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Programm Ringvorlesung “Jenseits der Geschlechtergrenzen” Sommersemester 2021

13.06.2021 Von: Marc Kategorie: Uncategorized

26.05.21: Telling anger – Feministische Emotionen und Emotionen im Feminismus (Leslie Debus)

Während der Mainstream wissenschaftlicher Forschung die Bedeutung von Emotionen lange Zeit vernachlässigt hat, haben feministische Wissenschaftler:innen vermehrt darauf geachtet, was Emotionen uns sagen können. Aber was passiert, wenn wir Emotionen wirklich zuhören? Dieser Vortrag wird einige Einblicke geben, wie man sich Emotionen nähern kann und welche Art von (marginalisiertem) Wissen in ihnen enthalten sein könnte.

02.06.21: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auf YouTube – aktivistische Wissensgenerierung, -vermittlung und -kommunikation  in den Gender und Queer Studies (Annika Spahn)

Auf YouTube hat sich in den vergangenen Jahren ein eigenes Genre von queeren Video-Essays herausgebildet, z.B. von den Creator*innen ContraPoints, PhilosophyTube und Rowan Ellis. Diese rezipieren und kommunizieren nicht nur wissenschaftliche Literatur, sondern schaffen auch eigenes Wissen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Diskriminierungsmechanismen, Geschlechterverhältnisse usw. und geben wichtige Impulse für die Forschung und Theoriebildung zu Sexualität und Geschlecht. In diesem Vortrag wollen wir uns diesen Videoessays widmen und fragen, welche Bedeutung sie für die Gender und Queer Studies haben (können). 

09.06.21: Vom Kümmern, Kummer und der Kleinfamilie. Feministische Familienkritik & Elternschaft heute. (Alicia Schlender)

Welche Rolle spielt die Kleinfamilie oder die Norm der 40-Stunden-Woche eigentlich dabei, geschlechtsbezogene Ungleichheit und die gesellschaftlichen Idealbilder bestimmter Elternrollen immer wieder zu erzeugen? Im Vortrag werden die (Un-)Möglichkeiten gleichberechtiger(er) Elternschaft beleuchtet und wir gehen der Frage nach, wie Familie feministisch gedacht und gelebt werden kann, um die Perspektiven auf mögliche familiäre Lebensentwürfe zu erweitern.

16.06.21: Femmefeindlichkeit in queeren Kontexten (Jana Haskamp)

Menschen, die emotional sind, sich um andere kümmern, keine maskulinen oder androgynen Szene-Normen erfüllen, Make-up und Style zelebrieren oder andere feminin konnotierte Praktiken nutzen, werden in queeren und feministischen Bewegungen dafür zum Teil negativ bewertet, ignoriert, nicht ernst genommen oder ausgegrenzt. Viele Femmes machen die Erfahrung, dass ihnen Heterosexualität, eine unpolitische Haltung oder die Reproduktion von sexistischen Normen zugeschrieben wird. Dabei lässt sich die Wiederaneignung von Praktiken, die als feminin gelten und deshalb abgewertet werden, auch als queer, feministisch und widerständig deuten.

23.06.21: Black Brazilian Feminisms’ contributions to transnational feminism (Allyne Andrade e Silva)

And discuss the contributions of the black Brazilian feminist movement to transnational feminism. The presentation highlights strategies that activists in the black women’s movement have used to challenge racism and sexism and the impact of their efforts vis-à-vis the black movement and women’s movement as well as the Brazilian state. We are eager to discuss their experience and knowledge of transnational border-crossing practices; agency and resistance in global perspective; decolonization of theory, knowledge, and practice; egalitarian collaboration and alliance building; theories and practices that support critical consciousness, law and social change.

30.06.21: “We’re here, we’re queer” Wie Jugendliche sich selbst als queer bezeichnen  (Folke Brodersen)

‚Queer‘ ist ein derzeit in aller Munde – Sportvereine, Philosophie und Politik ist queer. Was es heißt, wenn sich Jugendliche gegenwärtig selbst als ‚queer‘ bezeichnen und was sie damit meinen, diskutiert der Vortrag. Zwischen identitärer Zugehörigkeit und heterogener Inklusivität sowie zwischen politischem Ausbruch und der Forderung nach Anerkennung in heteronormativen Ordnungen entsteht ‚queer‘ dabei als in sich verbundene, komplexe Erfahrung, die politisch, lebendig und engagiert ist.

07.07.21: „Gute Nacht, träum queer“ (Rilando June Lamadjido)

Als ein Teil ihrer dekolonisierenden Arbeit erstellt Rilando June Lamadjido als Kuratorin für Vermittlung und Bildung im MARKK (Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt) unterschiedliche Vermittlungsprojekte, in denen Kinder und Jugendliche über Queer-Geschichte lernen können. Warum fokussiert auf Kinder und Jugendliche? Warum in einem ethnografischen Museum? Anhand des Projekts “Gute Nacht, träum queer” spricht Rilando June Lamadjido über die zentrale Rolle eines ethnografischen Museums in der Vermittlung von Queer-Geschichte an junges Publikum.

News zur Vernetzung: Queering Academia und unser Statement

21.02.2020 Von: Marc Kategorie: Uncategorized

Liebe Freund*innen der AG Queer Studies und “Jenseits der Geschlechtergrenzen”,

wir haben uns nun mit Studierenden, Gremien, Solidarischen und Interessierten vernetzt und daraus ist das Aktionsbündnis “Queering Academia” entstanden. Gemeinsam wollen wir für mehr Gender und Queer Studies in Hamburg kämpfen und im kommenden Semester auch wieder Veranstaltungen organisieren! Bald soll es auch einen Mail-Verteiler von Queering Academia geben, wo ihr neben diesem Blog auch weitere Infos erhalten könnt. Stay tuned! Im folgenden Statement könnt ihr unsere Kritik an der derzeitigen Situation und unsere Forderungen nachlesen:

Statement zur aktuellen Situation der Gender und Queer Studies in Hamburg von Queering Academia

Kampf ums Zentrum GenderWissen

Die Gender und Queer Studies in Hamburg wurden in den letzten Jahren massiv zurückgedrängt. Aktuell ist eine der letzten Strukturen bedroht, die den Zugang zu queer-feministischer Wissenschaft erhalten hat: Das Zentrum GenderWissen. 

Die zuständige Landeshochschulkonferenz Hamburg verschleppt seit über einem Jahr systematisch die Nachbesetzung der Leitungsstelle des Zentrums. Dadurch sind schon jetzt wesentliche Tätigkeitsbereiche des Zentrums eingestellt worden: So gab es zum ersten Mal seit mindestens 30 Jahren kein hochschulübergreifendes Vorlesungsverzeichnis (Lehrtableaus), welches für gewöhnlich alle Lehrangebote der acht beteiligten Hochschulen zum Thema „Gender & Queer Studies“ und „Intersektionalität & Diversity“ zusammenführte und so für alle zugänglich machte. Nachdem der Nebenfachstudiengang „Gender und Queer Studies“ weggekürzt wurde, konnten Studierende wenigstens noch hochschul- und fächerübergreifend zu den Schwerpunkten “Genderkompetenz” und “Intersektionalität & Diversity” studieren. Auch diese Form des Studierens ist aufgrund der fehlenden Nachbesetzung zurzeit nicht mehr möglich. Derzeit ist der hochschulübergreifende Zugang zu Informationen über die verbliebenen Lehrveranstaltungen stark eingeschränkt, denn diese sind den Studierenden nicht mal über ihre Vorlesungsverzeichnisse einsehbar. 

Die De-Facto-Außerkraftsetzung dieser genderwissenschaftlichen Institution ist aber nur das jüngste Glied in einer Kette der systematischen Aushöhlung und Verdrängung der Gender und Queer Studies durch die Hamburger Hochschulen und die Stadt – ein Phänomen, das nicht nur in Hamburg, sondern auch parallel in zahlreichen weiteren Städten zu beobachten ist. So wurden aus dem hochschulübergreifenden Vorlesungsverzeichnis innerhalb der letzten zehn Jahre 50% der Gender- und Queer-Veranstaltungen weggegekürzt. Gepaart mit der Tatsache, dass entsprechende Professuren nicht nachbesetzt, Studiengänge abgeschafft und die Finanzierung weiter entzogen wurden, führt dies alles dazu, dass die Gender und Queer Studies heute extrem fragmentiert und geschwächt sind. Die wenigen Lehrveranstaltungen, die es jetzt noch gibt, werden zum Großteil unter enorm prekären Bedingungen über Lehraufträge so von den Hochschulen ausgelagert. Den Lehrenden kommt weder eine sichere Anstellung noch Mittel zur Forschung oder Publikation noch eine annähernd akzeptable Bezahlung zu.

Der systematische Abbau der Gender und Queer Studies steht dabei im Gegensatz zu den vermeintlichen Positionen des Senats und der Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Katharina Fegebank, die 2017 schreibt: 

„Der Senat hält daran fest, dass Gender Studies, gleichstellungssensible Methodik und Didaktik die Qualität des Studiums […] positiv beeinflussen. […] Gender Studies ermöglichen zum einen, Geschlechterunterschiede sowie damit verbundene Diskriminierung und ihre Ursachen zu erkennen und Maßnahmen dagegen zu entwickeln. Zum anderen bieten sie durch ihren interdisziplinären Ansatz Studierenden aller Fächer die Möglichkeit, sich mit Genderforschung im Allgemeinen und Genderaspekten im eigenen Fachbereich auseinanderzusetzen. […] Der Senat befürwortet und unterstützt das Engagement des Zentrums [GenderWissen], der gemeinsamen Kommission und der Hochschulen in diesem Bereich“ (Quelle: Fortschreibung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, S. 39-41). 

Weiter kritisieren wir, dass das Zentrum GenderWissen in seiner Neukonzeption seine Autonomie als wissenschaftliche und kritisch-feministische Einrichtung verliert. Nach bisherigen Plänen soll das Zentrum zukünftig verwalterisch der Gleichstellungsbeauftragten der UHH unterstellt werden und damit indirekt auch dem Präsidenten der Uni, welcher sich aktiv gegen gendergerechte Sprache einsetzt und keine Ambitionen zeigt, kritische Wissenschaften im Bereich Gender und Queer Studies zu unterstützen.

Als neue Serviceeinheit soll es vermehrt zum Bereich “Diversitymanagement” arbeiten und den Hochschulen lieber Tipps zur Symptombekämpfung von Diskriminierung liefern, als die wissenschaftliche Erforschung von Ursachen und Überwindungsmöglichkeiten zu stärken. Damit geht eine inhaltliche Verschiebung der Arbeit einher: anstatt aus einer machtkritischen und intersektionalen Perspektive die Verflechtungen von Ungleichheitsdimensionen zu ergründen und zu beforschen, wird es in Zukunft eher darum gehen, das (nicht unkritisch zu betrachtende) Konzept des Diversity Managements in den Personalstrukturen der Hochschulen zu etablieren. 

Wir sprechen uns daher für eine klare Trennung zwischen den verwalterischen Aufgaben der Gleichstellungsstellen der Universitäten und dem autonomen Forschungs- und Bildungsauftrag des Zentrums aus. 

Wenngleich die Zuständigen aller beteiligten Hochschulen auch vorgeben, man wolle das Zentrum GenderWissen unbedingt erhalten und eine Neubesetzung stehe quasi kurz bevor, meinen wir, die Praxis spricht eine andere Sprache. Eine Mitgestaltung der Neubesetzung und des inhaltlichen Schwerpunkts wird den Studierenden, Lehrenden und Angestellten konsequent vorenthalten. Selbst mit einer Ausschreibung der Stelle ist nicht sicher, dass der kritische Anspruch des Zentrums erhalten bleibt. Die Stadt und die Hochschulen zerstören beinah systematisch genderwissenschaftliche Strukturen und spielen damit rechten Kräften in die Hände. Der Anspruch einer nachhaltigen Wissenschaft, die interdisziplinär gestaltet und an den Fragen unserer Zeit dran ist, gilt anscheinend nicht mehr, sobald es um Gender und Queer Studies geht.

Mit Gender und Queer Studies gegen rechte Unterdrückungsverhältnisse

In Zeiten des globalen Rechtsrucks sind Positionierung sowie ein Programm gegen diese Entwicklung dringend notwendig. Ein rechts-konservatives Weltbild schließt die Gegner*innenschaft zur Genderforschung zentral mit ein. Die Gender und Queer Studies werden vielerseits als Ideologie und Verschwörungstheorie beschimpft. Mit diesen Denunzierungsstrategien versuchen die Rechten unseren diversen politischen Bedürfnissen die Legitimität abzusprechen. Besonders die AfD, deren Gründer unter Polizeischutz mit horrenden Kosten an der Universität lehren darf, greift auf Veranstaltungen, in Parteiprorammen und mit Facebook Posts immer wieder die Gender-Debatten an. Dass die Rechten gegen eine queer-feministische Wissenschaft organisieren und aktiv sind, zeigt sich auch daran, dass beispielsweise die genderwissenschaftliche selbstorganisierte Veranstaltungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ und diverse Gleichstellungsinstitutionen der Hamburger Hochschulen mit kleinen Anfragen der AfD zu kämpfen haben. Dieses parlamentarische Mittel soll die Kapazitäten der Aktiven binden, sie unter Generalverdacht stellen und Wissen an die Rechten vermitteln(in den Anfragen geht es meist um Finanzen, also wieviel dafür ausgegeben wird), welches sie für den Kampf gegen die Akteur*innen von kritischer Wissenschaft und queer-feministischer Bildung verwenden können. Zur politischen Strategie rechter Akteur*innen gehört es, Gendermainstreaming als Horrorszenario darzustellen, welches die vermeintlich „heile Welt der traditionellen Familie“ auch durch die Anerkennung von mehr als zwei Geschlechtern abschaffen wolle. Ein kritisches Verständnis von Geschlecht, Gender und Sexualität wird in einem konservativen Kontext strategisch bekämpft, da in diesen Kreisen kontinuierlich versucht wird, gewalttätige Strukturen der Unterdrückung mit veralteten naturalistischen Argumenten zu rechtfertigen und aufrecht zu erhalten. 

Hierin spiegelt sich, dass es eben genau dieses kritische Wissen braucht, um Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse zu untersuchen, zu verstehen und zu überwinden. Wenn jetzt vermeintlich liberale Akteur*innen wie die Stadt und die Hochschulen die Orte dieser Wissensproduktion schwächen und einsparen, dann unterstützen sie damit die gesellschaftliche Rechte. Besagte Akteur*innen könnten jedoch z.B. durch den Ausbau der Gender und Queer Studies an den Hochschulen genau diesen rechten Strukturen entgegenwirken. Schwächung und Einsparungen sowie ein vermeintlich neutraler Standpunkt sind hier klar kontraproduktiv. Gesellschaftliche Hierarchien und Unterdrückungen können nicht durch Desinteresse an kritischer Wissenschaft, die über einen patriarchalen Blick hinausgehen, bekämpft werden. Wie aber kann eine Antwort auf diese versuchte gesellschaftliche Zuspitzung der nach wie vor bestehenden multidimensionalen Ungleichheiten aussehen? 

Audre Lorde sagt hierzu: „For the master’s tools will never dismantle the master’s house“ (Lorde, Audre 2019: The Master’s tools will never dismantle the Master’s house, S.19). Die ökonomischen, sozialen und ökologischen Verhältnisse müssen in ihrem Kern umgestaltet werden, anstatt beispielsweise einzelne privilegierte Frauen in Führungspositionen zu setzen. Indem mit Intersektionalität die sozialen Lagen und Perspektiven verbunden werden, um die bestehenden Machtverhältnisse gemeinsam zu überwinden, können die Ursachen tatsächlich erkannt und beseitigt werden anstatt die bestehenden Hierarchien mit mehr „Diversität“ zu versehen und damit letztlich zu zementieren.

Echte Nachhaltigkeit braucht queer-feministische Wissenschaft

Im “Leitbild Nachhaltigkeit” schreibt die Uni Hamburg: “[Die Universität Hamburg] konzentriert sich auf Kernfragen der Zukunft und will auch in ihren Strukturen zu einer verantwortungsbewussten Gesellschaftsgestaltung beitragen.”

Ein Vorbild für diese verantwortungsbewusste Gesellschaftsgestaltung könnten die ehemaligen hochschulübergreifenden Studien- und Forschungsprogramme der 90er und 2000er gewesen sein: „Die Uni hat ein Goldstück und sieht es nicht“ resümierte Martina Spirgatis, ehemalige Planerin und Koordinatorin der Hamburger Gender und Queer Studies 2006. Gemeint waren der damalige Nebenfachstudiengang “Gender und Queer Studies” und der Master “Gender und Arbeit”. Mit gelebter Interdisziplinarität, Gesellschaftskritik und hochschulübergreifenden Synergien trugen sie nicht nur zu kritisch-reflexiver Persönlichkeitsentfaltung bei, sondern waren auch bei Lehrenden und Studierenden sehr beliebt. Schon damals ein Musterbeispiel für die Generierung gesellschaftlich erforderlichen Wissens wäre ein solches Studienprogramm auch heute ein Beitrag zur nachhaltigen Bearbeitung von Gleichheit, Inklusion und Antidiskriminierung. Mit dem Auslaufen von Sonderförderungsmitteln wurde eines der ersten umfangreichen Gender und Queer Studies Programme in Deutschland beendet. Aufgrund der enormen Beliebtheit dieser Studiengänge seitens der Studierenden und Lehrenden, ist ihre Abschaffung bis heute lediglich als politische Strategie zu interpretieren. Das emanzipatorische Potenzial der Gender und Queer Studies wurde getauscht gegen Exzellenzorientierung und Internationalitätsphantasien. Der Name „Exzellenzuni“ wurde der UHH für ihre Ausrichtung auf Nachhaltigkeit in Bezug auf die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen verliehen. Soll diese Ausrichtung tatsächlich mehr als ein einer Marketinggag und Selbstbeweihräucherung sein, ist ein erneutes, wieder ausgebautes Gender und Queer Studies Forschungs-und Studien-Programm unumgehbar. Vereinzelte “Genderergänzungen” zu eigentlich anderen Forschungsschwerpunkten und Gleichstellungs-Service werden kaum ausreichen, um Ziele wie das SDG 5 „Achieve gender equality and empower all women and girls“, SDG 10.2 “By 2030, empower and promote the social, economic and political inclusion of all, irrespective of age, sex, disability, race, ethnicity, origin, religion or economic or other status” zu erreichen. Hierfür braucht es den kritischen, hochschulübergreifenden sowie interdisziplinären Blick auf Forschung und Lehre wie er in damaligen Studiengängen bereits versucht wurde zu etablieren.

Ringvorlesung “Jenseits der Geschlechtergrenzen” bleibt!

Ein wichtiger Teil davon war und ist auch die Ringvorlesung “Jenseits der Geschlechtergrenzen“ die von der AG Queer Studies organisiert und gestaltet wird. Die Ringvorlesung besteht seit fast 30 Jahren und bietet einen Raum nicht nur für Gender und Queer Studies, sondern auch für andere kritische Wissenschaften und aktivistische Perspektiven. Dabei spielte das Zentrum GenderWissen eine zentrale Rolle für die Durchführung, nicht nur für die finanzielle, sondern auch inhaltliche Unterstützung. Diese Bedingungen erschweren die Weiterführung der Ringvorlesung als eines der Überbleibsel queer-feministischer Strukturen an der UHH. Paradoxerweise ist aber die Nachfrage nach Lehr- und Lerninhalten, die sich mit Alternativen zum gängigen Bild von heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit und Gegenstrategien zu hegemonialen Lebensweisen sowie auch anderen Machtverhältnissen auseinandersetzen, gleichzeitig gestiegen. 

Ohne das Zentrum und eine Leitung, die sowohl die ausreichenden Kenntnisse in den entsprechenden Theorien als auch ein Wissen um die Bedeutung dieser Räume innerhalb des Universitätsbetriebes hat, kann dieses Projekt und viele andere die Unterstützung erfahren haben, nicht im gleichen Maße weitergeführt werden. Die Angebote aus den Bereichen der kritischen Wissenschaften sind ohnehin schon rar, aber sollte die Stelle der Leitung nicht zeitnah besetzt und das Zentrum seine Arbeit mit der gleichen Ausstattung wiederaufnehmen, droht eine weitere Ausdünnung. In Zeiten des Rechtsrucks ist ein klares Signal für Gender und Queer Studies notwendig!

Die seit über einem halben Jahr unbesetzte Koordinationsstelle im Zentrum GenderWissen muss umgehend wiederbesetzt werden, mit dem Ziel Frauenforschung, Gender und Queer Studies in Forschung und Lehre zu stärken und auszubauen.

Als Beteiligte der Hochschulen, als Genderwissenschaftler*innen, als Aktive in queerfeministischen Kämpfen, als Solidarische und Interessierte – Wir nehmen das nicht länger hin! Lasst uns die Genderwissenschaften zurückerkämpfen!

Drehen wir also den Spieß um und gehen in die Offensive! Wir gendern Hamburgs Wissenschaft und holen uns nicht nur das Zentrum GenderWissen zurück, sondern bauen mit euch gemeinsam die Gender und Queer Studies aus!

Wir fordern und streiten für: 

  • Die Neukonzeption von Studienprogrammen – Feministische Frauen*forschung, Gender und Queer Studies müssen als Lehrveranstaltungen in Lehr- und Studienplänen verankert werden!
  • Die Wiedereinführung eines Studienganges Gender und Queer Studies – In Form eines Nebenfaches oder eines Masters müssen Gender und Queer Studies ein fester Bestandteil der Hochschulen werden!
  • Die Re-etablierung und Ausfinanzierung der Ringvorlesung “Jenseits der Geschlechtergrenzen” als integralen Bestandteil des sozialwissenschaftlichen Lehrplans!
  • Einen Lehrbeauftragten-Pool für die Stärkung genderbezogener Lehre!
  • Die Förderung von Professuren und wissenschaftlichen Mitarberiter*innen-Stellen in diesem Bereich!
  • Den Ausbau des Zentrums GenderWissen als eigenständige, demokratisch verwaltete Institution – Das Zentrum muss wieder in die Lage versetzt werden, genderwissenschaftliche Angebote, Akteur*innen und Interessierte zu verknüpfen und seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt behalten!
  • Die Förderung von Genderperspektiven in allen Studiengängen!

Erste Schritte dafür sind: 

  • Eine Beteiligung studentischer Stimmen bei der Neubesetzung der Koordinierungsstelle im Zentrum GenderWissen und allen weiteren Entscheidungen und Überlegungen! Nur so können kooperative, aus der Uni getragene Lösungen/ Entwicklungen realisiert werden, die nicht nur die Interessen der Universitätspräsidien vertreten.
  • Eine sofortige Widerbesetzung der Koordinationsstelle im Zentrum GenderWissen, um die Fortführung und den Ausbau der über das Zentrum realisierten Lehre, Promotionsunterstützung und Lehrtableauerstellung zu gewährleisten.
  • Die Finanzierung der Ringvorlesung “Jenseits der Geschlechtergrenzen” (Koordinierungsstelle und Referent*innenkosten) und Etablierung dieser als im Studium anrechenbaren Kurs. Denkbar wäre z.B. eine Integration im Rahmen des Studium Generale, koordiniert aus den Sozialwissenschaften. Dies würde Studierenden aller Fächer ermöglichen diese zu besuchen. 
  • Anregung an alle Fachbereiche, diese Themen bei der Lehrplanung zu berücksichtigen: 

“In jedem Berufungsverfahren ist das Kriterium „Fähigkeit, die Gender-Thematik in Forschung und Lehre zu berücksichtigen“ in die Auswahlentscheidung einzubeziehen (§ 6 Abs. 1 BerufungsO)”(Gleichstellungsrechtlinien für den Wissenschaftsbereich der Universität Hamburg 2019; Nr. 10 vom 7. Februar 2019; S. 9).

Bisherige Unterzeichner*innen:

AStA Universität Hamburg

Interventionistische Linke Hamburg

Hamburger Bündnis zum internationalen 8. März Streik

Queer Referat Universität Hamburg

AG Queer Studies Hamburg

Fachschaftsrat Sozialwissenschaften

Ursula Schele – PETZE-Institut für Gewaltprävention

Noah Sow

Prof. Dr. Urs Stäheli – Professor für allgemeine Soziologie an der Hamburg Universität 

Dipl.-Ing. Wibke Derboven – Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TUHH

Dr. Melanie Groß – Professur für Erziehung und Bildung an der Fachhochschule Kiel

Dr. Antke Engel – Institut für Queer Theory, Berlin und Gastprofessur für Gender und Queer Studies, FernUniversität Hagen

Dr. Gilberto Rescher – Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Koordinierungsstelle Lateinamerikastudien (LASt)

Prof. Dr. Marianne Pieper

Dr. Simone Borgstede


Kontakt: queeringacademia@riseup.net

Ankündigung: Struktur- und Protestsemester & Vortragseinladung 27-11-19: Selbstorganisierte, queer-feministische Wissensproduktion vor dem Aus? Zur Geschichte und Zukunft von „Jenseits der Geschlechtergrenzen“

08.10.2019 Von: Marc Kategorie: Aktivismus, Neuigkeiten, Termine, Vortragsreihe

Verehrte Freund*innen der AG Queer Studies und der Reihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“,

vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wo das Programm unserer Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ für das kommende Wintersemester 2019/20 bleibt. Leider wird es erstmal keines geben! Grund hierfür sind strukturelle Veränderungen seitens der Universität Hamburg, welche fürs uns ganz unmittelbar den Wegfall der Ausfinanzierung zur Folge hatten. Die Vortragsreihe wurde bisher zu einem großen Teil durch das Zentrum GenderWissen finanziert. Die dortige Leitungsstelle, die uns stets wohlwollend unterstützt hat, ist seit Sommer diesen Jahres nicht mehr da. Zwar soll diese Stelle zukünftig nachbesetzt werden, allerdings ist unklar wann das wirklich passieren wird. Auch ist unklar, welche Veränderungen dies mit sich bringt und was das im Endeffekt für den Erhalt unserer langjährigen Vortragsreihe bedeutet.

Aus dieser Ungewissheit heraus haben wir uns entschieden, ein „Struktur- und Protestsemester“ einzulegen. Wir wollen uns im kommenden Semester ordnen, neue Perspektiven und Möglichkeiten für die Zukunft erarbeiten, uns vernetzen und auch Kritik üben. Neben weiteren regelmäßigen Treffen unserer AG, wird aus gegebenem Anlass ein Vortrag zur Aktualität und Geschichte der AG Queer Studies stattfinden. Wir freuen uns sehr, dass sich zwei ehemalige Mitstreiter*innen bereiterklärt haben, diesen Vortrag am 27. November um 19.15 Uhrin Raum 250 am Allende-Platz 1 (Pferdestall) zu halten!

Wir wollen weiterhin viele gesellschaftskritische Vorträge organisieren, wir wollen eine baldige Nachbesetzung der Leitung des Zentrum GenderWissens und wir wollen weiterhin queer-feministische Präsenz in universitärem Raum zeigen!

Hier das Abstract zum Vortrag:

Selbstorganisierte, queer-feministische Wissensproduktion vor dem Aus? Zur Geschichte und Zukunft von „Jenseits der Geschlechtergrenzen“

Dr. Kathrin Ganz, Freie Universität Berlin

Bertold Scharf, M.A., Museum der Arbeit Hamburg

Seit 29 Jahren existiert an der Uni Hamburg eine studentisch organisierte Ringvorlesung zu Sexualitäts- und Geschlechterpolitiken, heute bekannt unter dem Titel „Jenseits der Geschlechtergrenzen“. Dieses Semester kann sie nicht stattfinden. Grund dafür sind die fehlende Ausfinanzierung und der Wegfall von wichtigen Strukturen an der Universität Hamburg – ausgerechnet im Jahr von Unijubiläum und Exzellenz.

Anlass für uns, zurückzublicken: Angefangen bei der tabubrechenden Vortragsreihe “(Männliche) Homosexualität in Kultur und Wissenschaft” des AStA-Schwulenreferats schlagen wir den Bogen über die AG LesBiSchwule Studien und den hochschulübergreifenden Studiengang Gender & Queer Studies bis hin zu den intersektionalen Perspektiven, die „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ heute ausmachen. Wir möchten aber nicht nur einen Blick zurück auf die bewegte Geschichte der AG Queer Studies und ihrer Ringvorlesung werfen, sondern auch darüber sprechen, wie es weitergeht. 

Selbstorganisierte studentische Arbeitsgruppen an der Universität sind wichtig, um ein politisches und herrschaftskritisches Verständnis von Wissenschaft zu entwickeln. Zusammen mit zwei ehemaligen Mitstreiter*innen diskutieren wir darüber, wie sich die Bedingungen für die studentische Selbstorganisation im Laufe der Zeit verändert haben und was passieren muss, damit die Vortragsreihe nach diesem Protestsemester auch ihren 30. Geburtstag erlebt.

Kommt vorbei und sagt es weiter!

Eure AG Queer Studies

Vortragseinladung 26-06-19: TransFormations – Trans* Film Festival Berlin: Re:envisioning Gender

24.06.2019 Von: Marc Kategorie: Uncategorized

Mittwoch, den 26.06.2019 um 19:15 Uhr
WiWi-Bunker, Von-Melle-Park 5, Raum 0079, Uni Hamburg

Julius und AnouchK, Teil des TFFB Organisationsteams, Berlin

Hier das Abstrakt zum Vortrag:

Räume anbieten, in denen WIR inklusiv ist.
Wir wollen darüber reden, wie ein inklusiver Raum geschaffen und ermöglicht werden kann. Wir werden auch erzählen, welche Wünsche wir hatten und haben für TFFB und welche Herausforderungen und Resistenzen es gibt.
Was bedeutet INKLUSIV für uns, wer ist dieses WIR…

Vortragseinladung 12-12-2018: Sorgende Netze – Care in einvernehmlich-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken

10.12.2018 Von: Marc Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Mittwoch, den 12.12.18 um 19:15 Uhr
Von-Melle-Park 5, Raum 0079

Sorgende Netze – Care in einvernehmlich-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken

Michel Raab, arbeitet seit vielen Jahren wissenschaftlich und politisch zu unkonventionellen Beziehungsformen, Erfurt

Hier das Abstract zum Vortrag:

Seit den 2000er-Jahren wird die Kritik an Monogamie und Mono-Normativität verstärkt dis­kutiert. Die aktuell populärste Alternative zu Ehe und Zweisamkeit nennt sich Polyamory und meint die Möglichkeit, mehr als zwei Menschen zur selben Zeit zu lie­ben. Nun hilft die Aussage „Ich liebe Dich/Euch“ wenig bei der Frage, wer den Ab­wasch macht, das Bad putzt oder sich anderweitig kümmert. Womöglich trägt der star­ke Fokus auf Liebe, Sexuali­tät und Eifersucht dazu bei, die Dimension der Sorge/Care aus dem Blick zu verlieren. Die Veranstaltung nimmt daher die gesellschaftliche Bedeutung der Monogamie zum Aus­gangspunkt für die Frage, unter welchen Bedin­gungen konsensuelle Nichtmonogamie ei­nen subversiven Charakter hat, wie sie ein schöneres Leben ermöglichen kann und wann sie schlichtweg eine modernisierte Varia­nte der für den Kapitalismus funktionalen Gestal­tung der Geschlechterverhältnis­se im sozialen Nahraum ist. Grundlage der Ausführungen ist eine marxistisch und feministisch inspirierte Interviewstudie zur Frage von Care in ein­vernehmlich-nichtmonogamen Beziehungsnetzwerken.

Votragseinladung 28-11-2018: Antifeminismus vor Gericht – Über die Macht psychologischer Sachverständiger in Sexualstrafprozessen

26.11.2018 Von: Marc Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Mittwoch, den 21.11.18 um 19:15 Uhr
Von-Melle-Park 5, Raum 0079

Antifeminismus vor Gericht – Über die Macht psychologischer Sachverständiger in Sexualstrafprozessen

Clara Kern*, Diplom-Psychologin, lebt zerstreut zwischen Wien und manch anderen Orten, interessiert sich insbesondere für (Un-)Rechtsfragen

Anne Roth, Diplom-Psychologin, begleitet und unterstützt Betroffene sexualisierter Gewalt bei LARA, Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* in Berlin

Hier das Abstract zum Vortrag:

Innerhalb des Staats- und Justizsystems werden für bestimmte Fälle psychologische Sachverständige zu Stellungnahmen aufgefordert, die einen maßgeblichen Einfluss auf das Urteil haben. Dabei geht es u.a. um die Einschätzung, inwieweit eine Person „glaub­würdig“ ist – sei es in Entschädigungs- und Strafverfahren nach Gewalttaten, bei der Über­prüfung der „Legitimität“ des asylrechtlichen Aufenthalts oder der Feststellung der „Arbeits(un)fähigkeit“. Die Gutachter_innen wenden dabei „objektive“, „wissen­schaftliche“ Methoden an, um die „Lügner_innen“ von den „Wahrheitstreuen“ zu unter­scheiden. Diese (Vor-)Verurteilungen werden stark durch populäre false-memory-Modelle und moralische Wertvorstellungen der Gutachter_innen beeinflusst, was für die begutachteten Personen massive negative Folgen haben kann – z.B. wenn eine „wissenschaftlich fundierte“ Begut­achtung ergibt, Betroffene sexueller Gewalt hätten sich das Erlebte nur eingebildet.

In dem Beitrag möchten wir versuchen, die vermeintliche Objektivität der psychologi­schen Begutachtung zu hinterfragen, die gängigen Praxen kritisch aufzeigen und mit den Teilneh­mer_innen über mögliche Widerstandsformen und Alternativen diskutieren.

Unser Wunsch wäre außerdem die Vernetzung mit anderen Psycholog_innen und Jurist_innen, um perspektivisch feministische (Gegen-)Stimmen zur herrschenden Gutach­tenpraxis zu bündeln.

Die Veranstaltung kann ohne besondere Vorkenntnisse besucht werden.

Triggerwarnung: Es werden konkrete Erfahrungen von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Justizsystem und bei der Suche nach Unterstützung beschrieben.

 

Vortragseinladung 13-06-2018: Selbstfürsorge, ver_Rückte Zustände und Psychiatriebetroffenheit im Kontext gegenwärtiger neoliberaler gesellschaftlicher Verhältnisse

11.06.2018 Von: Marc Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Mittwoch, den 13.06.18 um 19:15 Uhr
Von-Melle-Park 5, Raum 0079

Selbstfürsorge, ver_Rückte Zustände und Psychiatriebetroffenheit im Kontext gegenwärtiger neoliberaler gesellschaftlicher Verhältnisse

Franziska Hille, Soziologin, promoviert an der Universität Innsbruck

Hier das Abstract zu Vortrag:

Anhand erster Ergebnisse aus Interviews mit psychiatriebetroffenen Personen zur Bedeutung von Selbstfürsorge im Zusammenhang mit ver_Rückten Zuständen werfe ich die Frage auf, inwiefern Selbstfürsorge und Reproduktionsarbeit zusammenhängen und was dies mit sozialen Positionierungen in gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu tun hat. Ich diskutiere ein alternatives Verständnis von ,psychischen‘ Krisen und kontextualisiere Selbstfürsorge im Spannungsfeld gegenwärtiger neoliberaler gesellschaftlicher Verhältnisse: einerseits als empowernd und handlungsbefähigend, zugleich jedoch auch als Verschiebung gesellschaftlicher Widersprüche in die – nicht bewältigbare – Verantwortung des einzelnen Subjekts.

Vortragseinladung 30-05-2018: Von fiercen Femmes und Körpernormen – eine theoriegeleitete Annäherung an das Konzept Lookismus im Kontext queer/feministischer Subkultur(en) in Deutschland

26.05.2018 Von: Marc Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Mittwoch, den 30.05.18 um 19:15 Uhr
Von-Melle-Park 5, Raum 0079

Von fiercen Femmes und Körpernormen – eine theoriegeleitete Annäherung an das Konzept Lookismus im Kontext queer/feministischer Subkultur(en) in Deutschland

Svenja Spyra promoviert in der Soziologie an der LMU München

Hier das Abstract zu Vortrag:

Der Vortrag fragt im Kontext lesbischer, queerer und feministischer Bewegungsgeschichte(n) in Deutschland danach, welchen Stellenwert bestimmte Körpernormen für die Teilhabe an jenen Subkulturen haben, und diskutiert diese vor dem Hintergrund des Konzepts Lookismus. Leitend ist die Frage, ob es ausreicht, gesellschaftliche Formen sexistischer, rassistischer, klassistischer Blicke und Darstellungen zu kritisieren. Worin liegt das emanzipatorische Potenzial des Lookismus-Begriffs auch im Hinblick auf queere und feministische Zusammenhänge? Bestehen nicht auch dort Normen, welche die Teilhabe bedingen?

Der Vortrag befasst sich mit der Frage, welches Wissen gegenwärtig unter dem Begriff Lookismus verhandelt wird, und bezieht sich dabei insbesondere auf Normen und Vorstellungen von Körperlichkeit in den benannten Subkulturen. Judith Butler formulierte im Unbehagen der Geschlechter (1991), dass ,feministische‘ Zielsetzungen und Repräsentationsansprüche zu scheitern drohen, wenn sie die konstitutive Macht nicht anerkennen und berücksichtigen, in deren Rahmen sich ,feministische‘ Subjekte bilden (vgl. Butler 1991: 20). Doch welche Zielsetzungen und Repräsentationsansprüche sind in ,queeren‘ und ,feministischen‘ Räumen eigentlich vorherrschend? Und wie sind diese vor dem Hintergrund geschichtlicher Entwicklungen einzuordnen und zu verstehen?

 

 

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Vortragseinladung für FREITAG 11-05-2018: PorYes! Feministische Konzepte in der Pornografie

08.05.2018 Von: Marc Kategorie: Termine, Vortragsreihe

Abweichend an einem Freitag im Hörsaal der Erziehungswissenschaften (Von-Melle-Park 8), beginnt pünktlich um 19:00 Uhr s.t., Dauer ca. 2 Stunden

PorYes! Feministische Konzepte in der Pornografie

Lexi Heinrich, Mitorganisatorin des PorYes – Feminist Porn Award & Teil des sexpositiven Netzwerks FREUDENFLUSS, Berlin

 

Hier das Abstract zum Vortrag:

Die Pornoindustrie ist stark von sexistischen Darstellungen geprägt. Frauen* werden häufig als passive Objekte gezeigt, die wie selbstverständlich die männlichen Wünsche und Fantasien bedienen. Männer* werden auf unsensible, irreale Dauerständer reduziert. Es bleibt wenig Raum für positiven, mutigen, und bewussten Zugang zur eigenen Lust und einen wertschätzenden Umgang mit dem eigenen und anderen Körper/n sowie diversen und individuellen sexuellen Praktiken. Die feministische Bewegung schafft hier seit Jahrzehnten aktiv Alternativen und produziert lust- und powervolle Pornografie abseits von normativen Gendergrenzen und diskriminierenden Body-shapes. Lexi Heinrich stellt feministische Strategien in der Pornografie, Künstler*innen und Aktivist*innen vor. Das anschließende Porn Film Watching bietet die Grundlage für den gemeinsamen Austausch.

Vortragseinladung 22.11.2017: Lesung & Diskussion: “Wege zum Nein. Emanzipative Sexualitäten und queer-feministische Visionen. Beiträge für eine radikale Debatte nach der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016”

19.11.2017 Von: Marc Kategorie: Vortragsreihe

Mittwoch, den 22.11.2017 um 19.15 Uhr

Von-Melle-Park 5, Raum 0079

 

“Wege zum Nein. Emanzipative Sexualitäten und queer-feministische Visionen. Beiträge für eine radikale Debatte nach der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016”

Sina Holst und Johanna Montanari, Herausgeberinnen

 

Hier das Abstract zum Vortrag:

Wie können wir Räume und Beziehungen gestalten, in denen Neinsagen nicht nur möglich ist, sondern wertgeschätzt wird? Was ändert sich mit der Sexualstrafrechtsreform in Deutschland 2016? Was bedeutet diese Reform aus rassismuskritischer queer-feministischer Perspektive?

Wir stellen das Buchprojekt “Wege zum Nein” vor, lesen daraus vor und laden euch ein, mit uns zu diskutieren.

„Wege zum Nein“ versammelt aktivistische, juristische und philosophische Perspektiven auf die Reform des Sexualstrafrechts 2016 und führt eine radikale Debatte über sexuelle Gewalt, sexuelle Selbstbestimmung und Emanzipation. Rassismuskritische queer-feministische Perspektiven thematisieren und attackieren den gesellschaftlichen Status Quo und treten in Austausch miteinander. Sie entwerfen Argumente und Visionen, diesen Status Quo zu verändern, sich Handlungsmacht anzueignen und diese zu erweitern.