Frauen, die Drogen konsumieren und der Prostitution nachgehen. Mehr Informationen auf http://www.ragazza-hamburg.de/

    Für diesen Verein haben wir Mittwoch deren Geschäftsführerin Gudrun Greb und Kathrin Schrader, Promovendin an der Technischen Universität
    Hamburg-Harburg zum Thema Handlungsfähigkeit zu Gast, über Folgendes zu referieren:

    In ganz unterschiedlicher Weise erzählen Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen von ihrer persönlichen „Abhärtung“, die es ihnen ermöglicht, überleben zu können. Entweder sie sehen sich als „Härtefall“ oder sie negieren existentielle Bedürfnisse, um den Schmerz und die Verletzung nicht spüren zu müssen. Der Konsum von Drogen wird offensichtlich als die einzige zuverlässige Hilfe und Unterstützung wahrgenommen, um den Schmerz und die erlebten Traumata zu bewältigen, weil kein Auffangnetz existiert. „Drogenprostituierte“ sind als Junkiehuren, Abhängige, Kranke und Krankheit verbreitende, unprofessionell arbeitende Prostituierte stigmatisiert. Die Stigmata verschränken sich mit einer restriktiven und punitiven Struktur. Das hat eine verheerende Wirkung auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen, sie werden kriminalisiert und sind nicht mehr als handlungsfähige Subjekte erkennbar. Inwieweit diese Zuschreibungen und Bilder ihrem Alltag und Selbstverständnis entsprechen, welche Auswirkung die repressive Politik in Hamburg auf Drogengebrauchende Sexarbeiterinnen hat, wird im Vortrag diskutiert.